#AufgeMOOCt (MOOCs 3)

„Ich bin jetzt erstmal auf die Beiträge zur Woche und auf die Diskussion hier und auf der MOOC-Plattform gespannt. Dann werden wir auch sehen, wie es läuft und an welchen Stellen und zu welchen Themen Redebedarf besteht. Außerdem dürfen wir den Zeitfaktor nicht außer Acht lassen“ (Agnes Wiegand).

Für mich hat sich einer der seltenen Fälle ergeben, indem ich meine Tätigkeit als Lehrbeauftragter nicht nur mit meiner beruflichen Profession als Social Learning Consultant zusammenbringen kann, sondern darüber hinaus die Möglichkeit habe, mit einem Blended-Learning Seminar an der Hochschule München an einem realen „Experiment“ teilzunehmen. Ganz einfach deshalb, weil sich die Zeiträume des digitalen Kurses sehr gut mit denen des Corporate Learning MOOCs gedeckt haben. Als mir diese Möglichkeit bewusst wurde, habe ich die Studierenden dieses Kurses darüber abstimmen lassen, ob sie gerne daran teilnehmen würden. Als Alternative stand an, den MOOC aus dem Jahr 2015 zu analysieren und herauszuarbeiten, wie digitale Bildung heute funktionieren könnte. Die Abstimmung war sehr eindeutig im Sinne einer Live-Teilnahme am MOOC 2017 im Rahmen des MOOCathons 2025. Dem Vorschlag der Corporate Learning Allianz folgend haben wir auch sehr schnell eine Lerngruppe mit dem bezeichnenden Namen #AufgeMOOCt gebildet. Auch bei unserer Lerngruppe handelt es sich um „Learning Professionals“, allerdings nicht aus dem Bereich der entsprechenden Abteilungen in großen Unternehmen, sondern zu allermeist und zu allererst aus dem Bereich der sozialen Arbeit.1

Dieser Blogbeitrag ist unserer ersten gemeinsamen Reflexion auf die Eröffnungswoche, die von der Firma Merck gestaltet wurde und sich für uns zunächst generell als Modell für die Organisation dieses MOOCs dargestellt hat, gewidmet.2 Die von mir verwendeten Zitate stammen aus der gemeinsamen Reflexion auf diese erste Woche, wobei meinerseits auch die Vorbereitungswoche mit eingeflossen ist. Insgesamt gesehen stellt dieser erste Blogbeitrag von uns eine Betrachtung des MOOCs auf einer Metaebene dar, weil er sich damit auseinandersetzt, wie der MOOC aufgebaut ist, das Lernen darüber organisiert wird und schließlich, welche Erfahrungen ich (für diesen Blogbeitrag) im einzelnen damit gemacht habe. Als Impuls dient der Beitrag möglicherweise – oder sogar hoffentlich – der Weiterentwicklung des Gesamtkonzepts.

Zugleich eröffnet dieser Eintrag die Reihe von Blogbeiträgen der Studierenden der Lerngruppe #AufgeMOOCt, die wir auf einer WordPress.com Seite öffentlich zur Verfügung stellen. Die URL lehnt sich an den Namen unserer Lerngruppe an. Hier ist die Seite zu finden: https://aufgemooct.wordpress.com/ Daneben, bzw. eher damit (mit den Blogbeiträgen) verfolgen die Studierenden, ebenfalls wie empfohlen, ihre individuellen Lernziele, die mit dem Verfassen Ihres Leistungsnachweises verbunden sind bzw. höchstwahrscheinlich dort einfließen werden. Wir verfolgen den Corporate Learning MOOC gewissermaßen im Rahmen eines forschenden Lernens oder auch als lernende Forscher. Das soll durchaus auch und im besten Wortsinne kritische Anmerkungen ermöglichen.

Im Corporate Learning MOOC werden auch viele „fancy“ klingende Begriffe verwendet. Bei den wenigsten handelt es sich um echte Neuerungen. Interessant ist daran allerdings, wie beispielsweise die dahinter stehende Konzepte durch digitale Technologien nicht nur zum Lernen anregen, sondern wie das auch sprachlich transportiert wird. Bei all den Begriffen, die immer auch eingrenzend wirken, bleibt zu sagen: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“3
Bild (auch Beitragsbild): geralt – education 1580143 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingunge der Creative Commons (CC0), also als gemeinfreie Datei.

Die Sprachspiele des MOOCs

„Was die Inhalte betrifft, die während der Merck-Woche behandelt wurden, ist mir vor allem aufgefallen, dass die Beiträge und Inhalte viele Begriffe aus dem Fachjargon der Bereiche HR und L&D beinhalten. Für mich war es daher teilweise nicht so einfach, nachzuvollziehen, wovon tatsächlich die Rede ist, wenn die verschiedenen (zugegebenermaßen sehr innovativ und fancy klingenden) Weiterbildungsmethoden angesprochen werden“ (Simone Feller).

Der Hinweis von Simone Feller gab mir den Impuls (danke dafür 🙂 ), über die Sprache des MOOCs bzw. dem Sprachgebrauch im Rahmen des MOOCs als „Sprachspiel“4 nachzudenken und daraus eine grundsätzliche Anmerkung zu machen. Natürlich wird über die Zielgruppe bestimmt, in welcher „Sprache“ man sich nicht nur im Rahmen eines MOOCs unterhält.5 Das ermöglicht zum einen eine schnelle Anknüpfungsfähigkeit, birgt aber das Problem, Menschen aus anderen Sprachkontexten den Zugang zumindest zu erschweren.6 Aber das ist nur die eine Seite.

