Nichtwissen ist keine Option (Teil 1)

„Die geläufige Übersetzung von oîda ouk eidōs (οἶδα οὐκ εἰδώς) trifft nicht den Sinn der Aussage. Wörtlich übersetzt heißt der Spruch ‚Ich weiß als Nicht-Wissender‘ bzw. ‚Ich weiß, dass ich nicht weiß'“.

Keine Angst – auch dieser Blog wird wieder etwas länger 🙂 . Das obige Zitat enstammt der Wikipedia1 und soll zum Thema Nichtwissen hinführen. Ursprünglich und als Auslöser dieses Blogs stand hier (vor der ersten Publikation)2 jedoch folgendes Zitat:

„Das unfassbare Erstarken der Nachrichtendienste ist ein Symptom dafür, dass ganze Staatsapparate verzweifelt auf der Suche nach der Bedeutung des Geschehens im Netzzeitalter sind.“3

Der Beitrag dahinter hat mich tatsächlich dazu bewogen, diesen Blog zum Thema Wissen, Nichtwissen und dem Verhältnis dieser beiden Bestandteile überhaupt zu beginnen. Beide Zitate gehören in meinen Augen zusammen. Damit das wiederum Sinn ergibt, muss ich ein paar andere kluge soziologische und philosophische Gedanken dazu aufgreifen. D.h., um schließlich zu meinen Schlussfolgerung zu kommen, muss ich die jeweiligen Zugänge adäquat schildern und würdigen. Ich habe diesen Blog deshalb in drei Teile unterteilt:

  1. Im Teil 1 (Nichtwissen ist keine Option, also hier) will ich zeigen, dass die Art des (wissenschaftlichen) Wissens, das derzeit in Schulen, Hochschulen und Universitäten sowie im Bereich der beruflichen Bildung4 vermittelt wird, und das ich szientistisches Wissen (Faktenwissen) nenne, Sinn und Bedeutung als Korrektiv menschlichen Wissens und „als Fähigkeit zum sozialen Handeln“,5 bei gleichzeitiger moralischer Verantwortung, verloren hat.6
  2. In Teil 2 (Nicht-Wissen ist eine Option) argumentiere ich, dass die Weise, wie technizistisches Faktenwissen vermittelt (und überprüft) wird dazu führt, die anderen Seite des Wissens, das Nicht-Wissen, über das Menschen typischerweise auch verfügen, nicht zu wissen.7 Im Sinne von Ignoranz Wissen werde ich dabei die typisch menschliche Fähigkeit wissen zu können, was man nicht wissen muss, und manchmal auch nicht wissen kann, positiv auf den Erwerb sinnvollen Wissens (das Lernen) hin beziehen.8 Hinzu kommt der elementare Bezug des negativen Wissens speziell auf die menschliche Handlungskompetenz, beispielsweise in mehrdeutigen Kontexten.
  3. Teil 3 (Wissen als Option 1 & 2) schließlich greift den Part der emotionalen Verfasstheit von Wissen auf, um es auf die grundsätzliche Tatsache hin zu beziehen, warum wir als Menschen überhaupt wissen können, Wissenschaft betreiben und dabei Wissen über Wissen und Nicht-Wissen generieren können.9 Und warum es gerade die emotionale Komponente derzeit dazu führt, nicht mehr zu argumentieren, sondern mit Verschwörungstheorien zu arbeiten und Falschaussagen zu kultivieren.
David - The Death of Socrates. Verwendung als gemeinfreie Datei auf den Wikimedia Commons.

Einer der ersten großen Denker, der sich mit der anderen Seite des Wissens, dem Nicht-Wissen, auseinandergesetzt hat, war Sokrates. Das ihm zugeschriebene Zitat „Ich weiß, dass ich nicht(s) weiß“ ist kein Zeugnis über das Nichtwissen in dem Sinn. Es ist eine Kampfansage an das Halbwissen und die fehlende Motivation, nach der Wahrheit (als echtem und sinnhaltigem Wissen) zu suchen. Das öffentliche Verfolgen dieses Ansinnen war in meinen Augen einer der Hauptgründe für sein Todesurteil.
Bild (= Beitragsbild als Ausschnitt): David – The Death of Socrates. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons (CC 0), also als gemeinfreie Datei auf den Wikimedia Commons.

Vernunftgebrauch und Wissen

Nichtwissen ist keine Option. Ebensowenig aber ist eine Option, um das Nicht-Wissen nicht zu wissen. Beides nämlich kann aus meiner Sicht sehr leicht zu den politisch anti-aufklärerischen Verhaltensweisen führen, die derzeit im Netz gut zu beobachten sind. Ich vermute, dass das deshalb der Fall ist, weil Wissen erst im Sinne von Sinnbezug einen „öffentlichen Vernunftgebrauch“ ermöglicht. Bzw. eigentlich umgekehrt: erst der öffentliche und diskursive bzw. argumentative Vernunftgebrauch ermöglicht das Erkennen der Bedeutung des jeweiligen Wissens. Doch bevor ich zur Begründung komme, muss ich auf die Stärke und Probleme des derzeitig bevorzugten Wissenstypus im Sinne von technizistischem Fakten- und Fachwissen (mitunter als träges Wissen bezeichnet), dem in aller Regel der Sinnbezug fehlt, eingehen.

Explizites Wissen – Die starke Seite der Macht

„Wissen ist Macht“

Das sicher allen Leser*innen bekannte Zitat ist äußerst positiv konnotiert und wird auch im (politischen) Bildungskontext stark gemacht. Es geht auf den englischen Philosophen Francis Bacon zurück. Für ihn war Programm, was später die Moderne, vor allem die Naturwissenschaft und Politik, weitgehend bestimmt hat: die praktische Nutzanwendung von Wissen in Form von technischem Wissen. Zu diesem Zweck sei Naturbeherrschung das Ziel der Wissenschaft – und im Interesse des Fortschritts.10 Naturbeherrschung – das gilt natürlich auch für die menschliche Natur des Lernens und Wissens. Insofern gipfeln diese Überlegungen nicht umsonst im bekannten Bonmot „Was nicht messbar ist, das existiert nicht“ auch in einigen Bereichen der Sozialwissenschaften. Dabei handelt es sich um eine bestimmte Art von Wissen, das ich technizistisches Wissen nenne. Diese Art des Wissens bezeichnet ein mehr oder weniger einfach abgrenzbares Faktenwissen, das in einem sehr weiten Sinn mathematisch korrelierbar ist. Explizierbar ist dieses Wissen, weil es als Gedächtnisinhalt abrufbar ist und die Explizierbarkeit, beispielsweise in Prüfungen, gilt als Maß der Dinge zur Feststellung von Wissen.11 Diese Art von Wissen war und ist, vor allem in Gestalt von technischem und naturwissenschaftlichem Wissen, dermaßen wirkmächtig geworden, dass es auch zum Vorbild für die Organisation von Unternehmen und – daraus abgeleitet – dem Aufbau der Universitäten und Schulen (bzw. ihrer Curricula) wurde.12 Weil es in einem weiten Rahmen verschriftlicht, dekontextualisiert und technizistisch angelegt ist,13 hat es eine sehr starke und machtvolle Seite: Leichte Explizierbarkeit, jederzeitige Reproduzierbarkeit und (scheinbar) objektive Überprüfbarkeit.14 Es dürfte zugleich die Art von Wissen darstellen, die künftig von Computern oder auch der künstlichen Intelligenz gesammelt und verarbeitet werden kann, weil es maschinell bearbeitbar sowie ver- oder auch auswertbar bleibt.

