Ist die Zukunft der Software auch die Zukunft der (Wissens-) Arbeit?

Ich bin immer noch am Testen der mobilen Art des Internet und der Sozialen Medien. Das ist für mich, der ich aus der Windows und Microsoft Welt komme, schon ein hartes Stück Arbeit. Insbesondere deshalb, weil die „Usability“ zwangsläufig anders sein muss – und dadurch nicht immer logischer wird. Die Tastatur funktioniert auf dem Samsung Tablet von mir (10.1 N) aber schon ziemlich gut – aus der Perspektive von mir, der ich das Zehn-Finger-System kann. Was ich mittlerweile einzuschätzen wage ist, dass nicht nur Smartphones und Tablets Zukunft haben, sondern auch die Art, wie sowohl Apple mit MacOS, als auch Google mit Android vorgehen: Es gibt eine Basissoftware, die man über Widgets und Apps, vielfach kostenlos, manchmal gegen Geld, sehr individuell einrichten kann. Letztlich war das schon ein Teil des Erfolgs von Firefox unter Windows – oder auch WordPress für die Internetgemeinde. Was umgekehrt heißen dürfte, dass beispielsweise die Office Programme von Microsoft hoffnungslos überdimensioniert dergestalt sind, dass bei den meisten Anwender /-innen 90 % der Möglichkeiten dieser Programme nicht genutzt werden. Warum also dafür bezahlen?

Damit tritt natürlich auch die freie Programmiergemeinde auf den Plan. In der Form nämlich, dass die Widgets und Apps schließlich programmiert werden müssen. Sehr viel läuft hier in die Richtung von Open Source und kostenlosen Applikationen, für die man, bei Gefallen, spenden kann. Das habe ich selbst auch das ein oder andere Mal schon gemacht. Dennoch stelle ich mir die Frage, wie das aussehen mag, wenn das zu einem flächendeckenden Modell wird, welches das Einkommen oder den Lohn für die „Produzenten“ darstellen soll und muss. Und das meine ich tatsächlich als forschende Frage, nicht als Vorwurf. Bisher habe ich den Eindruck, dass viele Programmierer von Apps und freier Software dies nebenbei tun. Also im „eigentlichen Leben“ einen anderen, wahrscheinlich nicht schlecht bezahlten, Beruf ausüben. Dieser wiederum ist in der Regel daran gekoppelt, Produkte zu verkaufen, also nicht kostenlos herzugeben. Wenn nun der Zug der Zeit der ist, dass die Produkte kostenlos werden, dann gibt es in meinen Augen zwei Optionen für die Einkommensgewährleistung:

  • Die Dienstleistungen, so sie darum herum angeboten werden, bieten neue Möglichkeiten dafür, Einkommen zu produzieren
  • Die Gesellschaft findet eine andere kluge Möglichkeit, über diese Art von Handel und Marktwirtschaft, beispielsweise über das Spenden oder „Gutscheine“ sicherzustellen, dass Einkommen generiert werden kann.

Ich sehe – etwas pessimistisch – im Moment aber viel mehr das Problem, dass die vielen Programmierer, wenn sie nur von der Programmierung von Apps leben müssten, ähnlich prekarisiert leben würden, wie es für viele Kleingewerbetreibende eh schon der Fall ist. Sie würden auf Spenden angewiesen sein, in dem Sinn Almosen ähnlich. Die auf jeden Fall erst ab gewissen Mengen statistisch so gleichmäßig eingehen, dass sie als Einkommen verlässlich und berechenbar sein könnten. Ist das die Arbeitswelt der Zukunft? Das Leben von Spenden für die eigene Arbeit? Hier müssen sicher noch einige Anstrengungen unternommen werden, die Arbeit der Zukunft abzusichern. Damit das, was unisono auch betont wird, tatsächlich eintreten kann: Die Menschen leisten diese Arbeit freiwillig und weil sie ihnen Spaß macht. Weil sie damit Anteil haben an der großen Gemeinde im Internet. Weil sie in ihren Augen etwas nützliches herstellen. Die Betroffenen verwirklichen sich damit ein wenig und bekommen Feedback dazu. Eine echte Selbstverwirklichung wiederum dürfte nur funktionieren, wenn die eigene Existenz – und die der Familie – gesichert ist. Das meine ich tatsächlich als Aufgabenstellung, für der es in meinen Augen derzeit keine wirkliche Antwort gibt. Die auch auf eine völlig neue Art kollektiv gelöst werden muss, gerade weil die Individuen die tragenden Akteure sind. Die Aufgabe einer digitalen Gesellschaft bzw. einer Gesellschaft der sogenannten „Wissensarbeiter“ (und natürlich Wissensarbeiterinnen) der Zukunft, die eine Zukunft für ihre Mitglieder bieten will.

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