Ich habe durchaus auch schon bei anderen Gelegenheiten erfahren müssen, dass der Sprachgebrauch, beispielsweise von Personalentwickler*innen, der intern und zwischen ihnen bestens funktioniert, für mich zum Teil sehr gewöhnungsbedürftig, bis hin zu unverständlich, ist. Das betrifft vor allem die Adressierung ihrer „Kunden“, nämlich die Beschäftigten, in der Regel vor allem Führungskräfte. Nicht selten hatte ich dabei das Gefühl, es wird gar nicht über Menschen geredet, sondern über irgendwelche „widerspenstige Objekte“, die zwar aus Sicht der jeweiligen Akteure in HR und L&D bestimmte Kompetenzen benötigen, diese aber noch nicht haben und sich allzu oft weigern, sie sich anzueignen.7 Daraus möchte ich ableiten, dass es nicht nur auf die Methoden und Konzepte ankommt, sondern auch darauf, wie und in welcher Sprache man über sie informiert, um daran Interesse zu wecken und vor allem, auf die im Rahmen der digitalen Transformation notwendige Augenhöhe zu kommen. Betrachte ich die angestrebten Veränderungen im Rahmen der Transformation des (digitalen) Lernens über ein entsprechendes psychologisches oder pädagogisches Konzept, so geht es in meinen Augen darum, von einer Defizitanalyse und Defizitorientierung wegzukommen und sich zu einer Wertschätzung von Diversität und einer Orientierung an den Ressourcen und bereits vorhandene Kompetenzen der einzelnen Mitarbeiter*innen hinzubewegen. Dies muss zu den Konzepten, die das berücksichtigen, eben auch entsprechend zusätzlich und vor allem explizit kommuniziert werden. Das macht eigenständige Überlegungen dazu notwendig und kann sich nicht darauf reduzieren (lassen), aufzugreifen, was gerade an Begriffen hipp ist und deshalb angeboten wird oder als Begriff auch nur ansprechend scheint.

Aufgefallen ist mir persönlich weiter, dass beispielsweise auch im Rahmen dieses MOOCs, speziell jedoch in der Eröffnungswoche, noch allzu oft ausschließlich die männliche Form als „Teilnehmer“ im Diskurs vorkommt. Beispiel gefällig? „Unsere Mitarbeiter werden darin bestärkt, stetig offen für die Sichtweisen anderer zu sein […]“ (Aus dem Blogpost zum Merck Kompetenzmodell).8 Sprache ist das elementare Instrument und Werkzeug von Menschen, auch und gerade beim (sozialen) Lernen. Deshalb ergeben auch die Sprachspiele einen untrennbaren Zusammenhang zwischen dem Reden (oder auch Schreiben) und dem lernenden Handeln. Entgegen vielfältiger Beteuerungen und Vereinfachungsbekundungen sind Frauen jedenfalls sprachlich nicht mitgemeint, wenn man nur immer im Maskulinum formuliert. Will man Frauen dazu befähigen, sich hier verstärkt einzubringen, dann muss man sie auch sprachlich (anders) adressieren. „Welche innovativen Lernkonzepte werden bei euch angewendet und wie werden diese von den Mitarbeitern angenommen?“ Letztlich drückt sich auch über die Art der Fragestellung im MOOC mittelbar aus, welche Überzeugung dahinter steckt und was adressiert wird.9 Eine ganz andere Dimension stellt für uns schließlich die Frage danach dar, wie über digitales Lernen Inklusion gelingen kann. Wie adressiert man beispielsweise Menschen mit Lernschwierigkeiten, die es auch in Unternehmen gibt?10 Denn Lernschwierigkeiten zu haben bedeutet ja nicht zwingend mangelnde Intelligenz oder fehlende Innovativität. Oft genug benötigt Inklusion nur andere Rahmenbedingungen. In meinen Augen sind die digitalen Medien ganz besonders gut geeignet, Inklusion zu befördern. Aber auch Inklusion muss sprachlich adressiert werden. Oder sie kommt, wie in dieser Einführungswoche, einfach nicht vor.

Der virtuelle Raum des MOOCs

„Ich könnte mir vorstellen, dass eine optische Gestaltung der Themenwelten in Form einer Art Campus bei der Navigation sehr hilfreich sein könnte. Da der Mensch ohne die Bezugsgrößen Raum und Zeit keinerlei Orientierung findet, wäre es meiner Meinung nach förderlich, eine solche Lernplattform optisch an reale, der menschlichen Wahrnehmung bekannte, Raumkonstruktionen anzupassen“ (Mike Voigt).

Im Gegensatz zum Corporate Learning 2.0 MOOC (2015), bei dem die Plattform mooin (Massive Open Online International Network)11 als zentraler „Treffpunkt“ zum Einsatz kam, wurde bei diesem MOOC auf eine gemeinsame Lernplattform verzichtet.12 In der Begründung durchaus einsichtig, weil sich ein konnektivistischer MOOC ergeben sollte, gestützt auf vielfältige Möglichkeiten, sich im Rahmen von Lerngruppen zu vernetzen und über unterschiedliche Plattformen zu diskutieren. Vereinzelt wurde auch im Rahmen der Vorbereitung die Annahme geäußert, digitale Bildung der Zukunft könne möglicherweise ohne jede räumliche (überall) und zeitliche Begrenzungen (jederzeit) auskommen. Ich finde dieses Experiment sehr mutig und bin gespannt, zu welchen Erkenntnissen die Corporate Learning Allianz am Ende dieses MOOCs kommen wird. Ich persönlich glaube aber nicht, dass ein Kurs ohne eine zeitliche Begrenzung und ohne eine räumliche Zuordnung funktioniert, ganz einfach deshalb, weil wir Menschen raumzeitliche Wesen sind, die elementar auf diese beiden (oder eigentlich vier) Dimensionen auch beim Denken und Lernen verwiesen sind. Zumindest solange begrifflich die Worte Kurs, Seminar oder auch Training darin stecken, wird es auch eine Gestaltung des Raumes geben (müssen). Daran hat mich die Anmerkung von Mike Voigt erinnert, die er sehr gelungen in seinem eigenen Blogbeitrag hier weiter ausführt.