Information vs. Wissen

„Was du nicht messen kannst, kannst du nicht lenken.“15

Ob „Big Data“, das blinde Sammeln von Daten durch die Geheimdienste oder der zunehmende „Empirismus“ im wissenschaftlichen Kontext – stets steckt dahinter der Glaube, dass sich aus den gesammelten Daten entsprechendes „Wissen“ generieren lässt. Ein Wissen, das schließlich wissenschaftliche Vorhersagen im Sinne einer „radikalen Technologiegläubigkeit“ für menschliches Handeln und letztlich politisch auch eine „Beherrschung“, mindestens jedoch Steuerung menschlicher Gesellschaften möglich macht.16 Selten genug wird dabei definiert, was denn nun Wissen, beispielsweise gegenüber Informationen, ist oder sein könnte.17 Diesen Fehler will ich nicht begehen und liste deshalb kurz auf was für mich Wissen, beispielsweise im Unterschied zu Informationen oder zu Daten, ist:

  • Daten, im korrekten Singular Datum (von lat. dare = geben, datum = das Gegebene), stellen logisch gruppierte Zeicheneinheiten dar.
  • Informationen sind eine geordnete Abfolge von Symbolen (beispielsweise auf Grundlage von Zeicheneinheiten), deren Bedeutung ein sinnverstehender Empfänger rekonstruieren kann. Informationen können aus Daten gewonnen sowie externalisiert gespeichert werden. Informationen sind die Grundlage von Wissen.
  • Wissen entsteht dann, wenn die Bedeutung der Informationen mit den Erfahrung einer Person sowie dem Vorwissen emotional verknüpft18 wird und darüber einen Sinn bekommt. Erst im Kontext und mit der Zuordnung von Sinn wird Wissen auch handlungsleitend und „moralisierbar“.19 Wissen hat über den Sinnbezug einen mehr oder weniger großen internalisierten sozialen Anteil.20

Wissen in diesem Sinne ist also wesentlich mehr als die (Aus-) Speicherung einer reinen Information, die sich beispielsweise aus den Daten wissenschaftlicher Forschung gibt. Bereits der Erwerb von Wissen in unterschiedlichen Arten und Weisen, also das Lernen von Menschen, ist deshalb normalerweise ein äußerst kreativer Prozess und nicht nur in Form algorithmischer Datenaufnahme möglich. In Form von „trägem Wissen“ gibt es andererseits psychologisch und empirisch die Feststellung, dass es verbreitet ein im Rahmen des Studiums, der Ausbildung oder im Bereich der betrieblichen Fortbildung gelerntes theoretisches, in diesem Sinn formalisiert abrufbares und angehäuftes Wissen, gibt. Mit deutlichen Folgen für wissenschaftliches Wissen, denn spätestens hier ergibt sich das Problem der „Vermittlung“ von Wissen: dieses leicht explizierbare Wissen ist nicht nur träge, sondern auch „zäh“ zu erlernen.

Technizistisches Wissen

„Es liegt wohl an unserem pädagogischen System, und nun komme ich zu Ignoranz und Erziehung […] Wir müssen unseren Schülern ein Gefühl für die Grenzen geben, was außerhalb des Umkreises liegt, was außerhalb der Fakten liegt, genau hinter den Fakten.“21 

Was sich hier wie ein Plädoyer für eine Metaphysik anhört, die ja wörtlich ausgelegt „jenseits der Natur“ bedeutet und eine wichtige philosophische Disziplin darstellt,22 stammt von Stuart Firestein, einem Neurowissenschaftler.23 Er beschäftigt sich als Wissenschaftler im sehenswerten TED Talk mit dem Thema Wissenschaft und Ignoranz. Er sieht als Problem des Vermittelns dieser spezifischen Art von Wissen ebenfalls die derzeitige Bildungsmethodik, die es auf eine spezifische Art von Wissen (nämlich Fakten) abgesehen hat.

Im TED Talk findet Stuart Firestein deutliche Worte, wenn er erwähnt, dass die derzeitige Bildungsmethodik von einem Kollegen von ihm als „bulimische Bildungsmethode“ bezeichnet würde. Wörtlich: „Wir stopfen ihnen einfach einen Haufen Fakten in den Hals und dann kotzen sie sie beim Test wieder raus und alle gehen nach Hause ohne jegliche intellektuelle Bereicherung.“24 Technizistisches Wissen legt ein solches Vorgehen leider sehr nahe.

„Jede Antwort führt nur zu mehr Fragen.“25 Die auch politisch, wissenschaftlich und gesellschaftlich grundlegende Frage, die sich mir stellt, wäre also: welche Gesellschaft würde sich ergeben, in der ihre Mitglieder nicht alles (scheinbar) wissen, sondern die sich zu allererst fragend in der Welt bewegen? Die nichts als Selbst-verständlich hinnehmen, sondern sich vergewissern, ob das andere auch so sehen? Die dadurch anerkennen, dass sie tatsächlich ganz viel nicht wissen, Ihnen dieses Nichtwissen aber keine Angst macht, sondern im Gegenteil Neugier weckt? In der auch die Wissenschaft zurück zu ihrem fragenden Ursprung kehrt? In der die Fragestellung vor der Feststellung kommt und damit Erkenntnis noch vor der Entdeckung steht?26 Ich meine, dass das ganz viel Potenzial für eine Gesellschaft, vor allem jedoch für die Institutionen und Politik darin hätte, die plötzlich neugierig in Changeprozesse gehen und Fehler als etwas ganz natürliches ansehen, die man eben macht, weil man vieles nicht weiß, aber dennoch mutig genug ist, es einfach auszuprobieren. Auch das Bildungssystem würde davon profitieren, denn dazu wäre es tatsächlich notwendig, vom Lehren im Sinne des Vermittelns (und Prüfens) von Fakten abzurücken und wieder hin zur Sokratischen Methodik des Fragen zu gelangen.

