Wer die Welt verändern will, muss mit der Arbeit beginnen! (1)

Brüder, zur Sonne, zur Freiheit,
Brüder zum Licht empor!
Hell aus dem dunklen Vergangnen
leuchtet die Zukunft hervor.
Hell aus dem dunklen Vergangnen
leuchtet die Zukunft hervor.“

Es freut mich, wenn ich mittlerweile über meine Webseite bzw. auch einen meiner Blogbeiträge zum Schreiben eines Artikels angefragt werde. Je nach Anliegen und vor allem der Zeit, die zur Verfügung habe, komme ich dem normalerweise gerne nach. Ganz besonders hat mich aber die Anfrage des Schweizer Philosophieportals Philosophie.ch, als Anlaufstelle für die Philosophie in der Schweiz,1 gefreut, ob ich denn nicht einen Beitrag zur Zukunft leisten wolle. Gemeint natürlich als Blogbeitrag im Rahmen des Philosoph*innen Blogs dieser Webseite. Dieser Aufforderung bin ich mit dem Titel „Die Zukunft der Arbeit. Zeitsouverän arbeiten und leben im digitalen Zeitalter“ in zwei Teilen (hier ist Teil 2 auf Zeitphilosophie.ch und hier auf meiner Seite zu finden) begeistert nachgekommen.2 Mit der gemeinsamen Vereinbarung, dass ich den Inhalt parallel dazu im Rahmen meines eigenen Blogs veröffentliche und wir aufeinander verweisen.3

Gleichzeitig freue ich mich, mit diesem ersten Teil des Blogbeitrags endlich auch die Überschrift (wieder) verwenden zu können, die wir im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung mit der Hochschule für Philosophie und dem Nord-Süd Forum im Rahmen des Klimaherbstes 2014 in München im Gewerkschaftshaus veranstaltet haben.4 Ich meine das nämlich tatsächlich im doppeldeutigem Sinn: man muss mit der Arbeit beginnen im Sinne des Anfangens und man muss mit der Arbeit beginnen im Sinne der inhaltlichen Veränderung und Gestaltung. Nur so wird es eine Zukunft der Arbeit – und eine nachhaltige Gesellschaft – geben. Wobei, und hier gibt es den wunderbaren Anknüpfungspunkt an das alte Arbeiterlied „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit,“5 aus dem ich oben die erste Strophe zitiert habe: die Gestaltung der Zukunft kann nur in der Gegenwart erfolgen und speist sich aus Weichenstellungen der Vergangenheit. Hier nun der erste Teil meines „Original-Blogs“.

Adolph Menzel -Das Eisenwalzwerk (Google Art Project). Gemeinfreie Datei.

Es gibt nicht nur schriftliche Zeugnisse des Übergangs vom Feudalismus zum entwickelten Kapitalismus. Auch dieses Bild von Adolph von Menzel gehört zu diesen Zeugnissen. Entstanden ist es nämlich aus tatsächlichen Studien von ihm, die schließlich zu dieser Charakterisierung der sich verändernden Arbeit führte. Was hier noch schön zu sehen ist, das sind links und rechts unten am Rand die noch existierenden Lebensbezüge (links Waschen und rechts das gemeinsame Essen mit der Familie) während der Arbeitszeit. Ohne sich übrigens allzu naive Vorstellungen davon zu machen, dass dies auch nur ansatzweise ein „schönes“ oder „gutes“ Leben gewesen wäre.
Bild: Adolph Menzel – Das Eisenwalzwerk (Google Art Project) auf den Wikimedia Commons. Verwendung als gemeinfreie Datei.

Die Zukunft der Arbeit (1)

„In Manufaktur und Handwerk bedient sich der Arbeiter des Werkzeugs, in der Fabrik dient er der Maschine. Dort geht von ihm die Bewegung des Arbeitsmittels aus, dessen Bewegung er hier zu folgen hat. In der Manufaktur bilden die Arbeiter Glieder eines lebendigen Mechanismus. In der Fabrik existiert ein toter Mechanismus unabhängig von ihnen, und sie werden ihm als lebendige Anhängsel einverleibt.“6

