Warum die „Social Media“ schlau machen…

Gengiskanhg - Artificial Fiction Brain (Creative Commons 3.0 BY-SA)

„Durch Simulationen, Multimedia und Links lassen sich Inhalte vielfältiger, anschaulicher und vernetzter aufbereiten als mit klassischen Papier-Lehrmitteln […] Und schließlich verbindet das Internet Lernende miteinander, die in Communities Fragen, Ratschläge und Erfahrungen austauschen können.“

Warum Social Media schlau machen kann man sehr schön im Buch von Steven Johnsons mit dem Titel „Neue Intelligenz“ nachlesen.1 Aber auch die c’t Nr. 25 / 2012, aus der obiges Zitat stammt, hat es zum Thema gemacht und unter der Überschrift „Internet macht schlau“ bzw. „Das Wissensnetz“ ausgebreitet. Im Gegensatz zum Manfred Spitzer (mein Blogbeitrag hier) sehen viele Medienpädagogen im Internet „ein Medium, das das Lernen einfacher, schneller, bunter, lustiger, billiger und demokratischer macht“.2 Neben diesem Umstand interessiert mich dabei jedoch vor allem das, was im Begriff der „Social Media“ steckt: Das Gemeinsame und Kollektive im Lernen und Prozess der Wissensaneignung. Was wiederum auch in einem Interview mit Steven Johnson (hier) deutlich wird.

Gengiskanhg - Artificial Fiction Brain (Creative Commons 3.0 BY-SA)

Welche Auswirkungen haben die Neuen und sozialen Medien auf die Menschen? Ich meine überwiegend positive.
Bild (= Beitragsbild als Ausschnitt): Gengiskanhg – Artificial Fiction Brain. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons (BY-SA) – Namensnennung und Verwendung unter gleichen Bedingungen.

Ein Gedankenexperiment

Sehr schön hat das Jöran Muuß-Merholz im Editorial der c’t3 dargestellt, in dem er Steven Johnson zitiert. Warum wir durch Computer, Soziale Medien und Fernsehen klüger werden beantwortet dieser durch ein Gedankenexperiment. In diesem Gedankenexperiment kommt die „Einführung“ des Buches erst, nachdem die Sozialen Medien, Computerspiele und Internet schon etabliert sind. Buchlesende vernachlässigen nun in diesem Szenario die Möglichkeiten, den ganzen Körper zu fordern, wenn man beispielsweise über komplexe Bewegungen ein Spiel steuert. „Als wäre das noch nicht schlimm genug, leiden auch die sozialen Kontakte unter Vielleserei. Das Buch isoliert den Menschen, denn der Lesende sitzt oder liegt in der Regel alleine im stillen Kämmerlein“.4 Doch es kommt noch schlimmer: Die politische Unmündigkeit wird durch das Lesene ebenfalls befördert, denn es gibt nur einen linearen, quasi autoritär vorgegebenen Pfad des Lesens. Ein Buch lehrt „vor allem: dem zu folgen, was man vorgegeben findet“.5

Warum die soziale Medien so heißen

Wie anders ist es doch, wenn man sich im Bereich der sozialen Medien bewegt. Sie funktionieren nur dadurch, dass potentiell alle Beteiligten einen Beitrag leisten können.   Und zu einem nicht unerheblichen Teil auch tun. Vor allem aber, dass man selbst entscheidet, welchen Anteil oder Zweig man bie der Wissensbildung weiterverfolgt, macht ihren Einsatz sinnvoll. Sicher ist der „Like“ Button bei Facebook kein Ausdruck einer gelungenen Zusammenarbeit oder gar politischen Aktivität oder eines Bidungsprozesses. Aber darüber kann Diskussion entstehen und im Idealfall sogar ein argumentatives Austauschen. Im besten Fall mit einem Zugewinn an Wissen. Andere Medien, wie beispielsweise Twitter, sind dafür auch geeignet. Besonders wichtig aber sind die sozialen Medien in Bezug auf die Wissensgenerierung bzw. Herausbildung von Wissen.

Die Weisheit der Vielen

Nicht erst seit dem Buch von James Surowiecki6, der die Weisheit der Vielen betont, ist dieser Zusammenhang bekannt.7 Gerade in betrieblichen Zusammenhängen ist das eine „altbekannte“ Tatsache. Besonders deutlich wird das in den Bereichen von Innovationen. Es ist deshalb um so erstaunlicher, dass Wissen in der Fachliteratur und beispielsweise bei den Neurowissenschaften immer als individueller Prozess und Eigenschaft der konkret einzelnen Menschen (und ihres Gehirns) verstanden wird. Natürlich – aneignen müssen es sich die Menschen. Aber viel davon kann erst in Gruppen und der Gemeinschaft sinnvoll als Wissen erworben werden. Hier kann ich mich nur der Argumentation von Stefen Johnson anschließen, wenn er sagt: „Einer der größten Mythen, wenn es um Innovation geht, ist, dass Ideen immer nur dem einsamen Genie einfallen, das abgeschottet von der Welt vor sich hingrübelt. Auch das ist in den meisten Fällen Unsinn: Ideen entstehen durch Kollaboration, durch Austausch, durch Diskussion“. Das macht die neuen bzw. sozialen Medien so interessant – weit über Innovationen hinaus.

  1. Steven Johnson: Neue Intelligenz: Warum wir durch Computerspiele und TV klüger werden. []
  2. c´t Nr. 25/2012, S. []
  3. Nr. 25/2012, S. 3 []
  4. a.a.O. []
  5. a.a.O. []
  6. James Surowiecki (2009): Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne []
  7. Unter dieser Adresse gibt es ein gutes Abstract: http://www.getabstract.com/www/downloads/weisheit_der_vielen_surowiecki_od.pdf []
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