Unmündiges Wissen

„Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen?“27

Auch Immanuel Kant ging zunächst fragend bei der Wissenssuche vor. Und hatte dabei mehr vor Augen, als die reinen Fakten, denn was Menschen mit dem Wissen tun sollen und was sie schließlich auch hoffen dürfen, lag für ihn auf ganz anderen Ebenen, als das reine Faktenwissen.28 Vielfach wird aber in der Debatte aber bereits nicht mehr zwischen Wissen und Informationen unterschieden. Doch dann werden nicht nur Korrelationen mit Ursachen verwechselt, sondern auch zutiefst verkannt, dass die Aufklärung, als Ausgang des Menschen aus seiner „selbstverschuldeten Unmündigkeit“, beispielsweise nicht darin besteht, sich möglichst viel (träges) Wissen im Sinne von explizierbaren Fakten anzueignen, oder gar nur technische Informationen auf Vorrat zuzulegen. Aufklärung muss darin bestehen, mit dem Wissen auch Sinnbezüge und Erklärungen (keine Korrelationen) herstellen zu können.29 Ein Gedanke, den in meinen Augen die Aufklärung sehr hoch gehalten hat und den Immanuel Kant treffend mit dem Satz „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ als „Wahlspruch der Aufklärung“ beschreibt.30 Man könnte Kant schon fast als Apologeten oder frühen Propheten der sozialen Medien bezeichnen, denn Transparenz und Öffentlichkeit waren für ihn ein weiteres zentrales Merkmal von Aufklärung: Der öffentliche Gebrauch seiner Vernunft muß jederzeit frei sein, und der allein kann Aufklärung unter Menschen zustande bringen.31 Man lese und staune: der öffentliche Gebrauch der Vernunft (als Reflexion auf Wissen und Herstellung des Sinnbezuges) ist das Entscheidende, nicht das angehäufte oder explizierbare Wissen.32 Ein auf diese Art und Weise erworbenes Wissen hat eine Bedeutung für den Wissenden und leitet für Kant zu sinnvollem, wie auch verantwortungsbewusstem, Handeln an.33 Wissen im Sinne einer reinen Datensammlung ist dagegen gerade keine Kompetenz.34

Die Verschwörung

„Letztlich ist die Wurzel jeder Verschwörungstheorie der starke Wunsch zu glauben, dass irgendjemand irgendwo kompetent ist in dem, was er tut.“35

Für die der „Chemtrail Verschwörungstheorie“ folgenden Menschen sind die Kondensstreifen, die typischerweis durch das Fliegen entstehen, „nicht nur auf kondensierte Flugzeugabgase in großer Höhe zurückzuführen, sondern basieren auf der willentlichen Ausbringung von Chemikalien und Zusatzstoffen.“36 Noch einmal zurück zum Thema: das Wissen darum, dass es Kondensstreifen am Himmel gibt, die von Flugzeugen erzeugt werden, wird von diesen Anhängern nicht bestritten. Ergänzt wird jedoch in der Diskussion untereinander (also im öffentlichen Gebrauch) ein anderer Sinn: Die Kondensstreifen enthalten bewusst beigefügte Zusatzstoffe, die aus einem bestimmten Grund (Sinn) beigefügt werden. Verschwörungstheorien haben gerade im Internet ihren eigenen Charme. „Sie versprechen, die Welt zu erklären, ohne einfach nur etabliertes Wissen nachzubeten.“37 Sehen sich die Anhänger dann noch im gemeinsam geteilten Widerspruch zu Forschungsinstituten und Behörden, dann ist das „naturgemäß“ erst recht ein „Beweis für ihre Theorie.“38 Vor dem Hintergrund des Anliegens einer politischen Aufklärung sind die Anhänger der Chemtrail Verschwörungstheorie, die eine vor allem durch das Internet verbreitete Verschwörungstheorie darstellt, nicht nur lustig. Vor allem dann nicht, wenn die Verschwörungstheorie politisch zu der Frage umgedeutet wird, wer denn hinter diesem Vorhaben stecken könnte. Im Sinne einer aufklärerischen Politik wird es deshalb hochproblematisch, weil das ja deshalb von den Herrschenden / Drahtziehern / finsteren Mächten gemacht wird, um wahlweise die Bürger*innen gefügig zu machen oder auf eine ausgeklügelte Art und Weise die Herrschaft zum Zeitpunkt X zu übernehmen. Sokrates hätte sich im Grabe umgedreht ob dieses unhaltbaren Scheinwissens. Für mich folgt aber daraus, dass man mit Fug und Recht von Ersatzreligionen sprechen kann. Ersatzreligionen, die auf Wissen beruhen bzw. Ersatzreligionen in dem Sinn, aus den nackten Fakten wieder menschlich sinnvolles Wissen zu generieren, „in der Hoffnung, so ein wenig (In-)Halt zu finden in dieser wackeligen Welt, die uns jederzeit zu entgleiten scheint.“39 Gegen eine solche Unsicherheit hilft aber keine Ersatzreligion, sonder nur Erkenntnis im Sinne von „echtem“ Wissen.40

Prashanta - Contrails near Frankfurt (Germany), 2012 (BY-SA)

Am Beispiel der Chemtrail Verschwörungstheorie kann man m. E. besonders schön verdeutlichen, wie wichtig eine sozial sinngebende Einbettung von Wissen für Menschen ist. Rein aus Daten oder Informationen lässt sich dieser Sinnbezug jedoch nicht konstruieren. Dazu bedarf es des „öffentlichen Gebrauchs“ der Vernunft, wie schon Kant zu sagen wusste.
Foto: Prashanta – Kondensstreifen nahe Frankfurt (2012) auf Wikipedia. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons (BY-SA), Namensnennung und Verwendung unter gleichen Bedingungen.

„Es ist so bequem, unmündig zu sein.“

„Vielmehr hinterfragt er das, was man zu wissen meint. Denn dieses vermeintliche Wissen ist nur ein beweisloses Für-selbstverständlich-Halten, das sich bei näherer Untersuchung als unhaltbares Scheinwissen entpuppt.“41

Nun ist das Internet, insbesondere in der Ausformung des Web 2.0, bekannt dafür, dass solche menschlichen „Gepflogenheiten“ unglaublich verstärkt werden können.42 Aber sie werden eben nur verstärkt, und nicht etwa neu generiert. Gerade die Verschwörungstheorien im Internet sind in meinen Augen der offensichtliche Ausdruck eines zutiefst menschlichen Bedürfnisses: Nämlich das, einen Sinn in der eigenen Existenz bzw. dem menschlichen Zusammenleben zu sehen. Sehr schön hat das der Anthropologe Clifford Geertz in seinem Buch „Dichte Beschreibung“ als kulturelles Muster ausgeführt.43 Verschwörungstheorien und Halbwissen (bzw. Scheinwissen) stellen für mich insofern den unmündigen Gegenentwurf dazu dar, sich nicht reflexiv mit der sinngebenden Seite des Wissens  auseinanderzusetzen zu wollen (oder zu können)Ich glaube, dass sich das wieder besonders gut anhand eines Blickes in das antike Griechenland, genauer eben auf das Handeln von Sokrates, zeigen lässt. Er steht ja nachgerade paradigmatisch dafür, das Halbwissen, Pseudowissen, oder für ihn eigentlich eher Scheinwissen, seiner Zeitgenossen aufzuzeigen und als solches bloß zu stellen. Bei der Frage nach dem Nichtwissen ging es ihm eben nicht um ein Nichtwissen von beispielsweise (rein) technizistischem Fach- oder Faktenwissen. Er war auf der Suche nach Wissen und Bestimmungen im Bereich der Tugenden und der Frage nach dem Guten bzw. eben des Sinns. Seine Triebfeder dabei war, zu einer Art echten Wissens und sinnvollen Interpretation des Zusammenlebens zu kommen.44 Für mich in bleibender Erinnerung ist dabei die didaktische Methode, die Sokrates anwendet, um sowohl das (gefährliche) Halbwissen aufzuzeigen, als auch zu so etwas wie gesichertem Wissen zu kommen: die „Mäeutik„, also die Hebammenkunst im Gespräch bzw. Dialog.

