Die neuen Lerner*innen! – 2 (MOOCs 5)

„That is, she felt that there was little to no spirit of community and as a result, started to decline using the online boards because she didn’t derive any value from them (…) For all participants of these MOOCs, the jigsaw puzzle piece fell into place when we realised the power of networked learning with a community of peers.“1 

Eignet sich ein MOOC überhaupt zum Lernen? Diese Frage scheint ziemlich provokant zu sein. Insbesondere dann, wenn sich die kritische Auseinandersetzung mit dieser Frage an einem konkreten Beispiel, hier dem Corporate Learning MOOC 2017, vollzieht. Aber als offene Frage formuliert, auf die unsere Lerngruppe #AufgeMOOCt zunächst keine Antwort hatte, ist sie sicher fruchtbar und gewinnbringend für weitere Überlegungen zum digitalen Setting des Kurses.2 Dafür formuliere ich sie um. Dann würde sie in etwa lauten: Welche Bedingungen bzw. welche Settings müssen gegeben sein, damit ein MOOC sich zum massiven Lernen eignet? Genau das soll Inhalt dieses Blogbeitrags sein, der sich als Teil 2 den eher theoretischen Ausführungen von Teil 1 anschließt. Bevor ich dazu komme, möchte ich aber erst ein paar empirische Erkenntnisse anbringen, die es mittlerweile über den Einsatz von MOOCs, insbesondere in der Hochschullehre, bereits gibt. Die Eingangsthese der Bezugspräsentation lautete übrigens auch provokant: „MOOCs sind keine Lösung? Warum also dann MINT-MOOCs?3

Schließlich möchte ich nicht versäumen, den Problemaufriss des ersten Teils des Beitrags voranzustellen. Dort hatte ich argumentiert, dass es in die falsche Richtung führt, die Schwierigkeiten, die bezüglich der Nutzung von MOOCs für massive Lernprozesse, bzw. überhaupt im Rahmen von neuen digitalen Lern-Settings, entstehen (können), durch sich selbst organisisierenden Lerner*innen lösen zu wollen. Bei diesen hanbelt es sich um einen Mythos dergestalt, dass ein digitales „Mindset“ (oder entsprechende digitale Kompetenzen) keine personalen Eigenschaften darstellen, sondern das Ergebnis einer sozialen Lernpraxis sind. Viel wichtiger ist es, so meine Überzeugung, sich der komplementäre Beziehung, die zwischen personalen Voraussetzungen zur Teilnahme am MOOC (Befähigung) und den strukturellen Bedingungen des digitalen Settings (Empowerment oder Ermächtigung) besteht, anzunehmen.4 Auf den MOOC angewandt heißt das: im Rahmen des derzeitigen Corporate Learning MOOCs 2017 kommt mir persönlich zu viel selbstorganisiertes Individuum und zu wenig Lehrgang (Course), verstanden als soziales Lernen5 bzw. als kollaborativer Prozess und gemeinsame selbstbestimmte Praktik (die miteinander erst so richtig Spaß macht), vor.

Meine konkreten Vorschläge im zweiten Teil dieses Beitrags beziehen sich explizit auf die komplementäre Seite zu den personalen Voraussetzungen. Dabei lässt sich in Bezug auf ein Empowerment bereits ziemlich analog, im Sinne der klassischen Mediendidaktik oder auch (Erwachsenen-) Bildung und Pädagogik, viel sagen. Um so spannender dürfte die Entdeckung des tatsächlich Neuen der digitalen Revolution von Bildung in Form von MOOCs sein 🙂 .

Zu den (personalen) Befähigungen: „Ein MOOC ist einfach ausgedrückt
 ein offener Online-Kurs basierend auf Videos. […] Der typische Lernende [im MOOC] ist
 über 35 Jahre alt,
 ist berufstätig und hat einen akademischen Abschluss.“6 Die Möglichkeit der aktiven Teilnahme und erfolgreichen Nutzung von MOOCs als neuer Form digitalen Lernens hängt meiner Meinung nach nicht nur von den personalen Voraussetzungen ab, sondern auch von der empowernden Gestaltung im Sinne eines entsprechenden digitalen Settings.
Bild (auch Beitragsbild): geralt – learn-1996845_1920 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0, also als gemeinfreie Datei.

Bekanntes zu MOOCs

„MOOCs erleichtern den 
 Zugang zur Bildung
 in einer innovativen Art und Weise […] [Sie] sind kein Trend oder Hype,
 sie sind die konsequente und logische
 Weiterentwicklung von Lehre und helfen, Bildungsinhalte zugänglich zu machen.“7

Betrachtet man rein die Entstehungsgeschichte, dann wird sofort deutlich, um was es bei MOOCs didaktisch geht: einerseits um eine mediale Ausgestaltung traditioneller Formen der Wissensvermittlung (Lehre), vor allem durch das Einbeziehen von Videos, aber auch durch (echtes) Lesematerial und Problemstellungen dazu, andererseits die Organisation der Kommunikation bezüglich der präsentierten Informationen, vor allem in Form (digitaler) Foren, „in denen Lehrende und Lernende miteinander kommunizieren und Gemeinschaften bilden können.“8 Der genaue Einsatz von Foren, bzw. anderer Formen und Möglichkeiten gemeinschaftlicher Diskussionen, unterscheidet zwei wesentliche und dabei bereits in ihrem Setting deutlich verschiedene „Strömungen“: skalierbare MOOCs (xMOOCs mit ausschließlich hohen Teilnehmer*innenzahlen) und konnektivistische MOOCs (cMOOCs mit Interaktionsmöglichkeiten der vielen Teilnehmer*innen).9 Insbesondere konnektivistische MOOCs zielen darauf ab, dass sich die Teilnehmer*innen daran aktiv einbringen können (Partizipation).10 Im Idealfall führt das dazu, dass die zur Orientierung vorgegebenen Materialien und Medien von den Teilnehmer*innen diskutiert und dabei abgewandelt bzw. erweitert werden. 11 Gelingt die aktive Vernetzung durch echte Partizipation, entstehen im Rahmen dieser MOOCs eigenständige und kursbezogene Materialien und Medien – sowie eine intrinsisichen Motivation und (temporäre) Communities.