In meiner eigenen Gestaltung von Lernarrangements (vor allem als Blended-Learning Einheiten) ist mir deshalb wichtig, auf den virtuellen Raum zu verweisen und die Analogien zum realen Raum herzustellen.13 Einen Raum, den man, beispielsweise auf Moodle, durchaus einrichten kann (und auch muss), damit er eine entsprechende Orientierung für die sich darin Befindlichen geben kann. Auch virtuelle Räume können einladend sein oder aber nicht ansprechend genug für diejenigen, die sich darin aufhalten und lernen sollen. Im Prinzip habe ich mit der Übertragung des Prinzips Stuhlkreis auf digitale Lernplattformen versucht auszubuchstabieren, was das bedeuten kann und vielleicht auch bedeuten muss. Gut mittragen kann ich am Konzept des diesjährigen MOOCs in jedem Fall die Organisation über Lerngruppen auf unterschiedlichen Plattformen. Wenn ich sie mit mehrere Tage dauernde analogen Seminaren vergleiche, dann wären das die Arbeitsgruppen, die idealerweise eigene Räumlichkeiten zur Verfügung haben, während das Plenum als Gesamtraum dem Kurs insgesamt zur Verfügung steht. Das Plenum als Gesamtraum jedoch vermisse ich im diesjährigen digitalen Setting nicht nur, ich deute auch die Situation, dass die inhaltlichen Diskussionen relativ ausschließlich über die Plattform der Corporate Learning Community und Disqus verlaufen als ein Indiz dafür, dass ein solcher gemeinsamer Raum für virtuelle Kurse insgesamt und selbst für offene MOOCs wichtig ist.14 Hierzu werden wir sicher gemeinsam am Ende des Kurses schlauer sein.

Zeit, Partizipation und Diskussion

„Für mich stellten sich hier die Fragen: – Wird das Lernen weiter instrumentalisiert, um möglichst mehr Gewinn und Wachstum zu erzeugen? – Warum muss Weiterbildung einer marktilen Logik folgen? – Was passiert mit Menschen bei Merck, die nicht mehr das komplette Potential ihrer Leistungsfähigkeit abrufen können? Sei es vorübergehend oder dauerhaft?“ (Eva Maria Elisabeth von Peter).

Da wir schon einmal bei Menschen als raumzeitlichen Wesen sind: auch das Thema Zeit verdient es, noch einmal gesondert beachtet zu werden, insbesondere im Rahmen dieses MOOCs. Mir geht es so, dass mir derzeit der Kopf vor den vielen wichtigen Informationen schwirrt. Gerade weil es in der Eröffnungswoche unglaublich viele fruchtbare Impulse gab und gibt. Zeit also, in den Lerngruppen darüber zu reflektieren. Das ist zunächst äußerst hilfreich und im Sinne der Anlage des MOOCs. So haben wir es auch für die erste Lernwoche organisiert. Als Lehrbeauftragter ist mir aber in meinen eigenen Kursen zusätzlich ein weiterer Aspekt wichtig: die Rückbindung der Einzeldiskussionen und individuellen Informationen an das Gesamtthema. Auf den MOOC übertragen heißt das, noch einmal speziell die Überlegungen der Firma Merck zu Kompetenzen, Kollaboration und Innovationen, aber auch Sinn- und Ergebnisorientierung sowie des Lernens im Unternehmenskontext insgesamt zu thematisieren. Zum einen als konkretes Feedback auf Fragestellungen, zum anderen aber auch als gemeinsame Lernmöglichkeit im Kurs. Ermöglicht wird diese Rückbindung im Rahmen dieses MOOCs über schon erwähnte Diskussionsmöglichkeiten im Rahmen vieler Netzwerke, konkret jedoch auf der Plattform der Corporate Learning Allianz über Disqus.

Hier habe ich die Aufzeichnung der Eröffnungssession der ersten Themenwoche eingebunden. Betrachtet man das Gesamtsetting, also die Vorstellung der Themen über die virtuelle Sitzung mit anschließender Möglichkeit zu speziellen Themen daraus sowohl in Lerngruppen, als auch im Plenum (über Disqus) zu diskutieren, so unterscheidet es sich noch nicht so wahnsinnig von einem klassischen MOOC Design, das selbst wiederum auf die Skalierung von Vorlesungen zurückgeht. Das gilt selbst dann, wenn in den einzelnen Sessions nicht klassisch vorgelesen wird.

Als erstes fällt mir an mir persönlich auf: dieser Informationsinput gleicht einem „Information Overflow“. In jedem Fall ereignet er sich in einer wahnsinnig schnellen Abfolge, gekoppelt mit der Erwartung, dazu auch fundiert – und zwar schnell – etwas sagen zu können, damit die Inputgeber eben auch ein Feedback erhalten. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich erst mit zwei bis drei Wochen Verzögerung und dem Anliegen, im Rahmen unserer Lerngruppe etwas Fundiertes zu sagen, zu einer echten Antwort auf einen Aspekt komme (siehe dazu speziell die Ausführungen des nächsten Punktes).

Zu diesem „Informationsdesign“ fallen mir auf der Metaebene zwei Aspekte ein, die es wert wären, weiter darüber nachzudenken:

  1. Die Reflexion im Sinne des Verarbeitens von Informationen und einem damit einhergehenden Wissensaufbau braucht erst einmal Zeit.15 Zeit, die für mich auch im Rahmen des gesamten Kurses zur Verfügung gestellt werden muss, soll der Diskurs dazu zu einer gemeinsamen Ressource werden. Alleine durch den Ablauf, jeden Tag zu einem anderen Thema etwas sagen zu können (weil es ja freiwillig ist), ist diese gemeinsame Zeit eigentlich gar nicht vorhanden. Und die nächste Woche geht genauso weiter – im Prinzip acht Wochen lang, wobei zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Überlegungen bereits drei Wochen vergangen sind. Möglicherweise wäre eine wichtige Weiterentwicklung die, stärker auf zeitliche Freiräume und Reflexionspausen für den Gesamtkurs zu achten.
  2. Digitales und virtuelles Lernen muss sich bezüglich der Aufmerksamkeitsleistung und Aufmerksamkeitssteuerung mit den alltäglichen Anforderungen messen. Alleine die Möglichkeit, dass ich später Aufzeichnungen anschauen oder auch zu späterer Zeit in die Diskussion einsteigen kann erlaubt es noch nicht automatisch, den einzelnen Inhalten (hinter den Impulsen) zielgerichtet zu folgen. Genausowenig ist es ein Anzeichen dafür, die bisherige Präsenzvorstellung von Lehre zu transformieren.16 Auch hier wäre die Frage, inwiefern nicht die Impulse zeitlich entzerrt fruchtbare bzw. vor allem vermehrte Diskussionen – und damit eine echte Partizipation – zur Folge hätte.17

Ich habe gerade bezüglich des letzten Aspektes, also der Aufmerksamkeitsleistung, einmal auf Disqus nachgeschaut und folgendes herausgefunden:

Hinzu kommen jeweils die entsprechenden Antworten, also Kommentare auf die Kommentare. Einige der Kommentare sind dabei zunächst einmal Fragen, auf die es dann entsprechende Antworten gibt.