„Gemeint ist, dass man einer Person zu einer Erkenntnis verhilft, indem man sie durch geeignete Fragen dazu veranlasst, den betreffenden Sachverhalt selbst herauszufinden […] Den Gegensatz dazu bildet Unterricht, in dem der Lehrer den Schülern den Stoff dozierend mitteilt.“45

Ich weiß, dass ich nicht weiß„: Das war keineswegs ein Eingeständnis dafür, dass Sokrates nichts wusste. Eher war es eine politische Kampferklärung an das Halb- und Scheinwissen, insbesondere von Staatsmännern und Kriegern, also Personen, die es eigentlich besser wissen müssten. Was in meinen Augen zeigt, wie wichtig es ist, sich mit den Bedeutungsbezügen von Wissen sowohl im Internet und im Bereich der sozialen Medien, als auch im Bereich der Schulen, Hochschulen und Universitäten auseinanderzusetzen. Einschließlich der Frage, wie man sich einem solchen „echten“ Wissen nähern kann.

Vergesst dieses Wissen

„Wenn sie sich damit weniger lang und intensiv beschäftigt haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie da Wissen ablagern, und zwar nicht nur im Sinne von Vorratsdatenspeicherung sondern im Sinne von etwas, was sie aktiv gestalten können, auf das sie zurückgreifen können, das sie auf anderes beziehen können, also das, was wir unter Bildung verstehen, […] das alles können sie dann besser, wenn sie nicht mit so viel Stoff in Berührung kommen.“46

Auch Richard David Precht setzt sich kritisch mit der Art von Wissen auseinander, wie es derzeit an Schulen und Universitäten gelehrt wird. In einem sehenswerten Interview (hier) führt eher dazu einiges aus, wie auch oben genanntes Zitat zeigt. Interessant finde ich dabei die Parallele – und deshalb war es mir wichtig, es hier aufzunehmen, zwischen dem derzeit vermittelten Wissen im Sinne einer Vorratsdatenspeicherung, und der Gegenüberstellung eines Wissenskanons in Rückbezug auf das klassische humanistische Bildungsideal. Wissen, das aufeinander bezogen werden kann und das vor allem Sinn ergibt sowie zu Handlungen (beispielsweise im Bereich von Innovationen) anregt. Wenn man so will, dann drückt Richard David Precht, vor allem wenn er eine fragenden und forschenden Zugang zum Wissen betont, auch die ursprüngliche Idee von Universitäten aus: die zentrale Vorstellung einer Einheit von Forschung und Lehre.47 In jedem Fall aber die aufklärerische Vorstellung von autonomen Subjekten, die sich mittels ihres Wissens einen Reim auf eine komplexe Welt machen können. Dass Richard David Precht das auch für den derzeitigen Zustand der Philosophie konstatiert, ist nur konsequent. Sein Argument ist ja, dass das große Problem das sei, dass die allermeisten (analytischen) Philosophen als hochspezialisierte Fachexperten „eigentlich den Gegenstandsbezug verloren haben, nämlich das, was an Philosophie interessant ist, also Fragen von Sinn und Bedeutung, wie soll ich leben und auch Ethik. Ethik ist kein Thema der analytischen Philosophie.“48 Auch für diese Bemerkungen von ihm habe ich also viel Sympathie. Dennoch glaube ich, dass zumindest der Ursprung der analytischen Philosophie viel mit dem Thema Sinn und Wissen zu tun hat, auch wenn es nicht immer gleich deutlich wird. Allerdings geht es um eine andere Art von Wissen.

Adolph Müller - Friedrich Schiller, Wilhelm und Alexander von Humboldt und Johann Wolfgang von Goethe in Jena

„Denken und Wissen sollten immer gleichen Schritt halten. Das Wissen bleibt sonst unfruchtbar.“49 Dieses Zitat von Wilhelm von Humboldt zeigt, dass der klassische Bildungsbegriff Wissen nur als ein Element von Bildung ansah, das ohne das Denken und den Vernunftgebrauch eigentlich nicht zu gebrauchen ist.
Bild: Adolph Müller – Friedrich Schiller, Wilhelm und Alexander von Humboldt und Johann Wolfgang von Goethe in Jena auf den Wikimedia Commons. Verwendung als gemeinfreie Datei.

Sinn und Bedeutung

„Eine Vorstellung ist etwas rein Subjektives […] während der Sinn ‚gemeinsames Eigentum von vielen sein kann‘.“50

Der sinnvolle Handlungsbezug durch bedeutungsvolles Wissen ist auch bei Max Weber („Soziales Handeln„)51 und sprachphilosophisch (analytisch) beispielsweise von Gottlob Frege aufgegriffen worden. In einer Anwendung des bisher Abgehandelten interessierte Frege der Zusammenhang zwischen Gegenständen („Eigennamen“ bzw. Begriffe als harte Fakten bzw. Daten oder Informationen) und ihrer Art des „Gegebenseins“ für Menschen, also welchen Sinn sie damit jeweils verbinden. „Nach Frege kommt es daher niemals allein auf die Bedeutung eines Satzes an, sondern immer auf die Bedeutung zusammen mit dem Sinn, dem ausgedrückten Gedanken.“52 Besonders wichtig, und auch hier gibt es philosophiegeschichtlich oder anthropologisch ganz viele Anknüpfungspunkte, ist der Sinnbezug als gemeinsame (kulturelle) Leistung von Menschen. Entstehen kann dieser gemeinsame Sinnbezug wiederum nur durch den öffentlichen Gebrauch der Vernunft. In einer etwas saloppen Vereinnahmung von Frege geschieht das für mich vor allem im Prozess des gemeinsamen und echten Argumentierens,53 denn „der Schritt vom Gedanken zur Bedeutung findet im ‚Urteil‘ statt.“54 Auf die gemeinsame Sinnkonstitution weist aber nicht nur hin, dass es wahre und falsche Urteile gibt, die zwischen Gegenstandsbezug (Bedeutung) und Sinn vermitteln,55 sondern dass vielmehr umgekehrt der Sinnbezug erst die Suche nach dem Wissen vorantreibt und zum Sammeln von Informationen führt. „Das Streben nach Wahrheit […] ist es, was uns überall vom Sinn zur Bedeutung vorzudringen treibt,“ meinte eben auch Gottlob Frege.56 Auch hier wären wir deshalb wieder bei Sokrates und seinem argumentativen Kampf gegen das Scheinwissen gelandet.

