Wissen für alle? Schön wärs!

„Eine Online-Zeitschrift unter Open-Access-Lizenz biete enorme Vorteile für Forschung und Lehre.“

Carsten Janke schrieb in der SZ vom 1.10.2012 mit der Überschrift „Boykott eines Wissenschafts-Verlags. Erkenntnis für alle“ über ein weiteres Phänomen der sozialen Medien.1 In der Kurzfassung geht es darum, dass Wissenschaftler den Wissenschaftsverlag Elsevier aufgrund seiner Preispolitik boykottieren. Der Hintergrund ist dabei zur Beachtung wichtig. Bei einem solchen Wissenschaftsverlag handelt es sich um ein Geschäftsmodell, das tief in die wissenschaftliche Landschaft reicht, für die Verlage aber zu durchaus lukrativen Einnahmen führt. „Wissenschaftliche Verlage – wie eben Elsevier – verdienen ihr Geld damit, dass sie die Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern sammeln, sie von anderen Wissenschaftlern überprüfen lassen und danach in Fachzeitschriften veröffentlichen.“2 Das Problem dabei ist, dass die Publikationen im Umkehrschluss sowohl den universitären Bibliotheken, als auch letztlich die Studierenden viel Geld kosten. Ein Grund dafür, dass zunehmend die Universitäten selbst darauf drängen, dass andere Publikationswege beschritten werden.

I love open access. Bild: Fibonacci. CC 3.0 (BY-SA).  https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CC%2BOA.svg

„I love Creative Commons and Open Access“. Das kann ich sicher mit voller Überzeugung sagen. Open Access ist die konsequente Weiterentwicklung im Bereich der Open Source Welt. Und natürlich der Creative Commons Bedingungen. Und die „Open University“ Coursera ist eines der stärksten Beispiele dafür, dass das Konzept funktionieren kann.
Bild: Fibonacci – Creative Commons. Wikimedia CC 3.0 (BY-SA).

Open Access im Bereich des Zugangs zu Wissen

Einer dieser Wege ist die Publikation über Open Access. Das für mich charmante und zutiefst aufregende ist hierbei wiederum der kostenlose, quasi gemeinfreie Zugang zu Wissen. Denn diese Initiative reiht sich ein in die schon sehr erfolgreichen Projekte der Creative Commons Lizenzierungen und, damit stark verbunden, den Wikimedia Commons bzw. der Wikipedia selbst. Trotz der enormen Vorteile, die eine Online-Zeitschrift unter Open-Access-Lizenz für Forschung und Lehre bietet, dürfte es kein Selbstläufer werden. Zu eng verbunden ist mit dem klassischen Geschäftsmodell die Frage nach der Reputation der jungen Wissenschaftler /-innen. Der Impact-Faktor, der hierfür zentral ist, „misst, wie oft ein Text zitiert wurde, und gilt in der Forschungswelt als wichtige Visitenkarte“. Doch nicht nur das. Für die Universitäten und ihre Forscherteams ist dies Art von Publikation zunächst teurer, da für die Verlage keine Einnahmen aus einem späteren Verkauf entstehen. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass sich diese Art von Publikation durchsetzen wird und zumindest gleichberechtigt neben dem klassischen Modell bestehen wird. Und damit doch zu einem Wissenszugang für alle führt. Wirklich – Schön wärs!

Nachtrag vom 01.11.2014 – Open Access im Bereich von Bildung

Ich habe die „neuentdeckten“ TED-Talks, speziell den von Melissa Fleming zum Anlass genommen, den alten Beitrag etwas zu überarbeiten. Unter anderem auch mit dem Eingangszitat, dem kompletten Nachtrag und einem Bild. „Leider haben die meisten Menschen auf der Welt nicht so viel Glück. In einigen Teilen der Welt, z. B. in Südafrika, ist Bildung nur schwer zugänglich.“3 Hier ein TED Talk von Melissa Fleming dazu, der eindringlich auf die enormen Möglichkeiten hinweist, (kostenlose) Bildung auch als Perspektive für Menschen zu sehen und sie deshalb besonders für Flüchtlinge anzubieten (CC 3.0 – BY-NC-SA).

Über Coursera ((Hier der Link direkt auf Coursera.)) wird es vom selbstgesetzten Ziel her möglich, einen (fast) kostenlosen Zugang zur Bildung zu bekommen. Wobei dies wiederum voraussetzt, über die entsprechende Technologie zu verfügen. Insofern ist es weiterhin nicht kostenlos und schon lange nicht für alle zu haben. Aber von der Idee her weist es auf die Möglichkeiten hin und natürlich kann ein solches Angebot nicht alle gesellschaftlichen oder gar globalen Ungleichheiten beseitigen. Hier besteht eher die Notwendigkeit der einzelnen Staaten, eine möglichst preisgünstige Infrastruktur für alle Menschen bereit zu stellen, um sie beispielsweise daran partizipieren zu lassen. Dennoch ist eine wahnsinnig tolle Sache, wie ich finde. Deshalb stimme ich auch voll und ganz dem Zitat von Daphne Koller zu, dass große Durchbrüche dann stattfinden,wenn das plötzlich Mögliche auf das verzweifelt Benötigte trifft.“4 Und schließlich auch der Aussage, dass diese Form der Organisation von Bildung dabei helfen wird, gesellschaftliche Innovationen zu befördern.

  1. Das Zitat entstammt dem oben genannten Aufsatz von Carsten Janke. []
  2. Dieses Geschäftsmodell hatte möglicherweise seine Berechtigung in den Zeiten, als der Druck bzw. die Publikationsmöglichkeiten technisch auf die Herstellung von Büchern und/oder Zeitschriften beschränkt war. Es war eben eine jener Möglichkeiten, wie die Gesellschaft das Problem, Wissen zu verbreiten, zu dieser Zeit gelöst hat. []
  3. Das Zitat entstammt dem deutschen Transkript des TED Talks von Daphne Koller hier bei ca. Minute 00:30. []
  4. Im interaktiven Transkript bei ca. Minute 02:00. []
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