Zumindest ist zu sehen, dass sich an den Tagen, an denen zwei Themen zur Diskussion standen, die Anzahl der Gesamtteilnehmer*innen schlichtweg aufteilt, es also zumindest nicht mehr werden (oder geworden sind). Insgesamt kommt es nach dem anfänglichen Schwung zum Wochenanfang aber auch zu einem kontinuierlichen Rückgang an Beteiligung. Und die spannende Frage für mich ist, ob dies quasi „naturgegeben“ (in einem MOOC) so ist, oder durch ein entsprechendes didaktisches Arrangement eine deutlich bessere Partizipation der Teilnehmer*innen jenseits der Lerngruppen machbar scheint. Das wäre jedenfalls ein Ziel, das ich im Rahmen der Diskussion um digitale Bildung immer an vorderster Stelle wahrgenommen habe, weil sich ansonsten am typischen Aufbau von Vortragenden und Nachfragenden gar nicht so schrecklich viel, vor allem nichts grundsätzliches, verändert hat. Der Rest auf knapp 1000 Teilnehmer*innen, also etwa 95 % (ausgehend von 50 Kommentaren = 50 TN), meldete sich an dieser Stelle!18 jedenfalls nicht zu Wort.19

Lernhappen & Learning Bites oder: Ist wirklich alles Zukunft, was kurz ist?

„Unter Lernen versteht man den absichtlichen (intentionales Lernen) und den beiläufigen (inzidentelles und implizites Lernen) Erwerb von neuen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Der Lernzuwachs kann sich auf geistigem, körperlichem, charakterlichem oder sozialem Gebiet ereignen“.20

Hier komme ich nun endlich dazu, etwas Inhaltliches zur Fragestellung der Akteure bei Merck zu sagen.21 Ich knüpfe an die Frage an, die von ihnen am Donnerstag in der Rubrik „Ergebnisorientiert“ gestellt wurde: „Werden Learning Bites unser täglich Brot?“ Interessanterweise und wahrscheinlich nicht zufällig schlägt die Frage nach den Lernhappen oder Wissenssnacks (es gibt ganz unterschiedliche Bezeichnungen für diesen Aspekt)22 im Bereich der Frage der Ergebnisorientierung bei Merck auf. Verbunden mit der Frage, ob in Zukunft nur noch Avatare online lernen und sich letztlich die Frage stellt, inwiefern es den Weiterbildungsbereich im Jahr 2025 insgesamt noch gibt. Die Diskussion dazu finde ich sehr spannend, sie wurde aber zunächst durchaus maßgeblich auch aus dem Kreis der Corporate Learning Allianz gespeist. Zwei wichtige Stränge dabei waren die, inwiefern der Inhalt der betrieblichen Weiterbildungsveranstaltungen intern generiert werden muss, kann oder soll (oder ob es nicht viel wichtiger ist, eine entsprechende Vernetzung und Kultur des Teilens von Inhalten zu etablieren) und natürlich, welches Portfolio gegebenenfalls die interne Weiterbildungsabteilung entwickeln und anbieten muss. Dazwischen aber blitzte etwas auf, was mich in der ganzen Diskussion, so wie ich sie bisher verfolgt habe, immer wieder – und erst recht hier – deutlich irritiert:

  • „Lernschnittchen werden dann attraktiv, wenn andere diese auch erkennen und wertschätzen. Ich bin überzeugt, dass wir kontinuierlich lernen […] Wird Zeit dass wir wieder die #Leichtigkeit des Lernens #OnTheGo entdecken“ (Harald Schirmer)
  • „Fragt bei den Unternehmen nach, so findet man neben der #Leichtigkeit des Lernens auch Argumente, die mit kleiner werdenden Budgets und kurzen Produktionszeiten zu tun haben“ (Joachim Niemeier).

Die Seichtigkeit des Seins?

Lernen im Vorübergehen, die Leichtigkeit des Lernens von möglichst kleinen Happen und das alles möglichst noch alleine, auf individuellen Lernpfaden und unter dem Stichwort Selbstorganisation.23 Das täuscht eine Leichtigkeit vor, die zumindest nicht immer gegeben sein dürfte. Hier schließt sich für mich auch der Kreis zu den Sprachspielen, und das nicht nur im Rahmen dieses MOOCs. Bereits aus den vorliegenden Antworten bzw. der Diskussionsfäden ergibt sich, dass es nicht nur ein unterschiedliches Zielpublikum gibt, sondern möglicherweise auch unterschiedliche Arten von Wissen und Lernen. Natürlich stimmt es irgendwie, dass Menschen permanent lernen. Die Möglichkeit des lebenslangen Lernens ist sogar eine anthropologische Grundkonstante, die in ihrer Bedeutung gar nicht ernst genug genommen werden kann. Gerade deshalb geht mir allerdings hier der Diskurs viel zu schnell vonstatten und bleibt manchmal recht oberflächlich und seicht, weil es eben für bestimmte Wissensarten sicher nicht stimmt, dass es im Vorübergehen oder auch in Form von Lernhappen zu erwerben ist.24 Was in meinen Augen besonders für die Kompetenzbildung im Sinne von Verhaltensänderungen gilt, das gemeinhin als Indiz für Lernen gilt. Und höchstwahrscheinlich noch mehr für den Unternehmenskontext zutrifft, wenn mit einer Veränderung durch das Lernen auch eine Veränderung von Strukturen und Prozessen (Change) intendiert ist. Schließlich voll und ganz für die Inhalte gilt, die kollaboratives oder mutuales Wissen darstellen, weil sie erst gemeinsam entstehen, kollektiv gültig sind und gemeinsam im Austausch und kritischen Feedback gelernt werden. Was für mich wiederum die Frage nach sich zieht, inwiefern nicht auch über ein MOOC Design inhaltliche Auseinandersetzungen und echte Diskurse mit einem nachhaltigen gemeinsamen Lernergebnis möglich sind.