Der öffentliche Gebrauch von Wissen

„Sobald menschliches Verhalten als symbolisches Handeln gesehen wird […] – das heißt Handeln, das […] eine Bedeutung hat – verliert das Problem, ob Kultur vorgestanztes Verhalten, ein beschränkter intellektueller Horizont oder sogar von beidem etwas ist, seinen Sinn […] Es ist nach ihrer Bedeutung zu fragen.“57

Argumentieren im Sinne einer diskursiven Auseinandersetzung hat in Europa eine lange Tradition und lässt sich mindestens bis auf Sokrates zurückführen. In den Dialogen und Aufzeichnungen von Platon bilden sie vielleicht sogar eine Art Blaupause dafür, wie man mittels einer Methodik58 zu sinnvollem Wissen gelangen kann. Auch im Mittelalter waren alle großen Werke argumentativ aufgebaut, denn sie mussten sich vor allem mit den jeweiligen Gegenargumenten auseinandersetzen und dadurch Themen erörtern. In der aktuellen massenmedialen Landschaft ist Argumentieren leider nicht mehr wirklich „en vogue“.59 Aber mittels der sozialen Medien lässt sich hiervon, durch ihre grundlegende Interaktivität, wiederum viel umsetzen.60 Ein Argument zu liefern bedeutet dabei im Wortsinne, etwas (Wissen) „zu veranschaulichen“ (lat. argumentum = Veranschaulichung, Darstellung) und im übertragenen Sinne „etwas (zu) beweisen“ (Beweisgrund oder Beweismittel). „Argumente sind Äußerungen, die durch überprüfbare Tatsachen bewiesen oder durch Berufung auf Autorität belegt werden.“61 Argumentieren als Prozess dient dazu, in einer Erörterung die Gesprächspartner /-innen von der Richtigkeit oder Fehlerhaftigkeit einer These (seines Wissens) zu überzeugen, in dem Argumente (Wissen) ausgetauscht werden. Argumentieren ist ein wesentliches Mittel im Bereich der Wissenschaft, der Politik, der Diskussion und des Dialoges. Erst im zusammenhängenden Argumentieren kann für mich politische Überzeugungsarbeit geleistet – und der öffentliche Vernunftgebrauch vollzogen werden. Das gilt in direkter Übertragung auch für erfolgreiche digitale Communities. Argumentieren stellt deshalb bzw. dabei eine besondere Art von menschlichen Handlungen dar: die von Sprachhandlungen.62

Daten vs. Sinn = Informationen vs. Wissen

„Und in diesen Köpfen gehen letztlich Daten vor Werte, weil Daten messbar sind und Werte nicht. Man kann 100 Euro klauen, aber nicht 100 Freiheit. Messwerte sind Realität, Werte sind Verhandlungssache.“63

Wozu nun der ganze Terz? Wie ich schon geschrieben habe, haben mich mindestens zwei Dinge dazu bewogen, diesen Blog zu schreiben: zum einen Sascha Lobos Einschätzungen im Teilbereich der „sicherheitsesoterischen Technologiegläubigkeit“, die ich auf die Art und Weise technizistischen Wissens zurückführen wollte, sowie die Diskussion um Nicht-Wissen im Bereich der Pädagogik und Soziologie. Ersteres führt politisch und ohne öffentlichen Vernunftgebrauch zu der derzeitigen völligen Überhöhung der Sammlung von Daten, letzteres zumindest zu der Frage, welche Didaktik geeignet ist, echtes Wissen zu vermitteln. Was habe ich dabei selbst gelernt? Nichtwissen ist für mich keine Option. Bei fehlendem Sinn- und Bedeutungsgehalt handelt es sich meiner Meinung nach ohnehin nur um Informationen, nicht wirklich um Wissen. Oder aber im sokratischen Sinne um Schein- bzw. Halbwissen. Andererseits ist die sinngebende Seite des Wissens für Menschen existenziell, enorm politisch und von einer weitreichenden Konsequenz dahingehend, wie Menschen mit sich, mit anderen, aber auch gegenüber der (vielfach unbekannten) „Natur“ umgehen.

Ignoranz und negatives Wissen

„Informationen und Wissen zu ignorieren ist sinnvoll, sogar rational.“64

Hinzu kommt beim sinnbeziehenden Wissen von Menschen aber noch etwas anderes: Die durchaus paradoxe Fähigkeit zu wissen, was man nicht zu wissen braucht. Es gibt tatsächlich neuere Konzepte, die auch das Nicht-Wissen dieser anderen Art, beispielsweise als Ignoranz oder negatives Wissen, zum Thema machen. Sie beschreiben es ebenfalls als wesentlichen Teil des menschlichen Denkvermögens und machen es für den Wissensaufbau stark. Was sie entdecken und beschreiben, und was sich daraus wiederum sinnstiftendes ableiten lässt, wird Thema des zweiten Teils dieses Blogs mit dem Titel „Nicht-Wissen ist eine Option“ (hier) sein.

Nachtrag vom 19.05.2016

„Die Idee der Vernunft bezieht sich hingegen auf nicht-lokale und nicht-relative Methoden der Rechtfertigung – Methoden, die universell berechtigte von unberechtigten Interferenzen unterscheiden und darauf abzielen, zur Wahrheit in einem nicht-relativen Sinn zu gelangen.“65

Im Nachgang zu diesem Blogbeitrag und zum Schreiben der anderen beiden (ja – es werden jetzt doch drei Beiträge werden) habe ich mir ein „altes“ Buch (Wissen zwischen Entdeckung und Konstruktion) herausgekramt und nachgeblättert. Dabei bin ich auf den Aufsatz von Thomas Nagel, Relativismus und Vernunft, gestossen. Ich kannte Thomas Nagel ja schon aus meinem Studium, mit seinem berühmten Aufsatz über die Fledermaus. Aber dieser Aufsatz hat mir noch einmal eine ganz neue Sichtweise auf den öffentlichen Vernunftgebrauch eröffnet, für den ich hier erst einmal Kant als Gewährsmann zitiert hatte. Nagel setzt sich zwar mit den verschiedenen erkenntnistheoretischen Ideologien kritisch auseinander, aber passend finde ich es auch für den Kontext von Argumentationen im Rahmen der Bildungsarbeit und dem (politischen) Argumentationsbetrieb. Das macht die Auswahl des Zitats (hoffentlich) deutlich. Aber die Aussage geht in der Konsequenz auch hier tiefer: Damit wird der öffentliche Vernunftgebrauch zum Garanten dafür, sowohl erkenntnis- und wissenschaftstheoretisch, als auch im „normalen“ Bereich des Wissens und der Wissenschaft voranzukommen. „Die einzige Form, die genuin rationales Denken annehmen kann, besteht darin, die Gültigkeit der Argumente aufgrund desssen zu erkennen, was sie besagen.“66 Das gilt ja ebenfalls für all die Bereiche, in denen Argumentieren als Prozess gefragt ist. Das Lesen dieses Beitrags hat mich jedenfalls davon überzeugt, dass ich noch einen dritten Teil schreiben muss. Er wird sich dann mehr mit den Überlegungen von Thomas Nagel auseinandersetzen.67 Und wieder sehr an mein Studium der Philosophie anschließen.