Empirisch lassen sich insbesondere für xMOOCs mittlerweile zwei Dinge zeigen:

  1. Die Beteiligung der Lerner*innen (hier meist Studierende) ist zu Beginn von MOOCs sehr hoch, fällt dann jedoch relativ schnell ab, so dass sich am Ende eine deutlich niedrigere Beteiligung einpendelt.12
  2. Korrespondierend dazu gibt es eine vergleichsweise hohe Rate an Abbrecher*innen (Dropouts) des Kurses bzw. vergleichsweise wenige, die einen solchen Kurs beenden oder mit Zertifikat abschließen.13

Ich meine, dass sich insbesondere der erste Aspekt deutlich im Rahmen des Corporate Learning MOOCs 2017 zeigen lässt, und zwar bereits an der aktiven Teilnahme in den jeweiligen montäglichen Einführungssessions. Und das, obwohl er im Sinne konnektivistischer MOOCs organisiert worden ist. Meine Frage ist hier die gleiche wie im ersten Teil: verläuft diese „Lern(er)kurve“ zwangsläufig auch im Rahmen konnektivistischer MOOCs so? Oder gibt es möglicherweise Settings, die eine massive (zumindest höhere) und aktive Beteiligung bis zum Schluss ermöglichen?14

Das Video zeigt recht einfach und anschaulich die Grundidee von MOOCs. Was dabei nicht so deutlich wird, ist beispielsweise die Unterscheidung in konnektivistische cMOOCs oder auch nur einfach skalierbare (massive) xMOOCs. Dies ist aber bereits eine didaktisch sehr wichtige Unterscheidung bezüglich des Vorgehens (Settings), weil beide unterschiedlich darin aufgebaut sind, die (notwendige) Eigenaktivität der Lerner*innen zu organisieren oder ihre Motivation zu nutzen.

Von der Lerngruppe zur Community (of Interest)

„Ich hätte viel mehr Interaktion zwischen Vissmann Mitarbeitern und
externen Lernenden erwartet, so dass eine Art kollektive digitale Diskussion
entstehen würde. In dieser Hinsicht wurden meine Erwartungen also leider
nicht erfüllt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Selbstorganisation
und Motivation wesentliche Bestandteile sind, die vorhanden sein müssen,
um ein digitales Lernsettig zu ermöglichen“ (Sophia Hüttinger).15

Betrachte ich die Bedingungen und mittlerweile vorliegenden Erkenntnisse über MOOCs näher, dann ziehe ich den Schluss daraus, dass neben der reinen Möglichkeit einer Vernetzung, auch und gerade in konnektivistischen Settings, noch etwas dazu kommen muss, damit er auch massiv zu Lernerfahrungen und Lernergebnissen (ohne massive Dropouts) führt: es bedarf der Organisation der Eigenaktivität der Lerner*innen im Sinne einer Kommunikation untereinander als Peers im Rahmen entsprechender Communities und im Netzwerk des MOOCs insgesamt. Das dürfte sich ganz analog der Erkenntnisse in Bezug auf soziale Medien allgemein, und in Bezug auf den Einsatz von ESN (Enterprise Social Networks) in Unternehmen im speziellen, darstellen. Die Organisation der Communities und ihrer Kommunikationsräume ist ein eigenständiger didaktischer Auftrag und Prozess, der untrennbar zum Setting eines MOOCs gehört, wenn er gelingen soll.16 Erst wenn sich beispielsweise die gebildeten Lerngruppen (wie etwa unsere Lerngruppe #AufgeMOOCt) genau in diesem Sinne organisieren (können), werden sie zu einem ermächtigenden Faktor (Empowerment), und zwar sowohl für die Einzelnen, als auch für den Gesamtkurs.17 Um dies zu gewährleisten dürfen sie wiederum nicht nur im „Arbeitsgruppenmodus“ bleiben, sondern müssen genauso „ernst genommen“ werden, wie die individuellen Kursteilnehmer. Ein aktiver Bestandteil des Kursgeschehens zu werden geschieht wiederum erst dann, wenn sie eigene Beiträge liefern wollen und sollen.18 Der Witz an einer massiven Lernbeteiligung ist, dass die Kommunikation untereinander über die Inhalte und mit den Organisator*innen und/oder Lernbegleiter*innen als integraler und communitybasierter Bestandteil des digitalen Settings gestaltet werden muss. Was übrigens bereits für eine analoge Kursgestaltung jenseits einer Vorlesung und noch viel mehr im Kontext von Blended-Learning Seminaren gilt.19

Massives Empowerment

„Auch ich bin der Überzeugung, dass das Lernen in Gruppen große Vorteile gegenüber individuellem Lernen mit sich bringt. Denn in der Regel umfassen die Endergebnisse eines Gruppenlernprozesses mehr als nur die Summe der Beiträge jedes Einzelnen. Mir gefällt in diesem Zusammenhang der Begriff des ‚Synergieeffektes‘, da dieser zum Ausdruck bringt, wie sich die beteiligten Akteure gegenseitig hinsichtlich ihrer Lernprozesse fördern“ (Simone Feller).20

Vom Setting her betrachtet ist der Corporate Learning MOOC 2017 also, zumindest in meinen Augen, nur zur Hälfte als konnektivistisches Konzept umgesetzt worden. Einerseits ist er, und das ist der befähigende Anteil daran, als massives offenes und digitales „Informationsbuffet“ angerichtet worden, von dem sich in den acht Wochen jede*r (neue Lerner*in) nehmen konnte, was ihm als (Wissens-) „Snack“ gerade schmeckt(e).21 Andererseits fehlte etwas Entscheidendes für die daraus möglichen oder resultierenden Lernprozesse. Dieser prozessuale Anteil besteht darin, die Eigenaktivität der Lerner*innen in Form eines Empowerments durch Communities, neben der reinen Vernetzung in Form von Lerngruppen, für den MOOC insgesamt, d.h. eben als Lehrgang, zu nutzen.22 Er besteht konkret darin, strukturell eine massive empowernde Kurskommunikation, tatsächlich vergleichbar einer „kollektiven digitalen Diskussion“, und zwar sowohl untereinander, als auch mit den Kursgestaltern, vorzusehen und zu ermöglichen. Massiv, im Sinne von möglichst vielen Teilnehmer*innen, kann eine solche jedoch nur communitybasiert stattfinden. Am konkreten Beispiel: die Forendiskussionen23 mit den unterschiedlichen Akteuren in den Unternehmen waren von vornherein auf eine individuelle Diskursbeteiligung angelegt. Die formal angeregte Bildung von Lerngruppen wiederum war ebenfalls auf die Ermöglichung eines individuellen Lernerfolges (via Lernziel) hin angelegt.24 Zu keinem Zeitpunkt gab es eigene Aufgabenstellungen für die Lerngruppen im Sinne einer Community, beispielsweise in Form der Erarbeitung von Lösungsvorschlägen oder Strategien für die beteiligten Akteure, und dementsprechend auch keine Rückbindung ihrer Ergebnisse in den gesamten MOOC. Mit anderen Worten: es kam nicht zur Bildung von Communities, weil dies im Setting nicht vorgesehen war. Dieses fehlende Empowerment im Sinne einer entsprechenden Ausgestaltung der Lernprozesse qua kollaborativem Setting dürfte meines Erachtens auch eines der größten Probleme einer Umsetzung im Rahmen der betrieblichen Aus- und Fortbildung darstellen.25