Ununterscheidbarkeit?

Allzu leicht und sehr schnell geraten bei diesem Sprachspiel der Lernhappen und Wissensbits begriffliche und inhaltliche Unterscheidungen durcheinander. So wird beispielsweise recht zügig das Lesen von Informationen, oder Anschauen eines Videos, mit Lernen oder gar dem Aufbau von Wissen gleichgesetzt, obwohl dies schon rein physiologisch nicht zusammenfällt. Es fällt vor allem nicht instantan zusammen, was meint, dass nicht alleine schon deshalb, weil etwas gelesen wurde, zum gleichen Zeitpunkt das Wissen vorhanden ist. Das Verarbeiten von Informationen und Lernen von Wissen stellt einen eigenen Prozess dar, der sich nicht nur bezüglich der Individuen unterscheiden kann, sondern insbesondere vor dem Hintergrund unterschiedlicher Wissensarten und Kompetenzen deutlich unterschiedlich darstellt. Im Regelfall kann man sagen, dass erst eine Reflexion auf die Information und kritische Auseinandersetzung, beispielsweise mit anderen Perspektiven darauf, zu einer nachhaltigen Wissensbildung beiträgt.25 Genauso wie es dem Spiegel der anderen Lerner*innen bedarf, um zu einer Kompetenzbildung zu kommen. Beides aber braucht Zeit und oft genug auch Zeit, die erst nach der Informationsaufnahme (oder nach einem Kurs) zur Verfügung steht. Schließlich gilt, dass diese Prozesse von Personen, die hierin Erfahrung haben, positiv angeleitet und begleitet werden können und man die Lerner*innen damit eben nicht alleine lässt.26 Womit sich für mich auch hier der Kreis im Rahmen dieses Beitrags schließt, denn für mich ist es durchaus optimierungsfähig, die dazu notwendigen längeren, intensiveren und vor allem kollaborativen Lernphasen, gekoppelt an individuelle Reflexionszeiten, im Rahmen eines Corporate Learning MOOCs zur Verfügung zu stellen und gemeinsam zu gestalten. Hierzu wären in meinen Augen die sozialen digitalen Medien eigentlich ganz besonders gut geeignet. Vielleicht fällt uns hier am Ende des MOOCs etwas Weiterführendes ein.

Eine Einladung zum sozialen Lernen

„Lernbereitschaft – was macht Lust auf Lernen? Und wie kann dies in die Lerneinheiten transportiert werden?“27

Wenn man so will, dann kann der Lernhappen oder das Learning-Bit die Einladung dazu sein, mehr (Wissen) daraus zu machen. Dieses Mehr daraus machen zu können als Lerneinladung aber muss – und soll auch – tatsächlich organisiert werden, zumindest im Rahmen eines Kursgeschehens. Diese Veränderung hin zur Einladung, die neugierig macht und als Veränderung vor allem die Strukturen und Prozesse der Lernorganisation in Unternehmen betrifft, stellt für mich die eigentliche Herausforderung dar. Besonders betroffen davon ist vor allem eine geänderte Rolle derjenigen, die das Ganze organisieren und dazu in einen realen oder virtuellen Raum einladen.

Eigentlich sehe ich die Zukunft der Learning Professionals, die im Kontext des Sprachspiels des MOOCs ja tatsächlich die Verantwortlichen für die Organisation und Umsetzung der betrieblichen Aus- und Fortbildung (wie auch immer die Abteilungen im Einzelnen heißen) bezeichnet, im Moment wenigstens nicht die Adressaten, also die Lerner*innen, meint, tatsächlich sehr rosig. Zumindest dann, wenn sie in ihrer Einladung die vielfachen empirischen Erkenntnisse, die es zum Thema Lernen gibt, zur Kenntnis nehmen und im Sinne einer „digitalen Mathetik“ umsetzen. Und dabei tatsächlich soziales Lernen auf der Kursebene (im Unterschied zur reinen Organisation von Lerngruppen) praktizieren, weil die organisationalen Prozesse sozial kollaborativ organisiert werden. Was schließlich auch bedeutet, nicht nur sprachlich, sondern auch real und virtuell als Peer und auf Augenhöhe am gemeinsamen Lernprozess – und dessen Ergebnis – beteiligt zu sein. Das zumindest klappt im Rahmen dieses MOOCs schon mal wunderbar.

Nachtrag am 07.06.2017

„Der typische Lernende [im Rahmen eines MOOCs] ist 
über 35 Jahre alt, ist berufstätig und hat einen akademischen Abschluss.“28

Am Ende hätte ich es dann doch fast vergessen, auf die Folien von Martin Ebner zu verweisen. Ich habe zwar den Hinweis auf die Empirie und überhaupt pädagogische und didaktische Erkenntniss angebracht, aber es gibt m. E. durchaus auch schon konkrete und auf MOOCs bezogene Ergebnisse. Die Ergebnisse sind zwar auf MOOCs im Bereich der MINT Fächer an der TU Graz bezogen, aber ich glaube dennoch, dass ein paar Erkenntnisse daraus verallgemeinerbar sind. Beispielsweise das Ergebnis, das im Eingangszitat verdeutlicht wird. Ich möchte mich auch seinen Schlussfolgerungen anschließen, die da lauten:

„(M)OOCs sind kein Trend oder Hype,
 sie sind die konsequente und logische
 Weiterentwicklung von Lehre und helfen Bildungsinhalte zugänglich zu machen.“29

Allerdings würde ich auch hier anschließen, dass die Zukunft möglicherweise in einer digitalen Mathetik liegt, also dem Fokus auf den Lerner*innen, ihren Anforderungen an die Prozesse und Strukturen sowie ihren Lern(um)wegen im Rahmen von MOOCs.