Dieser Tage wird im Rahmen der sozialen Medien viel über die Zukunft der Arbeit diskutiert und geschrieben. Da gibt es auf Facebook die Gruppe Arbeitsplatz der Zukunft, auf Twitter wird unter dem Hashtag #ArbeitsplatzderZukunft7 gezwitschert und schließlich ist es auch ein Thema in den beruflichen Netzwerken wie etwa auf Xing und LinkedIn, beispielsweise in den Gruppen „Future of Learning and Working“ oder auch „Future Workplace“.8 Der besondere Tenor der derzeitigen Diskussion liegt auf der Frage, inwiefern die digitale Revolution das Arbeiten im Sinne der Zusammenarbeit in Unternehmen verändert und wie demzufolge der digitale Arbeitsplatz aussieht. Insbesondere scheint die Frage interessant zu sein, welche Freiheiten der digitale Arbeitsplatz in der Zukunft bietet. Das ist mein Anlass, etwas über die Zukunft der Arbeit zu schreiben und dabei zu versuchen, diese Diskussionen, Entwicklungen und auch unterschiedlichen Vorstellungen philosophisch einzuordnen. Durchaus verstanden in einem „spekulativen“ Sinn (Hegel), also im Sinne eines „begreifenden Erkennens“ angelegt. Die Zukunft der (digitalen) Arbeit erwächst dabei ganz elementar aus den Widersprüchen und Problemen der Vergangenheit und Gegenwart. Das wäre die eine Seite und damit Thema des ersten Blogbeitrags hier. Die zweite Seite, und damit Teil 2 des Blogbeitrags (hier), folgt auch Hegel, ist jedoch eher dialektischer Natur. Gerade für die digitale Revolution gilt, dass sich alleine aufgrund der Einführung einer Technologie nichts verändert. Weder positiv, noch negativ.

Gleich zu Beginn möchte ich auch meinen eigenen Standpunkt unmittelbar deutlich machen: in Zukunft werden wir, dank der digitalen Plattformen, zeitsouverän arbeiten und zugleich während der Arbeitszeit (wieder) „Leben“ können.

Die Vergangenheit dieser Zukunft

„Sie [die Arbeiter] blieben nicht nur an den zahllosen Feiertagen, sondern auch am ‚blauen Montag‘ der Arbeit fern, sie kamen zu spät und gingen zu früh. Sie leisteten sich offizielle und inoffizielle Pausen, in denen geredet, gegessen, bisweilen auch Karten gespielt, gerauft und vor allem viel Bier und Schnaps getrunken wurde. Die Eltern nahmen ihre Kinder zur Arbeit mit und setzten sie als Handlanger ein.“9 

Im Zitat von Christoph Deutschmann geht es um eine noch gar nicht so lange zurückliegende Vergangenheit, nämlich die Zeit des Übergangs vom Feudalismus und manufakturieller Produktion hin zum Industriekapitalismus mit der Entstehung großer Fabriken. Eines Übergangs, der viele dialektische Widersprüche aufwies und erst über mehrere Jahrzehnte des Widerstreits und Kampfes zur erfolgreichen Etablierung einer neuen gesellschaftlichen Zukunft führte.10 Die Zukunft hängt für menschliche Gesellschaften deshalb wesentlich von der Vergangenheit ab, weil die jeweiligen Prozesse, Strukturen aber auch Werte und Normen eine deutliche Auswirkung (und oft auch Begrenzung) der jeweils gegenwärtigen Gestaltungsspielräume haben. Dies wird in den ökonomisch-technischen Theorien als Pfadabhängigkeit beschrieben und in den sozial-kulturellen Theorien als Tradition und Struktur. Das gilt auch für die Gestaltung der Arbeit und dabei vor allem den Vorstellungen von Arbeitszeiten. Relativ einheitlich ist mittlerweile die Auffassung, dass die heutige Arbeitsorganisation in den Unternehmen fundamental vom Geiste Frederick Taylors und seiner „wissenschaftlichen Betriebsführung“ geprägt worden ist. Er war es, der vor mehr als hundert Jahren die Arbeit in kleinste Schritte unterteilte und dabei vor allem Hand- und Kopfarbeit(er) trennte. Die „einfachen“ Beschäftigten hatten sich gemäß dieser Lesart nur den Anweisungen der sich daraus ergebenden Linienhierarchie unterzuordnen. Mit anderen Worten: Sie hatten zu dienen.