Nachtrag vom 25.05.2016 (Autoritäres Wissen)

„In einer Gesellschaft, die nur noch Wert auf #‎MINT Fächer (Logik, Berechenbarkeit, Regeln, Überprüfbarkeit) legt – erzeugt Menschen ( unsichere ‪#‎Lemminge‬ ) die ‪#‎Trump‬ #‎Erdogan‬ und Folgende brauchen und bekommt ‪#‎Diktatur‬.“68

Mein geschätzter Kollege, Harald Schirmer, hat auf Facebook mit obigem Zitat ausgedrückt, was meine eigene Hintergrundüberzeugung hinter diesem Blogbeitrag ist. Das mag auf den ersten Blick starker Tobak sein, dennoch denke ich, dass sich die Linie von der Naturbeherrschung hin zum Autoritarismus als breiten gesellschaftlichen Wunsch aufgrund technizistischen Wissens doch ziehen lässt.

Das Phänomen des Aufstiegs von Donald Trump als Präsidentschaftskandidaten der Republikaner in den USA wird in diesem Video mit dem Wunsch und Begriff des Autoritarismus erklärt. Eine Erklärung der ich zustimme, weil sie mir sinnvoll scheint.

Inwiefern Haralds Vorschlag, mehr musische und künstlerische Fächer zu unterrichten eine Abhilfe schaffen würde, wäre davon gesondert zu diskutieren. Mein Standpunkt dazu wäre sicher ein Ja – aber erst unter der Bedingung der Sinngebung.

Ich bin mir mit diesem Nachtrag nicht mehr ganz sicher, ob die Ursprungssidee noch erhalten geblieben ist und denke, dass ich nach dem Verfassen der beiden anderen Beiträge unbedingt noch einmal die Gesamtkonstellation und -zuordnung überprüfen muss.

Nachtrag vom 29.05.2016

Für mich zeigen sich gerade an diesem Blogbeitrag die Vorteile, aber auch die Nachteile eines zunächst unabgeschlossenen Werkes. Vorteilhaft ist sicher, dass ich es beständig anpassen kann. Nachteilhaft ist aber, dass ich das auch muss und dass sich damit zum Teil neue und andere Zugänge ergeben. Zumindest hier habe ich heute den Einstieg (bis zum ersten Bild bzw. eigentlich auch noch unter der ersten Überschrift) angepasst. Allerdings achte ich immer darauf, dass sich keine inhaltlichen Verschiebungen in den grundsätzlichen Aussagen ergeben und Erweiterungen oder Ergänzungen über die Nachträge markiert werden. So eben auch hier.

Nachtrag vom 02.08.2016 (Filterblasen)

„Ich glaube, wenn man all diese Filter zusammen nimmt, all diese Algorithmen, dann bekommt man, was ich eine ‚Filterblase‘ nenne. Ihre Filterblase ist Ihr ganz persönliches einzigartiges Informationsuniversum, in dem Sie online leben.69

Bereits 2011 hat Eli Pariser in einem sehr informativen TED Talk auf das Problem von Filterblasen im Internet hingewiesen. Die zugrunde liegende These ist die, dass durch die Steuerung der Sichtbarkeit von Beiträgen über Algorithmen, welche nur das zeigen, was einem User gefällt oder angenehm sein könnte, eine ganz eigene Informationssphäre entsteht, die dazu führen kann, dass sie Fakten schafft, die überhaupt nicht den realen Bedingungen entsprechen (müssen).

Filterblasen sind, wie der hier verlinkte Artikel zeigt, besonders dazu geeignet, Verschwörungstheorien entstehen zu lassen und massiv im Internet zu verbreiten. Grundsätzlich würde ich meinen, dass das Phänomen selbst bereits in der analogen Welt zu Hause ist. Etwas vereinfachend ausgedrückt glaube ich, dass beispielsweise politische Seminare, die eine bestimmte Zielgruppe ansprechen (die dann auch auf das Seminar kommt) etwas ähnliches produzieren. Zumindest habe ich es oft genug erlebt und mindestens ein Bestandteil solcher Seminare ist, dass man sich gegenseitig versteht und in der politischen Einstellung unterstützen kann.70

Der oben genannte Artikel von Renee Diresta, zusammen mit den beiden Blogbeiträgen von Sascha Lobo (hier und hier) haben mir jedoch noch einmal die Wucht und Dimension dieses Problems vor Augen geführt. Da kommt noch eine Aufgabe auf uns zu, hatte ich diesbezüglich getwittert. Neben dem in den genannten Medien problematisierten Tatbestand, dass Algorithmen, anders als beispielsweise Journalisten, zumindest bisher und im Rahmen demokratisch organisierter Staaten, keine ethischen Prinzipien zu beachten haben.71 Der Zusammenhang für mich ergibt sich aus diesem Blogbeitrag und ich hoffe, dies in den beiden ausstehenden Teilen noch fort- und ausführen zu können:

  1. Die Art und Weise, wie in modernen Gesellschaften Informationen als Wissen verkauft werden, provoziert nachgerade ein unkritisches Übernehmen jeglicher Informationen aus dem Internet. Vor allem dann, wenn sie ins eigene Weltbild passen und (in) diesem einen Sinn geben.
  2. Noch interessanter ist in diesem Kontext wiederum Kant zu sehen. Es scheint, dass mit seiner Ermahnung des öffentlichen Gebrauchs der Vernunft genau ein Anti-Aspekt zum Tragen kommen würde: dass nämlich nicht jede Information unhinterfragt und vor allem undiskutiert zur Wissensbildung taugt. Dass die Sinnkonstruktion selbst immer kritisch hinterfragt werden muss.

In einer Abwandlung des Dialogs von Platon in der Politeia (Der Staat) zu Thrasymachos (Buch 1):72 wäre dies in diesem Falle gleichbedeutend mit der Frage, ob die Auftraggeber und Programmierer der Algorithmen überhaupt wissen (können), was zuträglich für den Nutzer oder die Anwenderin ist.73 Gerade deshalb lässt sich hier auch wunderbar an das Eingangszitat von Sokrates anschließen: Halb- und Fehlinformationen sind ein echtes Problem für aufgeklärte und politisch-kritische Gesellschaften. Ihnen muss auch im Rahmen des Internet und vor allem den hinterlegten Algorithmen der Kampf angesagt werden. Und zwar ganz im Sinne des philosophischen Auftrags, die richtigen Fragen zu stellen, wie es Sokrates beispielhaft getan hat.

Nachtrag vom 24.08.2016

Heute habe ich, nach der Veröffentlichung des zweiten Teils, den Blogbeitrag noch einmal angepasst. Hauptsächlich habe ich dabei die einleitende Erläuterung der Dreiteilung überarbeitet, damit sie noch besser zeigen können, wie der Argumentationsstrang über alle drei Teile läuft. Daneben habe ich noch ein wenig an den Überschriften gebastelt und die zuvor vorhandene Grafik „Eisbergmodell des Wissens“ entfernt, weil sie meines Erachtens nicht so wirklich zum Text gepasst hat. Dafür habe ich neu das Bild der Weimarer Klassiker mit Wilhelm von Humboldt – samt Zitat – eingefügt. Und natürlich habe ich dann noch auf Teil zwei verlinkt. Inhaltlich habe ich, jedenfalls nicht bewusst, nichts verändert.