Digitales Lernen ist …

„Ich hatte beim MOOC das Gefühl in eine neue Welt eintauchen zu müssen, um mitmachen zu können. Zu Anfang des MOOCs, wo ich noch viel Motivation hatte mich damit auseinander zu setzen, fand ich die Internetseite des MOOCs/Corporate Learning wenig übersichtlich und habe es dann irgendwann einfach aufgegeben dort Information zu suchen […] Dagegen bin ich von der Facebookseite begeistert, über die ich immerhin ein wenig auf dem Laufenden bleibe“ (Imke Rautmann).26

Sowohl individuell, als auch gemeinsam, haben wir uns an den Vorgaben zu Beginn des Corporate Learning MOOCs orientiert. Alle Studierenden (einschließlich mir) haben ein individuelles Lernziel formuliert und wir haben uns als Lerngruppe in den Austausch über die Erfahrungen und die Reflexion auf die individuellen Lernziele begeben. Dennoch war der MOOC aus Sicht der Studierenden zwar eine sehr interessante Erfahrung, bot aber oft ein enttäuschendes Lernerlebnis. Vor diesem speziellen Erfahrungshintergrund möchte ich noch einmal zusammenfassend und, mit daran anschließenden Ideen versehen, etwas dazu zu sagen, was in meinen Augen digitales Lernen, gerade im Rahmen eines MOOCs, zukunftsfähig, nachhaltig und wirklich revolutionär macht. Es ist die Ermöglichung neuer Zugänge und digitaler diskursiver Wege, die diese Revolution im Bereich der Bildung und Gestaltung der Lernprozesse ausmacht.27 Erst eine adäquate Gestaltung der digitalen Kommunikation ermöglicht es, nicht nur die transparent angebotenen Informationen aufzunehmen, sondern auch, im Anschluss daran, in ein kollaboratives Lernergebnis (mutuales Wissen) umzuwandeln. Mit anderen Worten: erst wenn im Rahmen von Communities diskutiert werden kann und diese Ergebnisse in den Gesamtkurs zurückfließen, kann ein nachhaltiges und kommunikativ-mutuales Wissen aufgebaut werden.

… transparent, …

„Ich möchte versuchen die Zu- und Durchlässigkeit von unterschiedlichen Meinungen, Ideen und Vorschlägen auf den Plattformen zu identifizieren. Meine These ist, dass die Öffnung eines kreativen Raums häufig nicht alle Blickwinkel zulässt, teils im Keim erstickt oder unbeachtet bleiben“ (Svenja Kleinz).28

Nachgerade paradigmatisch kann man den MOOC in der Frage der Bedeutung sehen, die Transparenz für das digitale Lernen hat (oder bekommen wird). Die Offenheit, die im ersten O des Begriffs steckt, bedeutet ja nicht nur Offenheit bezüglich einer möglichen (kostenlosen) Teilnahme, sondern mindestens gleichauf eine Offenheit im Umgang mit den Informationen und, darauf aufbauend, mit den erarbeiteten Materialien. Diese Offenheit gilt aber auch im Sinne einer transparent nachvollziehbaren Diskussion und gegebenenfalls Entscheidung auf Grundlage der hinterlegten Argumente. Transparenz und Offenheit ist zunächst innerhalb des Kurses zu gewährleisten, gilt aber im Idealfall – wie im Rahmen dieses MOOCs vollzogen – auch für (potentielle) Lerner*innen außerhalb des Kurszusammenhangs, beispielsweise weil sie ein Interesse daran haben. Wie der Kurs eben insgesamt, samt der produzierten Materialien, auch nachträglichen Analysen zugänglich bleiben wird. Dafür gilt nicht nur der Corporate Learning Allianz mein Dank, sondern zuallererst den beteiligten Unternehmen, die sich damit (zum Teil zum ersten Mal) der Öffentlichkeit zugewendet und in Bezug auf das interne Lernen und seine Organisation transparent gemacht haben.29 Im Falle dieses MOOCs ist paradigmatisch tatsächlich auch deshalb nicht übertrieben, weil er weiter eingebettet ist in das Vorhaben MOOCathon 2025, d.h., dass im weiteren Fortgang Materialien erstellt werden, die unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons offen und allgemein verfügbar sein werden. Das ist tatsächlich auch ein Meilenstein in Richtung Open Education und Open Educational Ressources (OER).

… kollaborativ und …

„Zudem verwirren mich die vielen unterschiedlichen Diskussionsplattformen. Ich hatte mir extra einen Twitter-Account zugelegt und muss sagen, dass ich dort kaum Diskussionen wahrgenommen habe, sondern eher alleinstehende Kommentare auf die höchstens ein bis zwei mal reagiert wurde. Schade eigentlich, sollte es doch auch um gemeinsames Lernen gehen“ (Julia Müller).30

Der Transparenz und Offenheit im Umgang mit Informationen gegenüber wird das, worauf es im Sinne eines ermöglichenden (digitalen) Settings auch ankommt, nämlich Lernen als (gemeinsamen bzw. sozialen) Prozess zu begreifen, der strukturell berücksichtigt werden muss und dabei ausgestaltet werden kann, in meinen Augen allerdings (noch) deutlich vernachlässigt. Gehen wir noch einmal zurück zu den Rollen der neuen Teilnehmer*innen, dann wird im Rahmen des MOOCs zumindest das Prinzip Augenhöhe ebenfalls schon sehr gut umgesetzt. Betrachtet man die Diskurse im Rahmen der verschiedenen Themenwochen, dann fanden sie tatsächlich unter Gleichgestellten (Peers) statt und wurden auch so vollzogen. Das war sicher nicht nur für die Impulsgeber sehr hilfreich. Dennoch kam es in meinen Augen viel zu selten (oder eher gar nicht) zu so etwas wie einer massiven digitalen Diskussion oder gar dem kritischen Austausch unterschiedlicher Positionen. Gefragt waren auf der einen Seite ja meistenteils und ausdrücklich persönliche Erfahrungen oder praktische Beispiele aus anderen Bereichen. Auf der anderen Seite wurden die verschiedenen begleitenden Lerngruppen nicht als eigenständige Entitäten betrachtet, sondern lediglich als formale Struktur der Ermöglichung der individuellen Lernprozesse gesehen.31