Arbeit in der Fabrik

„Selbstbestimmung, Partizipation, Potentialentfaltung – die Trends der neuen Arbeitswelt werden schon länger unter Experten und Interessierten diskutiert. Alles Theorie oder Traum? Nein, AUGENHÖHE zeigt Unternehmen, in denen viele dieser Trends bereits gelebt werden – und die Menschen, die diese Organisationen gestalten.“11

Dieses System ermöglichte es historisch, viele äußerst unterschiedliche Menschen an einem bestimmten Ort (der Fabrik) zur Zusammenarbeit zu bekommen und miteinander arbeiten zu lassen. Schließlich endete diese Entwicklung in der Fließbandproduktion mit der Herausbildung der Erwerbsarbeit als einer spezifischen Vorstellung von Arbeitszeitgestaltung. Diese Entwicklung führte aber auch zu einem nicht zu unterschätzenden „Taylorismus in den Köpfen der Arbeitsgestalter“,12 der bis heute gilt. In einer Kurzform habe ich das im Rahmen meiner Dissertation13 so beschrieben, dass alle lebensweltlichen zeitlichen Bezüge, die als unproduktiv betrachtet wurden, im Rahmen von Industrialisierung und Taylorisierung der Arbeit mühsam aus dem betrieblichen Kontext ausgeschleust worden sind. Arbeitszeit sollte lediglich noch produktive Zeit sein, wiederum am Beispiel des Fließbandes gut zu zeigen. Zugleich wurde sie damit zum Paradigma fremdbestimmter Zeit. Das Beispiel von Industriearbeit am Fließband im Rahmen des sich entwickelnden Kapitalismus war auch die Vorlage für die Entfremdungstheorie von Karl Marx.14 Arbeiter als bloße Anhängsel der Maschine, wie zu Beginn zitiert, das war der technologie- und kapitalismuskritische Albtraum. Keine schöne Zukunft der Arbeit jedenfalls, dem Friedrich Engels als Mitstreiter von Karl Marx bereits früh eine Utopie im Sinne einer etwas naiven Vorstellung vorkapitalistischer Zeiten entgegensetzte.15

Eine moderne utopische Entgegenstellung liefert dagegen der Film Augenhöhe. „Als Inspiration für alle, die in ihrem Umfeld Impulse für eine andere Arbeitswelt setzen möchten.“ Das Besondere an diesen Filmen ist, dass das „Gattungsleben“ des Menschen, das nun kurz skizziert wird, für mich deutlich zu sehen ist.

Einbettung und Verwendung des Videos unter den Bedingungen der Creative Commons (BY-NC-SA).

Die Entfremdung vom Gattungsleben

„Denn erstens erscheint dem Menschen die Arbeit, die Lebenstätigkeit, das produktive Leben selbst nur als ein Mittel zur Befriedigung eines Bedürfnisses, des Bedürfnisses der Erhaltung der physischen Existenz. Das produktive Leben ist aber das Gattungsleben. Es ist das Leben erzeugende Leben.“16 

In seinen Frühschriften ist Karl Marx noch sehr darum bemüht, menschliches Leben und das Zusammenleben in Gesellschaften in Bezug auf die Arbeit und ihre Organisation einzuordnen. Hier steht er in der Tradition des deutschen Idealismus, allem voran Hegel und auch Ludwig Feuerbach.17 Insofern greift er, wenigstens für mich, in obigem Zitat die historische (europäische) Linie auf, dass Arbeit im Sinne einer willentlichen und bewussten Gestaltung der Umwelt zum Wesensmerkmal von Menschen gehört. Deshalb ist für ihn das produktive Leben gleichbedeutend mit Gattungsleben.18 Das allerdings im Kapitalismus durch dessen konkrete Gestaltung der Arbeit und Zusammenarbeit nicht gelebt werden kann und insgesamt zu einer Entfremdung führt.19 „Andrerseits kommt der Arbeiter beständig aus dem Prozeß heraus, wie er in ihn eintrat – persönliche Quelle des Reichtums, aber entblößt von allen Mitteln, diesen Reichtum für sich zu verwirklichen.“20 Arbeit rein als Mittel, um die eigene Reproduktion zu sichern und Arbeit entblößt von allen anderen sozialen bzw. lebensweltlichen Bezügen im Arbeitsprozess. Das ist ein Bild, das wesentlich von Marx geprägt wurde und sich bis weit in die Gesellschaft hinein ausgebreitet hat. Ein Bild, das deutlich an der Diskussion um Arbeitszeit und deren Gestaltung abzulesen ist.21 Aber auch ein Bild darstellt, das zwar sehr umfangreich, aber doch kein vollständiges Abbild der realen Arbeitswelt ist.

Bild: Lars_Plougmann_-_Taylorism_(auf dem Wikimedia Commons)

Dieses Bild symbolisiert für mich sehr gut das, was Karl Marx als Entfremdung vom Gattungsleben beschreibt:22 Die systematische Vereinzelung der Beschäftigten, weitgehende Sinnentleerung der Arbeitsschritte und schließlich ein starkes Command and Control System.
Bild: Lars Plougmann – Taylorism auf den Wikimedia Commons. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons (BY-SA), also Namensnennung und Verwendung unter gleichen Bedingungen.