  1. Eintrag „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ hier. []
  2. Ich habe diesen Teil nun eingefügt, um den Zusammenhang deutlich zu machen, der mir in diesem Teil wichtig ist: Dass Wissen ohne Sinnbezug politisch zur Antiaufklärung führt. []
  3. Das Zitat entstammt wiederum dem Blogbeitrag von Sascha Lobo „Hilflos im Neuland.“ []
  4. Siehe speziell dazu meinen Blogbeitrag hier. []
  5. Nico Stehr (2013): Wissen und der Mythos vom Nichtwissen, S. 6. []
  6. Wie immer gilt natürlich, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Insbesondere möchte ich betonen, wie wertvoll sie mir hier die philosophischen Impulse im Rahmen eines eigenen Studiums an der Hochschule für Philosophie, Philosophische Fakultät S.J., waren. []
  7. Wenn man so will, dann werden gerade um die Seite des Nichtwissens erbitterte Debatten geführt, denn der Wahrheitsgehalt solcher Aussagen steht konträr zu reduktionistischen bzw. rein positivistischen Wissenskonstruktionen. []
  8. Eine Komponente, die in meinen Augen insbesondere für die Bildungskontext elementar ist. []
  9. Hier geht es also um die „intelligible Verfasstheit“ der Welt, das heißt eines vernünftigen Aufbaus der Welt, den wir lernen und denkend ergründen können – und der schließlich Sinn ergibt. So zumindest würde ich Hegel interpretieren. []
  10. Zu diesem Komplex habe ich mir im Rahmen meiner Magisterarbeit grundlegende Gedanken gemacht. []
  11. Und leider auch von Intelligenz. Denn die Intelligenztests stehen paradigmatisch für eine bestimmte Art von Wissen. Siehe hierzu beispielsweise meine Ausführungen hier und hier. []
  12. Der Zusammenhang ist tatsächlich der, dass das Schulsystem den rigiden Prinzipien der Fabrikorganisation „abgeschaut“ wurde. Einschließlich der zu Grunde liegenden Taktung der Stundenpläne sowie der Tugenden wie Pünktlichkeit und Fleiß (industria). Eine Organisation wie am Fließband. []
  13. Vgl. hierzu Totzke, R. (2004): Schrift und Wissen. Was die Wissensmanagementtheorie von Platons Schriftkritik lernen kann. In: Wyssusek, B. (Hrsg.): Wissensmanagement komplex: Perspektiven und soziale Praxis. Berlin: Schmidt, S. 85-101. []
  14. In einer Analogie zu Hegel könnte man vielleicht auch von einem sicheren „Verstandeswissen“ und einem unsicheren „Vernunftwissen“ reden. Das Vernunftwissen wäre Wissen mit Sinn und Bedeutung, das Verstandeswissen ist klar abgrenzbares Faktenwissen. []
  15. Der amerikanische Ökonom Peter F. Drucker verwendet diese Überlegungen im Sinne einer Beherrschung bzw. im Sinne von (zunächst wertfreier) Manipulation und Steuerungsmöglichkeiten. []
  16. Auf diesen Aspekt weist Sascha Lobo in seinen Blogbeiträgen hier und hier hin, wenn er von einer „sicherheitsesoterischen Technologiegläubigkeit“ spricht. Hier drückt sich in einem Teilaspekt das ganze Problem aus. []
  17. Damit nehme ich die Kritik von Nico Stehr (hier) ernst, der zu Recht darauf hinweist, dass in einer Polarisierung von Wissen und Nichtwissen notwendigerweise Wissen zunächst einmal geklärt werden muss. Ich habe an anderer Stelle ausführlicher dazu geschrieben, siehe beispielsweise hier. []
  18. Sehr schön weist David Gelernter hier (siehe unten) auf diese zentrale Komponente hin. So ist auch der Kern seiner Kritik der Gedanke, dass rechnen und rationales Denken, also computerprozessierbare Eigenschaften, bereits das Wesen geistiger Tätigkeit und von Wissen ausmachen. []
  19. Moralisierbar meint hier den Tatbestand, dass menschliche Handlungen der Kritik von anderen zugänglich sind und damit moralischen Urteilen im Sinne von „gut“ oder „schlecht“ ausgesetzt. []
  20. Hier möchte ich auf das sprachphilosophische Werk „Über Sinn und Bedeutung“ von Gottlob Frege verweisen. []
  21. Stuart Firestein im TED Talk, ca. Minuten 14 – 15, Deutsches Transkript hier. []
  22. Als Grunddisziplin der Philosophie behandelt die Metaphysik (gr. μετά metá ‚danach‘, ‚hinter‘ oder ‚jenseits‘ und φύσις phýsis ‚Natur‘ oder ’natürliche Beschaffenheit‘) letzte Fragen wie beispielsweise die, ob es einen letzten Sinn gibt. Die Untersuchung der Fragen geschieht dabei nicht über empirische Einzeluntersuchungen, sondern durch die Betrachtung der Logik zugrunde liegender Bereiche der Wirk-lichkeit. Das passt irgendwie hervorragend zum Thema. []
  23. Das besänftigt mich wieder etwas mit der Zunft der Neurowissenschaftler. Stuart Firestein ist für mich irgendwie der Gegenentwurf zu einem Manfred Spitzer oder auch Gerhard Roth mit ihren ständigen disziplinären Grenzüberschreitungen. []
  24. A.a.O., ca. Minute 16. []
  25. Noch eimal Stuart Firestein, diesmal bei Minute 8:52. []
  26. In Umkehrung des klugen Gedankens von Sascha Lobo hier, am Ende des Beitrags. []
  27. Immanuel Kants Fragen bei der Beantwortung der Frage „Was ist der Mensch?“ bzw. in der Kritik der reinen Vernunft. Hier gibt es eine Fassung der Kritik der reinen Vernunft vom Projekt Gutenberg. []
  28. Das kann man, so meine ich wenigstens, auch in einem sehr neurowissenschaftlichen Sinne sehen, weil es zu Fragen der Moral und des Glaubens ebenso wenig strukturelle Entsprechungen im Gehirn gibt, wie bereits zum „simplen“ Faktenwissen. []
  29. Hierzu Sascha Lobo (2015) in Hilflos im Neuland: „Datenauswertung durch Mustererkennung erkennt nur Muster, aber erklärt nicht, warum sie da sind.“ Es geht also darum, Erklärungen dafür zu finden, warum bestimmte Muster und Verhaltensweisen in einer Gesellschaft vorhanden sind. Erst dann kann eigentlich politisch richtig agiert werden. []
  30. Zitiert aus: Immanuel Kant – Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? hier. []
  31. a.a.O. []
  32. Ich habe das Gefühl, dass gerade diese beiden Teile, also der Sinnbezug und das eigenständige kritische Reflektieren auf Wissen in der Öffentlichkeit der Debatte um Aufklärung zu kurz kommt. Aber erst dann kann ja die selbstverschuldete Unmündigkeit aufgehoben werden. []
  33. Das wiederum hat dann oft nichts mit Macht, Beherrschung und Lenkbarkeit zu tun. []