Das ist schade, denn bereits aus dem vorgegebenen Setting könnte man m.E., und zwar gerade durch die Möglichkeiten der eingesetzten digitalen Medien, sehr viel mehr machen. So könnte ich mir gut vorstellen, dass beispielsweise die montäglichen Einführungssessions dem Prinzip des „Flipped Classrooms“ folgen und zunächst die Einführung (Vorstellung des Unternehmens und seiner spezifischen Problemstellung) per Video organisiert wird, um daran anschließend tatsächlich zu einer Diskussion (und nicht nur Rückfragen, wie sie meistenteils im Rahmen der Sitzungen stattfanden), gerne auch per Skype for Business, aber vielleicht noch viel besser organisierbar über Slack und Co. als Gruppen-Chat, zu kommen.32 Das würde aber zum einen bedeuten, die Videos deutlich kürzer zu machen, zum anderen, mit genügend zeitlichem Abstand zu operieren. Erst wenn sich die Teilnehmer*innen vorbereiten und/oder sich auch schon vorab Gedanken machen konnten, ist eine Live-Session, in der nicht nur Rückfragen möglich sind, sondern auch (erste) inhaltliche Impulse ausgetauscht werden können, möglich.33 Nicht nur im Sinne einer Motivation eignet es sich hierbei besonders, die begleitenden Lernruppen, oder besser: als Communities organisierten Netzwerkknoten zu nutzen. Was erst recht einen zeitlichen Vorlauf voraussetzt und eigene Fragestellungen nahelegt, anhand der sich diese mit der Thematik auseinandersetzen können, um sie dann in die gemeinsame Diskussion einzubringen. Gelingt dieser Part, so spricht nichts dagegen, auch andere Teile der Diskussionen im Rahmen eines solchen Settings stattfinden zu lassen und die Foren (Disqus) als Ergänzung dazu zu gestalten.34

… kommunikativ-mutual!

„The human mind is not like a desktop computer, designed to hold reams of information […] As a consequence, individuals store very little detailed information about the world in their heads […] Our intelligence resides not in individual brains but in the collective mind […] When you put it all together, human thought is incredibly impressive. But it is a product of a community, not of any individual alone.“35

Noch unabhängig davon, ob man, wie ich, das Wissen selbst als „mutuales Produkt“, sieht, kann man zumindest den Lernprozess, an dessen Ende es steht, als kommunikativ-mutuales Vorgehen betrachten und gestalten.36 Das Lernen beginnt für mich erst jenseits der Präsentation und individuellen Aufnahme von Informationen.37 Beispielsweise dann, wenn man auf die Informationen rekurriert oder wenn man sie gemeinsam reflektiert. Nachhaltiges Lernen ergibt sich dann, wenn im gemeinsamen Diskurs die unterschiedlichen Facetten ausgetauscht, wechselseitig (mutual) kritische Einwände geäußert und anschließend gemeinsam aufgearbeitet werden. Für die Gestaltung eines solchen Lernprozesses eignen sich auch digital und im Rahmen eines MOOCs Gruppen am besten.38 Was bei der Gruppenarbeit bereits im analogen Kontext oft genug übersehen wird, das ist, dass sie erst dann ihr Potenzial entfalten können, wenn ihre Ergebnisse im Rahmen des Settings tatsächlich berücksichtigt und auf das Kursthema rückbezogen werden.39 Im Rahmen von Kursen und Seminaren bedeutet das zuallererst, dass die Inhalte und Fragen, die sie produzieren, wieder in das Seminar zurückfließen müssen. Im Idealfall wird an den Ergebnissen der Gruppen, als neue gemeinsame Grundlage, weiterdiskutiert und daran wieder gemeinsam gelernt.40 Erst dann würde ich auch von (temporären) Communities sprechen.

Soll eine echte Partizipation stattfinden, dann müssen die Gruppen/Communities genauso ernst genommen werden, wie die einzelnen Lerner*innen. Noch pointierter: die Augenhöhe gilt auch für Communities, die im Rahmen eines Seminarsettings vorgesehen sind. Für eine solche Einbindung gibt es im analogen wie im digitalen Kurskontext beispielsweise das Format des „Aktiven Plenums„. Übertrage ich das wiederum auf den MOOC, so wären im zeitlichen Arrangement Zeiten und Möglichkeiten vorzusehen, dass die verschiedenen Lerngruppen mit den Teams in den Unternehmen in Kontakt kommen und sich fundiert über die Fragen unterhalten, die sie im Rahmen der Gruppen (als Impuls vorgegeben durch die Teams) erarbeitet und vorbereitet haben. Wobei bereits die Gestaltung der entsprechenden Sessions, in denen die Ergebnisse zum Tragen kommen, durch die Lerngruppen, ganz im Sinne eines selbstbestimmten Lernens, selbst vorgenommen werden sollten. Hier wäre also vom Setting her eine (zeitliche) Leerstelle, die erst dann konkret gefüllt wird, wenn die Gruppen/Communities sich dieser Herausforderung annehmen.41 Ich gebe gerne zu, dass das ein sehr experimentelles Vorgehen darstellen würde. Aber letztlich zeigt sich für mich im Erfolg der Barcamps, dass das durchaus auch digital funktionieren kann. Weil die Sessions dort gruppenbasiert entstehen und abgehalten werden entstünde, wenn man so will, ein neues Format eines „digitalen (Gruppen-) Barcamps“.

Mit diesem spannenden Ausblick möchte ich die beiden Blogbeiträge zu den neuen Lerner*innen schließen, ohne das Thema damit zu beenden. Mein besonderer Dank bezüglich der auch für mich zum Teil neuen (und aufregenden) Erkenntnisse, die ich hier explizit formuliert habe, gilt insbesondere der Lerngruppe #AufgeMOOCt, also den Studierenden im Rahmen des Seminars „Bildung im digitalen Handlungsraum“.42