  1. Konkret handelt es sich um Studierende im Masterstudiengang „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ an der Fakultät 11 der Hochschule München. []
  2. Insofern kann es sein, dass die darauffolgenden Wochen einen Teil der angesprochenen Aspekte bereits relativieren oder auch in neuem Licht erscheinen lassen. []
  3. Ludwig Wittgenstein, Satz 5.6, zitiert nach Wikiqoute. []
  4. Unter Sprachspielen versteht Ludwig Wittgenstein die ganz enge Koppelung von Sprache an Handlungen. „Ich werde auch das Ganze: der Sprache und der Tätigkeiten, mit denen sie verwoben ist, das ‚Sprachspiel‘ nennen.“ Wittgenstein, zitiert nach Wikipedia: Sprachspiel. []
  5. Das fängt in den Unternehmen selbstverständlich schon mit der Frage an, welche „Nationalsprache“ angewendet wird. Gemeint ist im Rahmen dieser Anmerkung jedoch vor allem das, was sich an sprachliche Differenzierung in Subkulturen ausmachen lässt. []
  6. „Das hat meinen ersten Eindruck bestärkt, dass sich zumindest unter den aktiven Teilnehmenden des MOOCs vor allem Personalspezialisten aus Großkonzernen befinden, die verständlicherweise deutlich besser in die Materie eingearbeitet sind als das bei mir der Fall ist“ (Simone Feller). []
  7. In diesem Falle bin ich, ausgebildet in der Methode der kollegialen Fallberatung, durchaus der Meinung, dass die meisten Beschäftigten hier aus nachvollziehbaren Gründen, also rational, handeln. Es wäre allemal eine spannende Aufgabe, diese Gründe herauszufinden und zu überlegen, was das für entsprechende Lernarrangements bedeutet. []
  8. Besonders deutlich zeigt sich das meines Erachtens in den Diskussionsfäden. Auch hier ein Beispiel: „Ich würde in Betracht ziehen regelmässig die Kunden also den Lerner zu besuchen […]„; Ganz beliebt: „Die Führungskräfte“, gefolgt von „die Mitarbeiter“ oder „die Kollegen“. []
  9. Vgl. hierzu den äußerst lesenswerten Blogbeitrag von Mike Voigt hier. []
  10. Vielen Dank für diesen Hinweis an Frau von Peter und Frau Imke Rautmann. []
  11. „mooin ist die offene Lernplattform der Fachhochschule Lübeck und ihrer Tochter oncampus.“ []
  12. Hier habe ich meine Analyse, ebenfalls als Teilnehmer, zum damaligen MOOC vollzogen. []
  13. Siehe hierzu vor allem die beiden Blogbeiträge hier und hier. []
  14. Ich gebe gerne zu, dass ich mich auch täuschen kann insofern, als ich die Diskussionen auf LinkedIn beispielsweise einfach nicht finde. Mir scheint aber, dass hier keine Diskussion zumindest des gesamten Kurses, also abgesehen von Lerngruppen, stattfindet. Ähnlich deute ich das, was in Google+ läuft, weil sich hier eigentlich nur verschiedene Links und Hinweise finden, nicht jedoch Diskussionsfäden. []
  15. Das ist mindestens eine der Erkenntnisse, die man auch Neurowissenschaftler gut über die Veränderung der synaptischen Verbindungen erklären und vor allem erhärten kann. []
  16. Im Prinzip kann man daran gut beobachten, wie pfadabhängig auch diese Entwicklung verläuft. Die ganze Entstehungsgeschichte von MOOCs war ja zunächst der Überlegung geschuldet, wie man Lehre im Sinne von Vorlesungen einfach und schnell skalieren kann, um sie für eine große Anzahl von Studierenden verfügbar zu machen. Mittlerweile gibt es erste empirische Erkenntnisse dazu, dass dies in der klassischen Form nicht funktioniert. []
  17. Vielleicht ist es aber auch nur eine Frage dessen, die entsprechende Kompetenz zu entwickeln, in dieser Vielfalt und Vielfältigkeit gezielt einzelne Aspekte heraus zu picken und den Rest zu vergessen. []
  18. Vielleicht auch hier ein Hinweis auf den Raumbezug? Empirisch ist diese geringe Beteiligung keineswegs einzigartig. Im Gegenteil: die Drop-Out Quote in MOOCs ist normalerweise ziemlich groß. []
  19. Zum Vergleich: die erste Woche bzw. Auftaktwoche des Corporate Learning MOOCs 2.0 2015 gestaltete die Deutsche Bundesbahn. Über die Plattform mooin wurden im Rahmen eines Forums am Leitfragen und Thesen vorgestellt, die zu diskutieren waren. die These drei These 3 „Trainer und Dozenten entwickeln sich zu Lernbegleitern“ erhielt hier immerhin 132 Antworten. Die Beteiligung scheint hier also insgesamt höher gewesen zu sein. Das kann auch am Aufbau liegen bzw. daran, dass in diesem Kurs tatsächlich auf anderen Plattformen parallel Diskussionen dazu liefern []
  20. Wikipedia: Lernen []
  21. Namentlich: Thomas Koppe, Kristina Muth, Laura Cezanne, Maria Krauskopf, Sonja Malter & Theresa Philipp. []
  22. in der Fachliteratur werden sie dann als „‚Microlearning‘ (2007), ‚Micro-Blogging for Learning‘ (2009), ‚Rapid Learning‘ (2012) oder ‚Bite Sized Learning‘ (2015)“ bezeichnet. []
  23. Dieser Zusammenhang bzw. die Diskussion dazu ist mir bereits während des Besuchs der Lerntag im Januar negativ aufgefallen. Ich habe mich hierzu im Rahmen unseres Corporate Blogs auseinandergesetzt. []
  24. Spätestens hier fände ich manchmal eine Rückkoppelung an empirische oder auch sonstige wissenschaftliche Ergebnisse und zum Teil uralte pädagogische Erkenntnisse ziemlich hilfreich. []
  25. Konkret an einem Beispiel gezeigt: erst die eigene aktive Zusammenfassung eines Textes und im Idealfall Diskussion mit anderen darüber ermöglicht für die meisten Menschen ein nachhaltiges Lernen und Sinnverständnis. []
  26. Es ist mir, mit anderen Worten, überhaupt nicht einsichtig, warum Lernen etwas sein soll, was Menschen nur alleine gerne machen. Es ist doch erst im Miteinander so richtig toll, die Lernerfahrungen auszutauschen und den Fortschritt in der Kompetenzbildung mitzubekommen. []
  27. Eine der Fragen des Merck Teams aus dem Bereich Stärkend. []
  28. Martin Ebner im Rahmen seiner Präsentation bzw. auf Folie Nr. 23 hier über Slideshare verfügbar. []
  29. Folie 38 []
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2 Antworten