Die Problemstellung

Das Bild von Arbeit, das Karl Marx beschreibt, war insofern von vornherein falsch, weil nicht nur zu dieser Zeit nicht jede Arbeit als Fabrikarbeit bzw. tayloristisch organisiert worden ist.23 Aus meiner Sicht gibt es bei der Frage der Entfremdung vom Gattungsleben vor allem zwei zentrale Aspekte:

  1. (Produktive) Arbeit wird bei Marx als Abstraktum tatsächlich in dem Sinne verstanden, wie es die Erwerbsarbeit später als zeitlich-abstrahierender Begriff einer rein chronometrischen Zeit in sich trägt.
  2. Dabei impliziert die konkrete Ausführung über das Gattungsleben eine sehr individualistische Sicht auf das Thema Arbeit bzw. setzt die individualistische Sicht der europäischen Tradition fort.24

Letztlich bleibt Karl Marx für mich recht vage in der genauen Beschreibung dessen, was konkrete Eigenschaften des Gattungslebens sein könnten und wie dementsprechend eine Entfremdung, oder genauer eigentlich eine Nicht-Entfremdung vom Gattungsleben aussehen würde.25 Ich selbst habe meine Arbeit immer auch anders erlebt, weshalb ich mit dieser einseitigen Interpretation nie zufrieden war. Für mich gab (und gibt) es innerhalb der Arbeit immer Aspekte, die nicht rein fremdbestimmt waren bzw. lebensweltlich einzuordnen sind.26 Situationen, in denen ich mich nicht entfremdet fühlte. Dies ist die Ausgangssituation für den zweiten Teil (hier) meines Blogbeitrages, der ja schließlich und insgesamt in die Zukunft weisen soll.

Nachtrag vom 14.8.2016

Nun ist der erste der beiden Blogbeiträge in seiner Ursprungsversion und ausgehend von Philosophie.ch auch in der Huffington Post erschienen. Hier geht es zum ersten Teil. Der zweite Teil ist offensichtlich noch nicht publiziert. Ich hoffe, dass auch dieser noch erscheint. Es freut mich sehr, dass zumindest das Thema weitere Kreise zieht.

 