  1. Helen Blunden (activatelearning)(2017): The Enigma Around Social Learning. []
  2. Mit der Bedeutung des Settings setze ich mich hier in Teil 1 auseinander. []
  3. Siehe dazu aber auch die Ausführungen im Artikel „Rolle und Herausforderungen von Online-Kursen (MOOCs) für die Hochschullehre„. Der Bezugspunkt für Martin Ebner sind allerdings sogenannte xMOOCs, also Onlinekurse ohne eine gewünschte massive Einbindung der Studierenden. []
  4. Ich arbeite sehr gerne mit dem Begriffspaar Befähigung und Ermächtigung. Ich verwende sie explizit in der Bedeutung, dass eine Befähigung die persönliche Seite betrifft, während Empowerment oder auch Ermächtigung immer die prozessuale bzw. strukturelle Ebene bezeichnet. Es ist ja nicht so, dass die Befähigungsseite nur im Bereich des digitalen Lernens deutlich betont wird, während die Frage der Ermächtigung deutlich zu kurz kommt. Möglicherweise deshalb, weil sie schwer zu ändern sind oder vielleicht sogar deshalb, weil sie einfach ausgesetzt angenommen werden. Oder aber, und das möchte ich mit zwei hervorragenden Medien dazu begründen, weil hier, bewusst oder unbewusst, nichtsdestotrotz aber sehr konsequent, ein neoliberales Menschenbild dahintersteckt. Vgl. hierzu einerseits Audrey Watters Aufsatz „Driverless Ed-Tech: The History of the Future of Automation in Education“ und andererseits Felix Stalders Beitrag auf der re:publica 2017 mit dem Titel „Die Algorithmen, die wir brauchen. []
  5. Für diesen Link bin ich Joachim Niemeyer sehr dankbar, der eine Zusammenfassung der bisherigen Erfahrungen von MOOCs in unterschiedlichen Kontexten erstellt hat. []
  6. Martin Ebner, a.a.O., Folie 9 & Folie 23. []
  7. Martin Ebner, a.a.O., Folie 34 & Folie 36. []
  8. Wikipedia: Massive Open Online Course []
  9. Daneben gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Variationen, die sich meist auf die Organisationen beziehen, in denen sie eingesetzt werden. Für den Unternehmensbereich beispielsweise wird oft von Corporate-MOOCs geredet, welche als COOC (Corporate Open Online Course) bezeichnet werden. Daneben gibt es „kleinere“ Variationen wie etwa SPOCs (Small Private Open or Online Course) oder auch FROOCs (FRee Open Online Courses), die besonders den freien Zugang betonen. []
  10. In konnektivistischen MOOCs bekommen die Teilnehmer*innen deshalb „statt abgefilmter Vorlesungen […] kurze erklärende Einheiten vom Dozenten vorgetragen, dann folgt ein Verständnistest, erst dann geht das Video weiter. Der Internetkurs gliedert sich in sechs bis sieben Wocheneinheiten, die alle eingeschriebenen Studierenden zeitgleich absolvieren“; Vgl. hierzu Spiegel online v. 07.01.2013. []
  11. Die eigenständig erstellten Materialien und Medien werden derzeit im Rahmen von Open Educational Resources (OER) verhandelt bzw. behandelt werden. Zu meinen eigenen Erfahrungen bezüglich der aktiven Beteiligung der Studierenden und Erstellung von Materialien habe ich zwei Blogbeiträge hier und hier verfasst. []
  12. Vgl. hierzu Folie 13 von Martin Ebner. []
  13. Vgl. hierzu Folie 11 von Martin Ebner. []
  14. Ich bin diesbezüglich auch äußerst gespannt auf die interne Auswertung der Corporate Learning Community nach Ende des MOOCs. []
  15. Studentin des Masters „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ sowie Mitglied der Lerngruppe #AufgeMOOCt im Rahmen des Seminars „Bildung im digitalen Handlungsraum“. Alle namentlich gekennzeichneten Zitate sind, sofern nicht anders hinterlegt, Zitate von Studierenden im Rahmen ihrer Reflexion auf das persönliche Lernziel und/oder der gemeinsamen Reflexionssitzungen. []
  16. Ich glaube, dass es gerade hierbei viel Vergleichsmöglichkeiten mit Kollaborationsplattformen in den Unternehmen gibt. Auch diese funktionieren erst im Sinne einer digitalen Zusammenarbeit, wenn es gelingt, die verschiedenen Communities entstehen und selbstbestimmt zusammenarbeiten zu lassen. []
  17. Dass wir uns über meine Blogbeiträge hier einmischen ist nicht der aktiven Aufforderung der Organisator*innen des MOOCs geschuldet, sondern geht auf unsere eigene Initiative zurück. []
  18. Was ja, und hier schließt sich der Kreis wiederum, gerade das Anliegen konnektivistischer MOOCs ist. []
  19. Zu den Irrwegen der Organisation gemeinsamer Kommunikation im digitalen Lernkontext auch schön Helen Blunden (a.a.O.), in der deutschen Fassung bei Joachim Niemeier (hier) nachzulesen:

    • Ein Online-Diskussionsforum am Ende eines bestehenden E-Learning-Kurses hinzufügen.
    • Eine Yammer-Gruppe <oder ein anderes ESN ihrer Wahl hier einfügen> für die Nachbereitung von Kursen, in denen es wenig Interaktion, Engagement oder Aktivität bei den Teilnehmenden gab, bereitzustellen.
    • Eine Frage wie “Diskutiere dieses Konzept mit deinen Kollegen in der <ein ESN ihrer Wahl hier einfügen>-Gruppe” am Ende eines E-Learning-Kurses in den Raum werfen.
    • Die Mitarbeiter auffordern, im neuen <hier ein neu implementiertes Social LMS ihrer Wahl einfügen> durch das Klicken auf “Like” oder “Reply” oder “Follows” zu interagieren, um bessere Daten zu Aktivitäten und Engagement zu erhalten.

    []

