Eine große Transformation …

Bild: Adolph von Menzel - Eisenwalzwerk. Verwendung als gemeinfreie Datei.

… hört sich zumindest gut an!

Was aber ist eine Große Transformation? Beziehungsweise: Um was genau geht es denn bei einem Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation? Immerhin gibt es dazu nicht nur einen Wikipedia Eintrag (hier).1 Parallel dazu gibt es eine eigene Homepage der Transformateure (hier), wie sie sich selbst nennen, als Akteure der großten Transformation. Auch existieren dazu mittlerweile zahlreiche Publikationen2. Aber das muss alles noch nicht allzu viel heißen. Was kann aber ich nun dazu beitragen, berichten oder schreiben? Inhaltlich wohl nichts Neues. Aber eine Beobachtung zum Begriff, die mich interessiert und fasziniert.

Bild: Adolph von Menzel - Eisenwalzwerk. Verwendung als gemeinfreie Datei.

Eine große Transformation hat zuallererst mit Fragen der energetischen Seiten von Produktion und Technologie zu tun. Mit einer hohen Pfadabhängigkeit bzw. oft einem Lock-in Syndrom. Eine Transformation dieses Bereichst dürfte entsprechend schwer sein.
Bild (= Beitragsbild als Ausschnitt): Adolph von Menzel – Eisenwalzwerk. Verwendung als gemeinfreie Datei.

Transformation…

Die Verwendung des Begriffs der „großen Transformation“ finde ich also interessant. Warum? Diese Wortwahl ist ja nicht zufällig geschehen und orientiert sich am ungarischen Ökonomen Karl Polanyi. „In ihrer Bedeutung sei diese Wende von der fossilen zur postfossilen Gesellschaft vergleichbar mit den beiden bisher fundamentalsten Transformationen der Menschheitsgeschichte: der Neolithischen Revolution (Erfindung und Verbreitung von Ackerbau und Viehzucht), sowie der Industriellen Revolution (Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft)“3. „Zudem beziehen sich die Autoren auf die Idee des Gesellschaftsvertrags (Contrat social) von Jean Jacques Rousseau als Grundlage moderner Demokratie“. „Der Gesellschaftsvertrag kombiniere eine Kultur der Achtsamkeit (aus ökologischer Verantwortung) mit einer Kultur der Teilhabe (als demokratische Verantwortung) sowie einer Kultur der Verpflichtung gegenüber zukünftigen Generationen (Zukunftsverantwortung)“4.

… und „Aufhebung“

Meine Faszination rührt nun daher, dass ich mich seit meiner Jugendzeit mit Karl Marx auseinandersetze. Am eingehendsten während meiner Zeit an der Akademie der Arbeit und dort wiederum während der philosophischen Vorlesungen. Bei Herfried Münkler hatten wir dazu auch das zentrale Kapitel „Herrschaft und Knechtschaft“ in der Phänomenologie von Georg Wilhelm Friedrich Hegel behandelt. Das Entscheidende für mich war dabei die Auseinandersetzung mit dem Begriff (dialektischen) „Aufhebung„. So, wie ihn Hegel verwendet und Karl Marx dann für die ökonomische Analyse übernimmt. Es ist der wohl am meisten missverstandene Begriff bei Karl Marx, wenn er von der „Aufhebung des Kapitalismus“ redet.5 Er meint damit nämlich nicht die meist dazu geäußerte Idee einer „Abschaffung“. Sondern – wie eben Hegel in seiner Dialektik auch – in etwa, dass man die positiven Aspekte des Kapitalismus (beispielsweise die Freiheit) bewahrt (aufhebt) und die negativen Aspekte auf eine neue Stufe hebt (aufhebt in eine neue Ordnung). Kurzum: Das System transformiert ohne dabei zu vergessen, dass es bewahrenswerte Errungenschaften und Wurzeln gibt.

Gesellschaftsvertrag?

Daran knüpft die Debatte um einen Gesellschaftsvertrag für die große Transformation an. Allerdings muss auch dieser Gesellschaftsvertrag – bzw. die Transformation – deutlich machen, wohin die Reise gehen soll. Also so etwas wie eine positive Utopie entwickeln. Daran wiederum hat es Karl Marx schon ermangelt. Seine Vorstellungen einer künftigen Gesellschaft sind doch eher sehr dünn. Natürlich kann man eine solche Idee nicht jetzt schon als Gesellschaftsformation beschreiben. Aber doch, was dann anders sein muss – und wie man es über Bildung erreichen kann. Wobei Bildung nur die eine Seite der Transformation darstellt. Die andere Seite betrifft die Frage der gesellschaftlichen Verteilung von Macht – und Eigentum an Produktionsmitteln. Daran wiederum, so stelle ich bisher fest, ermangelt es im Moment noch der Transformationsdebatte. Aber das kann – und wird – sich hoffentlich ändern. Hier könnte man übrigens wieder an Hegel anschließen. Denn das Kapitel „Herrschaft und Knechtschaft“ […] „hat der Psychologie, Anthropologie und Soziologie Impulse gegeben und das Thema der Macht in sozialen Beziehungen eröffnet“6.

Nachtrag vom 06. Januar 2015

„Ich beschäftige mich derzeit stark mit Transition als Antwort. Und dabei geht es darum, wirklich der Herausforderung der Ölverknappung und des Klimawandels ins Gesicht zu schauen und mit einer Kreativität und Anpassungsfähigkeit und Vorstellungskraft zu antworten, die wir wirklich brauchen.“7

Im TED-Talk von Rob Hopkins, den ich erst sehr viel später gesehen habe, werden schöne Beispiele für die Möglichkeiten einer Transformation gezeigt. Er sei zur weiteren Lektüre empfohlen.

 

  1. Wobei – ein Eintrag ist eher untertrieben, denn einen gibt es in der Wikipedia zum Gremium (hier), einen anderen zu den Ergebnissen (hier), d.h. das Hauptgutachten und den Gesellschaftsvertrag. []
  2. Die wichtigsten seien an dieser Stelle kurz hinterlegt: Das Hauptgutachten „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ 2011 hier oder der Vortrag von Hans Joachim Schellnhuber hier bzw. noch die Darstellung als Comic hier. []
  3. Wikipedia: Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation. []
  4. Wikipedia, a.a.O. []
  5. Das zweite große begrifflich Mißverständnis ist in meinen Augen die Gleichsetzung von Marktwirtschaft mit Kapitalismus. Auch das wollte er so sicher nicht. []
  6. Wikipedia, Herrschaft und Knechtschaft. []
  7. Rob Hopkins im TED-Talk, ca. Minute 8 im deutschen Transkript hier. []
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