  1. Lieber Alexander Klier, besten Dank für diese ausführliche Review und die unzähligen Stichpunkte und Stellen, mit denen man jetzt in eine (erste) Diskussion einsteigen könnte! Aber das will ich uns für das Ende des MOOCs aufheben, deshalb an dieser Stelle nur ein paar Gedanken.

    – Stichwort „Sprachspiele“: Ja, wir haben mindestens den Jargon von HR/ L&D (der sich schon in diesen Kürzeln widerspiegelt), wir haben die EduCommunity („MOOCathon“!), die traditionelle Weiterbildung (die vielleicht nur zufällig mit diesem Kurs in Berührung kommt) und viele Interessierte … Hinzu kommt, dass viele Begrifflichkeiten sehr unterschiedlich gelesen und verwendet werden. Das ist uns (als Veranstalter) bewusst, aber wir können nur einladen, diese unterschiedlichen Sichtweisen anzusprechen und aufzulösen. Zu vermeiden sind sie in einem solchen Kontext wahrscheinlich nicht.

    – Stichwort „virtueller Raum des MOOC“: Unser erster Kurs 2015 hat auf einer Lernplattform (mooin/ Moodle) stattgefunden. Jetzt sind wir auf WordPress und einigen anderen Plattformen. In beiden Fällen gibt es eine zentrale Anlaufstelle für die Kursagenda. In beiden Fällen konzentrieren sich viele Kursaktivitäten auf das Kursforum bzw. die Kommentarfunktion. Was sich aus meiner Sicht vor allem unterscheidet, ist das Signal, dass wir mit dem laufenden #cl2025 aussenden (wollen): Nutzt die verschiedenen Plattformen und Tools (z.B. Twitter), um euch auszutauschen. Sammelt Erfahrungen. Und: Es braucht nicht zwangsläufig eine Lernplattform, um einen Kurs bzw. einen Austausch im Netz zu organisieren.

    Abgesehen davon: Muss es darum gehen, „Analogien zum realen Raum“ herzustellen? Weil Lerner*innen/ wir das erwarten? Oder geht es darum, eine Didaktik zu entwickeln, die den neuen Möglichkeiten des vernetzten Lernens (offline/ online) gerecht wird? Diesen Punkt sollten wir nach Abschluss des Kurses noch einmal aufnehmen …

    – Stichworte „Zeit, Partizipation, Diskussion“: Diese Anmerkungen treffen den großen Punkt vieler Diskussionen, die wir im Vorfeld geführt haben. Wie lange soll/ darf ein solcher Kurs dauern? Wieviele Wochen, wieviel Zeit darf man den Teilnehmer*innen, den Unternehmen, den Gastgeber*innen zumuten? Wenn man jede Woche, jedes Thema noch mit Reflexionsphasen verbinden will, landet man sicher bei einem ganz anderen Kursdesign.

    Weil uns aber diese Reflexion, zu der ja auch das Zusammenführen der vielen Stichworte, Erfahrungen und Ideen gehört, beim letzten Kurs 2015 gefehlt hat, haben wir dieses Mal eingeladen, individuelle Lernziele zu formulieren. Auch die WOL-Wochen können ja eine zusätzliche Ebene bilden, um solche Reflexionsprozesse in Gang zu setzen. Und es gibt im September den Hackathon, wo wir in einer konzertierten Aktion die im MOOC ausgelegten Fäden zusammenführen wollen. Ob uns das gelingt und ob hier eine Antwort auf den wichtigen Punkt „Reflexon“ liegt? Wir werden es sehen …

    – Stichwort „soziales Lernen“: Einige der genannten Punkte sprechen direkt/ indirekt die Frage an, wieweit man Lern- und Austauschprozesse im Rahmen eines solchen offenen Kurses organisieren möchte und wann man „loslässt“ und es den Teilnehmer*innen überlässt, wie sie die Impulse aufgreifen und was sie mit Blick auf ihre Lernziele aus dem MOOC mitnehmen.

    Das für den Moment. Danke noch einmal für diese wunderbare Verbindung von Seminar und MOOC und die vielen wichtigen Anmerkungen und Anregungen zum Kursdesign! Ich freue mich auf eine Fortsetzung und weiteren Austausch!

    Mit besten Grüßen aus Frankfurt
    Jochen Robes

    • Lieber Jochen Robes,

      es ist mir echt eine Ehre, auf Ihren/Deinen Kommentar zu antworten. Und wenn mein Beitrag, der ja in einem gemeinsamen Reflektieren mit der Lerngruppe #AufgeMOOCt entstanden ist, dabei hilft, das Konzept des Corporate Learning MOOCs – oder MOOCathons insgesamt – weiter zu entwickeln, bin ich mir wie glücklich. Auch ich möchte nur ganz kurz auf Deine Anmerkungen reagieren, weil eine inhaltliche Diskussion, so meine ich jedenfalls, besser in anderen (durchaus digitalen) Kontexten stattfinden sollte.