  20. Studentin, a.a.O. []
  21. Nicht nur hier entsprechen sich wohl die verwendeten Begriffe mit dem tatsächlich präsentierten Setting, denn Learning Nuggets waren Teil der inhaltlichen Auseinandersetzung im Rahmen des MOOCs. []
  22. Dabei unterstelle ich, dass dieses Ziel tatsächlich, zumindest implizit, ein Ziel des gesamten MOOCathons war und ist. Sollte dem nicht so sein, dann ist der MOOC tatsächlich so organisiert worden, wie er anvisiert war. []
  23. Diese fand zu einem großen Teil über die Plattform der Corporate Learning Allianz mit Disqus statt. []
  24. Die Bildung individueller Lernziele und von Lerngruppen, den Kurs daraufhin zu reflektieren, war  explizit zu Beginn des MOOCs kommuniziert worden. []
  25. Ganz analog zu den Erfahrungen des Einsatzes digitaler Kollaborationsplattformen in Unternehmen. []
  26. Studentin, a.a.O. []
  27. Das lässt sich ziemlich nahtlos an meine Überlegungen bezüglich einer digitalen Sozialität bzw. digitalen Literalität anschließen. Verbunden mit der Tatsache, dass erst die kommunikativen Möglichkeiten die entsprechenden (digitalen) Technologien „massentauglich“ gemacht haben. Hierzu habe ich mir recht grundsätzliche Gedanken in diesen beiden Blogbeiträgen, nämlich hier und hier, gemacht. []
  28. Studentin, a.a.O. []
  29. In manchen Nebenbeiträgen klang durchaus an, dass dies nicht nur neu war, sondern auch mit erheblicher Unsicherheit verbunden, inwiefern es mit der Compliance und offiziellen Politik des Unternehmens vereinbar war. []
  30. Studentin, a.a.O. []
  31. Siehe oben; Einschränkend muss ich auch hier hinzufügen: ich habe es nicht mitbekommen, dass Lerngruppen, jenseits von unserer Lerngruppe, irgendwelche Ergebnisse geliefert hätten oder gar aktiv einbezogen worden wären. []
  32. In eine solche Richtung geht die Gestaltung der virtuellen Kursräume beispielsweise bei vitero. Gerade an Skype for Business kann man wiederum gut zeigen, wie eng die Entwicklung der Technologie an den ursprünglichen Zweck, nämlich der Gestaltung eines Meetings im Sinne von (aktive) Leitung und (nur rückfragender) Teilnehmer*innen, gebunden ist. []
  33. Ich weiß natürlich, dass dies die Idee der bereits am Wochenende davor eingestellten Blogbeiträge und Informationen war. Aber das ist nicht dasselbe, als sich in einer Live-Session auf ein konkretes Video zu beziehen, in dem beispielsweise die gleichen Fragen gestellt werden. []
  34. Speziell zu den Zeitproblemen dieses MOOCs, der sich aus dem Setting zwangsläufig ergeben, habe ich auch im ersten Teil einige Feststellungen gemacht. []
  35. Steven Sloman und Philip Fernbach (2017): „The Knowledge Illusion: The myth of individual thought and the power of collective wisdom“, S. 5 []
  36. Dazu werde ich schon in absehbarer Zeit einen eigenen Blogbeitrag verfassen. Mit dem Begriff des Wissens und den Problemen eines allzu technizistisch verstandenen Wissens habe ich mich bereits hier, hier und hier auseinandergesetzt. []
  37. Diese Sichtweise ist natürlich stark vom verwendeten Lernbegriff abhängig. Zum eher oberflächlichen Gebrauch im Rahmen dieses Blogs habe ich mich auch in Teil 1 geäußert. []
  38. Wahrscheinlich ist diese Art von Diskussionen im Setting einer massiven Anzahl von Teilnehmer*innen gar nicht anders möglich. []
  39. In einer Analogie kann man das besonders gut am Fall der Gruppenarbeit innerhalb tayloristische Systeme und Organisationen nachvollziehen. Erst wenn die Autonomie der Gruppe so weit zum Tragen kommt, dass die Gruppen unabhängig von den hierarchischen Weisungen werden, können sie produktiv im Rahmen der Arbeitsprozesse Ergebnisse liefern. Erst dann organisieren sie sich auch tatsächlich selbst. []
  40. Erlebt habe ich, dass es neben unserer eigenen zwar offensichtlich einige Lerngruppen entlang des MOOcs gegeben hat, deren Einbindung jedoch nicht wirklich vorgesehen war. Wenn man so will, dann wurde das Selbstorganisationsparadigma der neuen Lerner*innen auch auf die Gruppen übertragen. Weshalb auch hier noch einiges an Potenzial im Sinne der Weiterentwicklung des MOOC Gedankens stecken dürfte. []
  41. Einer der häufigsten Gründe, warum das bereits im analogen Seminarzusammenhang zu Schwierigkeiten führt, ist, dass sich die Lehrbeauftragten/Organisatorinnen etc. oft ziemlich unwohl dabei fühlen, nicht zu wissen, was genau hier kommt und welche Ergebnisse bzw. Inhalte tatsächlich diskutiert werden. Es fühlt sich deutlich wesentlich besser an, über entsprechende Fragestellungen in Foren zumindest in etwa zu kennen, in welchen Bahnen sich die Ergebnisse halten werden. Das Unbehagen an Leerstellen dürfte sich digital noch einmal deutlich verstärken, wobei ich persönlich bisher im Rahmen von Blended-Learning Konstellationen immer positiv von der „Power“ und Kreativität der Gruppen überrascht worden bin. []
  42. Von denen ich einen Teil der Zitate verwendet habe, weil sie mir die ausdrückliche Erlaubnis dazu gegeben haben. []
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7 Antworten

  1. Lieber Alexander,

    die Quintessenz aus deinem Blogbeitrag ist für mich: Du bemängelst am „Corporate Learning 2025 MOOCathon“ (kurz CL2025), dass die Kommunikation nicht strukturiert und/oder betreut genug abläuft. Ich gebe dir durchaus recht, dass dies vielen Teilnehmenden hilft, jedoch vermisse ich Vorschläge deinerseits, wie dies in einem „Kurs“ mit über 1000 Menschen organisatorisch und auch didaktisch zu lösen wäre.

    Auch finde ich den Einwand von Karlsheinz richtig, dass auch die Teilnehmenden Experten sind, die sich selbst organisieren und voneinander profitieren können. Aufgrund der Fülle an Inputs, können sich die meist berufstätigen TN i. d. R. sowieso nur die für sie interessantesten Aspekte herausgreifen und, wenn möglich, weiterverfolgen bzw. voranbringen, im Sinne eines kollektiven Mehrwerts (von dir „mutuales Produkt“ produkt genannt).

    Abschließend noch eine kurze Bemerkung zum von dir genannten Format Barcamp. Der dahinter steckende Ansatz, Teilnehmende zu Teilgebenden zu machen, wird ja teilweise im CL2025 schon umgesetzt. Zwar sind nicht immer alle „Sessions“ (bspw. Lerngruppen, die sich auf Yammer gebildet haben) für alle sichtbar, woran man sicherlich organisatorisch arbeiten könnte. Aber auch auf einem Barcamp muss ich mich letztlich immer für eine der parallel laufenden Sessions entscheiden.

    • Liebe Tanja,

      vielen Dank auch für Deine Überlegungen. Besonders spannend finde ich daran die Aussage, ich würde am #cl2025 etwas bemängeln, ohne eigene Vorschläge zu machen. Dazu möchte ich zunächst festhalten, dass ich den Corporate Learning 2025 MOOCathon (in seiner Gänze) für ein besonders wertvolles und spannendes Vorhaben halte. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die, dass ich gemeinsam mit Studierenden der Hochschule München im Rahmen unserer Lerngruppe #AufgeMOOCt daran teilgenommen habe. Die daraus entstandenen Blogbeiträge (es sind bisher insgesamt drei von mir und ein öffentlicher eines Studenten hier geworden, weitere sind auf unserer Lernplattform Moodle hinterlegt) sind ein Amalgam dieser Lernerfahrungen (die in den Augen der Studierenden tatsächlich „ernüchternd“ war, obwohl sie anfänglich alles sehr motiviert dabei waren) und meinen Überlegungen, wie ich mir selbst vorstellen könnte, so etwas zu organisieren. Mit der weiteren Überlegung, inwiefern es dadurch möglich werden könnte, tatsächlich die 1000 Kursteilnehmer*innen aktiver heranführen zu können (hier wird noch spannend sein, wie sich das Verhältnis der Zahlen darstellt).
      Wenn Du so willst, dann findet mein eigenes Lernen auf einer Metaebene zum MOOCathon 2025 statt, weil ich die Strukturen und Beteiligung (zumindest, was mir davon zugänglich ist) betrachte. In bester Tradition und Übereinstimmung will ich diese offenlegen und der Corporate Learning Allianz zur Verfügung stellen, gerade weil es im Anschluss an die vielen präsentierten Informationen und Diskussionen weitere Materialien – und ein Barcamp – geben soll.