  34. Wie es so schön in dem Gespräch zwischen Prof. Dr. Rolf Arnold und Prof. Dr. John Erpenbeck zum Ausdruck kommt, das ich im Rahmen des Corporate Learning 2.0 MOOCs angesehen habe. Hier geht’s zum Beitrag mit einer Reflexion auf diesen besonderen MOOC. []
  35. In einem Tweet von Amy Dentata. Hier der Link zum Originaltweet: https://twitter.com/AmyDentata/status/602731521527549952 []
  36. Wikipedia: Chemtrails. []
  37. Siehe hier: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/chemtrails-fakten-und-behauptungen-zu-verschwoerungstheorie-a-911711.html []
  38. a.a.O.; Dieser Schritt ist insofern bedenklich, als er sehr schnell zu einer sogenannten „Selbstimmunisierung“ der Theorie und ihrer Protagonisten führt. []
  39. Hier ein netter kurzer Blogbeitrag zu Ersatzreligion in der heutigen Zeit. Das Zitat steht am Anfang des Blogs. Der zugrunde liegende Gedanke prägt aber auch zentral die Werke von Max Weber, wie etwa die protestantische Ethik. []
  40. Noch einmal in Umkehrung eines Satzes von Sascha Lobo hier. []
  41. Die Überschrift ist noch einmal dem Aufsatz von Immanuel Kant entnommen. Das Zitat entstammt der bereits oben genannten Wikipedia-Eintrag zu Sokrates‘ Aussage „Ich weiß, dass ich nicht weiß“. []
  42. Auch an dieser Stelle verweise ich sehr gerne auf ausführlichere Analysen durch Sascha Lobo im Rahmen seiner Kolumne auf Spiegel Online hier. []
  43. Er sieht Kulturen als semiotische Konstrukte, die über menschliches Handeln hergestellt. Hier geht es zu einer Zusammenfassung von Harald Klinke. []
  44. Die bei diesem Vorgehen oft genug blamierten Experten nahmen ihm das jedoch ziemlich krumm, was schließlich der gesellschaftliche Hintergrund seines Todesurteils war. []
  45. Wikipedia: Mäeutik. []
  46. Richard David Brecht im Video „Vergesst das Wissen!“ hier zwischen ca. Minute 12:40 und Minute 13:41; Hervorhebung von mir. Genauer versteht er unter Wissen etwas, „das man […] kreativ aufeinander beziehen kann […] etwas eigenes daraus machen kann, eigene Gedanken entwickeln kann.“ []
  47. Wikipedia: Humboldtsches Bildungsideal. []
  48. Hier ab ca. Minute 44:39. []
  49. Quelle: http://gutezitate.com/zitat/249506. []
  50. Wikipedia: Über Sinn und Bedeutung, unter Verweis auf Gottlob Freges Werk, S. 29. []
  51. Immerhin stellt gerade dieser Sinnbezug die Geburtsstunde der Soziologie dar, der es um ein bedeutendes Verstehen und ursächliches Erklären geht. []
  52. Wikipedia: Über Sinn und Bedeutung. []
  53. Auch hierzu habe ich mir bereits ausführliche Gedanken gemacht und diese aufgeschrieben. Allerdings nicht als Blog, sondern als Diskussionspapier mit dem Titel „Argumentieren gegen Stammtischparolen„, das ständig erweitert wird und seinen Einsatz auch in den dazugehörigen Workshops findet. []
  54. a.a.O. []
  55. Weiter dazu Frege selbst: „Aber soviel möchte doch schon hier klar sein, daß in jedem Urteile — und sei es noch so selbstverständlich — schon der Schritt von der Stufe der Gedanken zur Stufe der Bedeutungen (des Objektiven) geschehen ist.“ Gottlob Frege, Über Sinn und Bedeutung, S.34. []
  56. a.a.O., S. 33. []
  57. Der Zusammenhang zwischen Wissen und dem Handeln von Menschen ergibt sich aus der Sinnfrage, die in der Regel kulturell angenommen und umgesetzt wird. Clifford Geertz 1987, S. 16. []
  58. Der bereits  zu Beginn erwähnten sokratischen Mäeutik. []
  59. Massenmedial geht es meist mehr um die Inszenierung von Gegensätzen und das Aufeinanderprallen von Meinungen und Interessen. []
  60. Gelungene Beispiele meinerseits sind beispielsweise gut aufgesetzte Blogs wie etwa bei den „Krautreportern“ oder auch den „Ruhrbaronen“ als ziemlich willkürliche Auswahl. []
  61. Wikipedia: Argument []
  62. Vgl. hierzu vor allem Peter Janich, „Was ist Information“ und Albert Keller, „Sprachphilosophie“. []
  63. Sascha Lobo (2015): Die lustige, bittere Wahrheit über die Vorratsdatenspeicherung in seiner Kolumne auf Spiegel Online. []
  64. Nico Stehr, a.a.O., S. 1. []
  65. Nagel, T. (2003): Relativismus und Vernunft. In: Vogel, M. & Wingert, L. (Hrsg.): Wissen zwischen Entdeckung und Konstruktion. Erkenntnistheoretische Kontroversen. Frankfurt: Suhrkamp, S. 112. []
  66. a.a.O., S. 127. []
  67. „Jeder, der sich auf die Vernunft beruft, behauptet, in sich selbst die Quelle einer Autorität entdeckt zu haben, die sich nicht lediglich auf ein Individuum oder eine Gemeinschaft beschränkt, sondern universell ist – und die andere auch überzeugen sollte, die bereit sind, auf ihren Rat zu hören.“ – a.a.O., S. 107. []
  68. Harald Schirmer hier. []
  69. Eli Pariser in seinem TED Talk über Filterblasen im Internet, deutsches Transkript, ca. Minute 4:06. []
  70. Dabei beziehe ich mich vor allem auf meine politischen Seminare, die ich als Referent selbst verantwortet und gestaltet habe. Es geht aber nicht nur für politische Themen und es war immer wieder spannend zu beobachten, wenn Teilnehmer*innen auf dem Seminar waren, die eine grundsätzlich andere Meinung bzw. Einstellung hatten. []
  71. Ich würde es auch für problematisch halten, diese ethischen Prinzipien „hineinzuprogrammieren“. Entscheidend und moralischer Maßstab sind für mich nach wie vor reale Menschen in diesem Kontext. []
  72. „Ich nämlich behaupte, das Gerechte sei nichts anderes als das dem Stärkeren zuträgliche […] Ist es nicht eingestanden, dass, indem die Regierenden den regierten Befehlen, einiges zu tun, sie bisweilen das für sie beste verfehlen […]?“ Platon, Politeia, 338c & 339d. []
  73. Dass dahinter das Anliegen steckt, mit der Plattform, beispielsweise von Facebook, über Werbung Geld zu verdienen, setze ich voraus. Die Frage ist jedoch, ob dies mit dieser einfachen Gleichung Nutzer sieht schöne Beiträge, maßgeschneiderte Werbung und ist deshalb bereit mehr zu kaufen, tatsächlich in sich stimmig ist. Jenseits der Frage, ob sie überhaupt das Geld für die entsprechenden käuflichen Erwerbungen haben. []
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