      Die Sprachspiele sind mir deshalb wichtig, weil ich denke, dass sich über sie auch Einstellungen ausdrücken. Wenn ich noch einmal das Beispiel der Formulierung im Maskulinum aufnehme, dann glaube ich tatsächlich daran (und ich meine, es lässt sich auch zeigen), dass es damit sehr viel schwerer ist, Frauen zu adressieren. Oder aber, das wäre der zweite Bezug in diesem Kontext: Wenn ich lernende Subjekte (als Subjekte) adressieren will, sie aber im Sprachspiel nur als Objekte vorkommen, dann läuft höchstwahrscheinlich etwas schief. Mein Bezug war also eigentlich nicht zwischen den einzelnen Experten gemeint (hier funktioniert das Sprachspiel ja relativ gut), sondern in der Adressierung derjenigen, die über die entsprechenden Angebote der unterschiedlichen Abteilungen erreicht werden sollen. Daran schließt sich auch die Wahrnehmung des Sprachspiels zu den Lernhappen an: die entsprechenden Begriffe transportieren zumindest implizit immer bestimmte Vorstellungen. Im Rahmen des MOOCs wiederum gedacht, beispielsweise die Idee, dass Lernen tatsächlich etwas ist, das – und zwar bezogen auf den Begriff ausschließlich – schnell geht, kurz ist und wirklich im vorübergehen machbar scheint. Es setzt die Begriffe Information (aufnehmen) und Lernen (= erworbenes explizierbares Wissen im Sinne von Faktenwissen) gleich und blendet damit andere Facetten von Lernen, aber auch von unterschiedlichen Wissensarten und letztlich der Prozesse, die beim Lernen ebenfalls stattfinden (beispielsweise das Aufbauen von Vertrauen), aus. Zumindest besteht die Gefahr, dass das so passiert und deutlich sehen konnte ich die Konsequenzen im Rahmen der diesjährigen Learntec.

      Eine Didaktik des vernetzten Lernens, oder besser eine digitale Mathetik, zu entwickeln und anzuwenden ist mir enorm wichtig. Aus meiner Sicht gehört hier tatsächlich recht unabdingbar dazu, dass lernende Menschen eben menschliche Wesen sind, die sich in Raum und Zeit orientieren. Das gilt bereits im analogen Kontext (und wird auch hier noch viel zu selten reflektiert), meines Erachtens aber noch sehr viel mehr im virtuellen Raum. Um es mit klassischen pädagogischen Begriffen zu fassen: das jeweilige Raumsetting ermöglicht auf der einen Seite etwas, während es auf der anderen Seite auch Dinge unmöglich macht. Greife ich den Impuls von Karlheinz Pape auf, dann wolltet ihr mit Eurem Design dort sein, wo sich die Teilnehmer*innen des Kurses in der Alltagswelt aufhalten. Das finde ich extrem spannend, allerdings glaube ich auch hier, dass das Konsequenzen für die Möglichkeiten der Gestaltung hat. Sympathisch daran ist mir die Idee, dass es wieder dazu führen könnte, Bildung „auf die Straße zu tragen“ oder, wie Sokrates es gemacht hat, auf dem Marktplatz zu sein und zu argumentieren. Dabei kann man bestimmte Methoden besonders gut verwenden, andere sind eher ungeeignet. Ich fände es hier übrigens extrem weitreichend, es einmal mit der sokratischen Methode der „Mäeutik“ (in diesem Sinne war er wahrscheinlich der erste subjektbezogene Erwachsenenbildner ;-)) zu probieren, gerade auch und im Rahmen eines MOOCs. In jedem Fall aber, und dazu kann man auch einiges an wissenschaftlichen bzw. empirischen Erkenntnissen finden, ist die Raummetapher als menschliches Konstitutivum für mich mehr als nur etwas, was ich will, weil ich es (als Kursleiter) so gewohnt bin. Das wird meiner Wahrnehmung nach übrigens besonders gerne von Technikern übersehen, wenn Sie digitale Tools gestalten.

      Die Idee der individuellen Lernziele fand ich auch eine Bereicherung und wir haben das als Lerngruppe auch direkt übernommen. Als Lerngruppe aber geht es uns um mehr, als nur dem Nachspüren der individuellen Lernziele. Um das zu verallgemeinern: Eine gemeinsame Reflexion und ein soziales Lernen kann meiner Ansicht nach nur dann stattfinden, wenn ich mir als Veranstalter eines MOOCs oder auch Verantwortlicher eines Kurses darüber im klaren bin, dass es eben (insbesondere im organisationalen Kontext) nicht nur individuelle Lernziele und lernende Individuen gibt, sondern auch Ziele, die mithilfe des Kurses insgesamt und für alle (oder zumindest für einen großen Teil oder auch nur eine Gruppe) erreicht werden sollen. Hier kann ich tatsächlich viel aus unseren Erfahrungen mit Kollaborationsplattformen einbringen, die erst dann adäquat funktionieren und auch von den Beschäftigten angenommen werden, wenn sie darin den kollaborativen Zusammenhang erkennen bzw. sozialen Sinn sehen. Der zum einen darin besteht, dass es die digitale Plattform die eigene Arbeit leichter machen kann, was aber zum anderen nur dadurch möglich ist, dass ich mich mit anderen vernetzte und gemeinsam an Problemlösungen arbeite bzw. auch gemeinsam lerne und dabei ein kollektives Wissen und ein Gruppenzusammenhang (Community) entsteht. Ich glaube, dass spätestens im Bereich der Kompetenzbildung genau dieser soziale Zusammenhang deutlich zum Tragen kommt. Wie ich auch der Meinung bin, dass eine Kompetenzbildung über digitale Settings bzw. eine digitale Didaktik (Mathetik) möglich ist.

      Hier gibt es in der Tat noch viel zu entdecken, auszuprobieren und zu reflektieren. Letztlich habe ich die Einladung zur Teilnahme am MOOC genau in diesem Ansinnen erlebt. Und hoffentlich ist unser kleiner Dialog ein Anteil beim fruchtbar machen der digitalen bzw. virtuellen Möglichkeiten von Lernen und Bildung.

      Ebenfalls mit herzlichen Grüßen

      Alexander Klier

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