      Meine eigenen Erkenntnisse (die Quintessenz) aus dem, was bisher gelaufen ist, sind zweierlei Art:
      1. Jedes individuelle Lernen findet im Rahmen von Strukturen statt. Diese Strukturen können das Lernen befördern oder auch verunmöglichen. Der klassische Begriff Setting steht genau dafür, diese Strukturen zu analysieren und lernförderlich auszulegen (so man will). Das gilt selbstverständlich auch für die Anlage eines MOOCathons, der ein offenes Lernsetting als Format zu Grunde liegt. Was das aber genau heißt und was es an Voraussetzungen für die Lerner*innen bedeutet (Stichwort: Selbstorganisationsfähigkeit), ist dabei durchaus diskussionswürdig. Das hat auch überhaupt nichts damit zu tun, diesen irgendwie den Expertenstatus abzusprechen.
      2. Will man massives Lernen, tatsächlich verstanden in dem Sinne, möglichst alle 1000 angemeldeten an Bord zu haben, umsetzen, dann kommt man meines Erachtens nicht an Communities vorbei. Dabei wähle ich diesen Begriff sehr bewusst und unterscheide Communities von „einfachen“ Lerngruppen (die unterschiedliche Aufgaben haben können). Im Rahmen von Kollaborationsplattformen in Unternehmen kann man mittlerweile gut zeigen, welche Bedingungen es geben muss, dass solche Communities entstehen (man kann sie beispielsweise nicht verordnen oder installieren). Eine davon ist in meinen Augen und auf den MOOCathon übertragen die, dass die erarbeiteten Ergebnisse tatsächlich in die Informations und Lerneinheiten zurückfließen müssen. Und das, so zumindest meine Überlegung, könnte von vornherein eine Facette eines solch offenen Settings sein, die bewusst angezielt wird.

      Mit Deinen Anmerkungen zum Format des Barcamps hast Du vollkommen recht. Auch hier war meine Überlegung nur die, inwiefern eine digitale Variante davon bedeuten könnte, die intendierten Communities (so man wiederum will) von vornherein bereits in der gesamten Phase der Informationsaufbereitung und Diskussionen zu beteiligen. Das würde aber tatsächlich Konsequenzen für diese Phase haben, weil sie dann als Communities (und nicht die individuell in ihnen vertretenen Lerner*innen) einen eigenen Stellenwert bekommen müssten. Ähnlich wie die Sessions in Barcamps, die die eigentliche Informations- und Diskussionsphase beinhalten und vielleicht als temporäre Communities verstanden werden können.
      Ich erhebe übrigens mit diesen Überlegungen keinerlei Anspruch darauf, es besser zu wissen. Deshalb kann ich auch gar nichts bemängeln. Umso wichtiger finde ich Anmerkungen wie Deine, weil sie dazu anregen können, darüber nachzudenken und es gegebenenfalls auch einmal auszuprobieren 🙂 .

  2. Begriffliche Schärfung: einen „Corporate Learning MOOC“ oder einen „Corporate Learning MOOC 2017“ gibt es nicht. Die Veranstaltung ist der „Corporate Learning 2025 MOOCathon“, eine Kombination aus cMOOC (explizit nicht xMOOC, deswegen fehlen einige der oben kritisierten Punkte „by Design“) und einem Hackathon. Das gemeinsame entstandene Wissen wird über die Abschlussarbeit (einzeln oder in Lerngruppen ab kommenden Montag zu leisten) und den anschließenden Hackathon dokumentiert.

    • Lieber Simon,

      hab vielen Dank für Deine Anmerkungen. Ich antworte gleich auch auf Deine zweite Präzisierung. Ich meine, Euer Konzept gut verstanden zu haben. Ich (und die Lerngruppe #AufgeMOOCt) beziehen uns auf den Anteil, an dem wir teilgenommen haben. Es ist der eine Anteil am Gesamtbegriff (MOOC), der den Kurscharakter zumindest im Namen in sich trägt und in seinem ganzen Ablauf dem Corporate Learning MOOC 2015 ähnlich ist. Um den Bezugspunkt zu verdeutlichen (weil wir als Lerngruppe nicht den ganzen MOOCathon mitmachen können) habe ich diesen Begriff verwendet. Das mag aus Eurer Sicht nicht richtig sein, ich will hier auch nicht darauf bestehen. Mir ist zur Kennzeichnung dieses Anteils einfach nichts besseres eingefallen.
      Dass ihr diesen Anteil als cMOOC aufgebaut habt, habe ich durchaus berücksichtigt und auch beschrieben. Möglicherweise kommen über die Dokumentationen (und „Abschlussarbeit(en)“ – welch ein Begriff 😉 ) noch Aspekte hinzu, die mir/uns in der bisherigen Teilnahme fehlen. Da bin ich durchaus sehr gespannt und werde mich weiterhin im Rahmen meiner eigenen Möglichkeiten dazu einbringen. Dass ich nicht trennscharf mit den Begriffen Kurs, Lehrgang und Seminar umgegangen bin tut mir leid. Das werde ich in Zukunft anders handhaben. Andererseits fließt im Rahmen der digitalen Transformation in der Bildung aber auch einiges durcheinander. In keinem Fall wollte ich damit unterstellen, dass es sich um eine Kursform handelt, in der die „Lehre“ (im Sinne von frontalem Setting) Thema ist und mir ist bewusst, dass Euer Fokus auf die Teilnehmer*innen als Lernexperten gerichtet ist. Was übrigens anbieten würde (zumindest in meinen Augen), den alten Begriff der Mathetik (im Gegensatz zu Didaktik) noch einmal auszugraben und für dieses Vorhaben gegebenenfalls fruchtbar zu machen.
      Ich will an dieser Stelle noch einmal betonen, dass ich zum einen Euren Mut und zum anderen Eure Kreativität, das ganze als MOOCathon auszuprobieren, hoch achte. Meine Reflexionen darauf geben lediglich einen Blickwinkel von Teilnehmer*innen wieder, die kein so tolles Lernerlebnis während dieser zehn Wochen MOOC hatten. Meine Motivation ist, zu überlegen, wie es gelingen könnte, auch für diese Personen (von denen ich vermute, dass es noch sehr viel mehr gibt) eine entsprechende Perspektive zu bieten. Ein Punkt mehr, der für ein mathetisches Vorgehen spricht. Insofern freue ich mich auf weitere spannende Diskussionen im Rahmen des MOOCathons.

  3. Lieber Alexander,
    ich kann Deine Schlüsse zum CL2025 nicht so richtig teilen. Aus meiner Sicht ist der CL2025 sogar ein gutes Beispiel für ein intensives Community-Lernen.
    Ich kann Deine Kritik aus dem Blickwinkel eines Lehrenden gut verstehen. Der fühlt sich verantwortlich für das Durchhalten der Teilnehmer, für den sichtbaren Entwicklungs-Fortschritt der Lernenden.
    In dem CL2025-Setting gibt es ganz bewusst keine Lehrenden, auch die Organisatoren verstehen sich nicht so. Wir gehen davon aus, dass es genügend Expertise unter den Teilnehmenden gibt, die das Voneinander-Lernen erfolgreich machen. Und dieses Experiment schein mir vollständig gelungen zu sein. Du bemängelst, dass Lernen hier nicht im gemeinsamen Diskurs offen sichtbar wird. Wir sind ganz sicher, dass sehr viel Lernen unsichtbar stattfindet, durch persönliche Beschäftigung, in sich immer noch neu bildenden Lerngruppen, durch Umsetzen von Ideen am eigenen Arbeitsplatz. Wir Organisatoren erhalten erstaunlich viel Rückmeldungen von CL2025-Teilnehmenden, wie z.B. „Ich kann nachts nicht schlafen, weil ich so viele tolle Anregungen verarbeite“, oder „Mit jeder MOOC-Woche steigt meine Energie“. Ist das nicht die Idealform von Lernen, wenn Menschen sich so begeistert mit einem Thema auseinandersetzen?
    Unser Ziel ist nicht die theoretische Auseinandersetzung mit neuen Lernformen. Wir wollen das Handeln bewirken, also das Schaffen neuer Bedingungen für Lernen in Unternehmen. Und das wird bei jedem anders aussehen, je nach den dort vorherrschenden Rahmenbedingungen. Am Arbeitsplatz der CL2025 Teilnehmenden findet dann das große Lernen statt. Dafür braucht es aus meiner Sicht auch keine Lern-Begleiter. Das schaffen die erwachsenen Experten sehr gut allein.

    • Lieber Karlheinz,

      hab vielen Dank für Dein Feedback. Ich hoffe, wir kommen bezüglich einiger Aspekte noch einmal richtig in Diskussionen, weil ich schon denke, dass eine theoretische Reflexion und Aufarbeitung des Ganzen hilfreich ist, gerade für Organisator*innen von MOOCs und weil sie sich nicht als Lehrende fühlen. Ich meine, dass das auch Eure Idee ist, wenn es um die weitere „Produktion“ von Materialien im Sinne des MOOCathons geht. Aber vielleicht habe ich das auch falsch verstanden. Ich mache mir auch als Social Learning Consultant Gedanken dazu, also nicht nur deshalb, weil ich als Lehrbeauftragter diesmal mit einer Gruppe Studierender den MOOC ausprobieren konnte. Meine Motivation dazu ist, dass ich – wie ihr – der Meinung bin, dass es im digitalen Zeitalter neue Möglichkeiten und Formen des Lernens geben wird, deren hauptsächliches Kriterium darin besteht, dass die Lerner*innen selbstbestimmt mitmachen und gestalten. Die Crux dabei ist in meinen Augen die, dass es das aber bereits beim analogen Lernen immer wieder gab. Gerade hierzu gibt es (im Rahmen der erfolgreichen Projekte) auch empirische/theoretische Erkenntnisse, die man relativ gut auf den digitalen Kontext übertragen kann. Hier würde ich glauben, dass man das Rad auch digital nicht 2x erfinden muss.
      Zunächst noch eine Anmerkung zum Lernen: jegliches Lernen ist unsichtbar. Sichtbar wird es erst im Nachgang durch Verhaltensänderungen (beispielsweise bei Kompetenzen), neue Sichtweisen oder auch andere geänderte Einstellungen und Emotionen der Menschen. Dazu gehört auch die Diskussion von Themen und natürlich die Gestaltung des Arbeitsplatzes. Mein Anliegen ist es nicht, zu bemängeln, dass das Lernen (bzw. ein Lernerfolg) nicht offen sichtbar wird. Mein Beitrag ist deshalb entstanden (in seinen zwei Teilen), weil die Lernerfahrungen im Rahmen unserer Lerngruppe #AufgeMOOCt einfach andere waren, als sie Euch von vielen Teilnehmer*innen zurückgemeldet werden. Dem versuchte und versuche ich auf den Grund zu gehen und mir zu überlegen, welche Bedingungen (im Sinne eines Settings) aus meiner Sicht eine andere Lernerfahrung ermöglicht hätten. Durchaus in der ganz praktischen Absicht, mir zu überlegen, wie ich selbst es organisieren würde um zu erreichen, dass möglichst viele Teilnehmerinnen eine positive Lernerfahrung mitnehmen. Auch und gerade in Unternehmen, nicht nur als Lehrbeauftragter. Weiter beziehen sich die Überlegungen und Schlussfolgerungen tatsächlich auf das Setting, das mit den Begriff massiv im MOOC angesteuert wird. Massiv sollte letztlich doch auch bedeuten, dass es nicht nur massive Anregungen, sondern gerade darüber auch massive (im Sinne von möglichst vielen) Lernerfahrungen und Lernmöglichkeiten gibt.
      Bezüglich der Anregungen, die der MOOC gibt, bin ich auch voll auf Deiner/Eurer Linie. Besser kann man sich das wahrscheinlich gar nicht vorstellen. Das alleine macht für mich aber noch nicht das Lernen als Prozess aus. Ich glaube, dass die Tatsache, dass es immer wieder neue Lerngruppen gibt gerade darauf hindeutet, dass diese ein eigenes Potenzial haben, die Lernerfahrung noch viel breiter zu streuen und/oder zu ermöglichen. Allerdings erst dann, und das ist tatsächlich die Kernaussage dieses Beitrags, wenn sie gemäß dem Community-Gedanken in das Setting und Konzept des MOOCs integriert werden. Das nimmt auch der Expertise der „Learning Professionals“ als Teilnehmer*innen nichts und bedeutet schon gar nicht, Lernbegleiter*innen zu installieren. Communities als integraler Bestandteil eines MOOCs würden es aber vielleicht anderen ermöglichen, besser am MOOC zu partizipieren. Gerade hierin sehe ich übrigens (aus Sicht eines Social-Learning Consultants) den zentralen Schnittpunkt zur Organisation des Lernens im Rahmen der betrieblichen Aus- und Fortbildung, bei HR und L&D.
      Ich bin in jedem Fall auf Eure Auswertung des MOOCs gespannt und hoffe, dass sich das auch auf ganz „schnöde“ statistische Dinge bezieht, wie etwa aktive Beteiligung im Verhältnis zur Teilnehmerinnenzahl und ähnliches. Wir werden spätestens im Rahmen des Corporate Learning Camps in Frankfurt Gelegenheit haben, noch einmal darüber zu reden. Darauf freue ich mich übrigens genauso, wie ich es ziemlich spannend fand, mit unserer Lerngruppe am MOOC teilnehmen zu können :-).

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