  1. Zur Selbstbeschreibung: „Auf Philosophie.ch finden Sie Informationen rund um das Thema Philosophie mit Hinweisen auf aktuelle Veranstaltungen in der Schweiz, Publikationen aus der Fachwelt oder den Medien. Praktische Tipps für Philosophiebegeisterte und weiterführende Links ermöglichen es der interessierten Öffentlichkeit tiefer in die Welt der Philosophie einzutauchen und selbstständig nach Literatur aus einem der philosophischen Themengebiete zu suchen.“ []
  2. Und merke jetzt erst, wie sehr ich hiermit wieder an ein Kernanliegen von mir, nämlich die Arbeit im Sinne von Erwerbsarbeit und ihre Gestaltungsmöglichkeiten, dich auch im Rahmen der Promotion behandelt habe, neu betrachten und analysieren durfte. []
  3. Entgegen der ursprünglichen Absicht werde ich das auch in zwei Teilen machen, jeweils ergänzt um eine andere bzw. erweiterte Einleitung.  Außerdem gibt es kleinere textliche Ergänzungen bzw. Korrekturen und Erweiterungen durch Fußnoten. []
  4. In deren Rahmen ich auch als Referent die Position der Gewerkschaften kritisch vertreten habe. []
  5. Ich will hier nicht auf die Probleme eingehen, die sowohl historisch also aktuell die Arbeiterbewegung auszeichnen. Speziell an diesem Lied beziehen würde dieser Strophe gefällt mir das Streben nach Freiheit und Gerechtigkeit, das im Prinzip schon immer Menschen mit der Helligkeit des Tageslichts verglichen haben. []
  6. Karl Marx: Das Kapital. MEW 23, S. 445. []
  7. Das ist nur beispielhaft gemeint. Die Diskussion findet unter mehreren Hashtags statt, wie beispielsweise #futureofwork oder #neuearbeit. []
  8. Auf Xing beispielsweise auch Arbeitsalltag 4.0 oder The Future of Work – Die Arbeitswelt von morgen. []
  9. Deutschmann, C. (1990): Der Normalarbeitstag. Historische Funktion und Grenzen des industriellen Zeitarrangements. In König, H.; Greiff, B. v. & Schauer, H. (Hrsg.): Sozialphilosophie der industriellen Arbeit. Opladen: Westdeutscher Verlag, S. 77 – 95, S. 84. []
  10. Den kulturellen Kampf um die Arbeitszeit und vor allem Zeitdisziplin im Frühkapitalismus und bei der Einführung fabrikmäßiger Arbeitsorganisation im Rahmen der Industrialisierung beschreiben Deutschmann (a.a.O.), Andrea Maurer (Alles eine Frage der Zeit? Die Zweckrationalisierung von Arbeitszeit und Lebenszeit. Berlin: Edition Sigma) und vor allem  E.P. Thompson (1967) sehr schön. In Ergänzung dazu sehr lesenswert: Glennie, P. & Thrift, N. (1996): Reworking E. P. Thompson´s ‚Time, Work-discipline and Industrial Capitalism‘ in: Time & Society Vol. 5(3), S. 275 – 299 []
  11. Selbstbeschreibung der Webseite „Augenhöhe – der Film„. []
  12. Kieser, A. & Walgenbach, P. (42003). Organisation. Stuttgart: Schaeffer-Poeschl, S. 380 []
  13. Genauer eigentlich im Rahmen der Veröffentlichungen danach, beispielsweise im Beitrag für den Band des Promotionskollegs (Zeitformen – Versuch der kategorialen Fassung betrieblicher Zeitqualitäten. Hier geht es zum Band „Verflüssigung von Arbeit und Zeit“ des Promotionskollegs.) sowie als kritische Ergänzung mit dem Titel „Die Rückkehr der Lebenswelt in die Arbeit“ hier. []
  14. Insofern würde ich die Entfremdungstheorie, die an sich bei Karl Marx gar nicht richtig ausgearbeitet ist, nicht auf den Kapitalismus als solchen zurückführen, sondern an die spezifische Ausdrucksform tayloristisch organisierter Großunternehmungen und Fabriken. []
  15. „Auf diese Weise vegetierten die Arbeiter in einer ganz behaglichen Existenz und führten ein rechtschaffenes und geruhiges Leben […], ihre materielle Stellung war bei weitem besser als die ihrer Nachfolger; sie brauchten sich nicht zu überarbeiten, sie machten nicht mehr, als sie Lust hatten, und verdienten doch, was sie brauchten, sie hatten Muße für gesunde Arbeit in ihrem Garten oder Felde, eine Arbeit, die ihnen selbst schon Erholung war, und konnten außerdem noch an den Erholungen und Spielen ihrer Nachbarn teilnehmen […]. Sie waren meist starke, wohlgebaute Leute […]. Ihre Kinder wuchsen in der freien Landluft auf, und wenn sie ihren Eltern bei der Arbeit helfen konnten, so kam dies doch nur dann und wann vor, und von einer acht- oder zwölfstündigen täglichen Arbeitszeit war keine Rede“ – Friedrich Engels (1845): Die Lage der arbeitenden Klasse in England (MEW 2), S. 238. []
  16. Karl Marx (1844): Ökonomisch-philosophische Manuskripte; Marx-Engels-Werke (MEW) Band 40, S. 516. []
  17. Den er zwar gerade bezüglich seiner Religionsvorstellung kritisiert, aber dadurch eben auch als Vorlage des „Gattungswesens“ Mensch akzeptiert und für ihn positiv wendet. „Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum inwohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“ – Karl Marx (1969): Thesen über Feuerbach; Marx-Engels-Werke (MEW) Band 3, S. 5. []
  18. Gattung versteht Marx hier im Sinne der biologischen Art von Menschen und philosophisch als Idee vom Menschsein durch „freie und bewusste Tätigkeit“. []
  19. „Indem die entfremdete Arbeit dem Menschen 1. die Natur entfremdet, 2. sich selbst, seine eigne tätige Funktion, seine Lebenstätigkeit, so entfremdet sie dem Menschen die Gattung; sie macht ihm das Gattungsleben zum Mittel des individuellen Lebens. Erstens entfremdet sie das Gattungsleben und das individuelle Leben, und zweitens macht sie das letztere in seiner Abstraktion zum Zweck des ersten, ebenfalls in seiner abstrakten und entfremdeten Form“ – Karl Marx, a.a.O., S. 516. []
  20. Marx 1867, S. 595f []
  21. Damit meine ich vor allem die wichtigen tariflichen Errungenschaften der quantitativen Arbeitszeitverkürzung und Entlohnung im Rahmen fremdbestimmt Arbeit. Die qualitativen Aspekte der Arbeit, beispielsweise lebensweltliche Zusammenhänge waren (leider) nur selten Thema einer Gestaltung durch die Gewerkschaften. []
  22. Wohlgemerkt: Nach meiner Interpretation. Dem dürften sich nicht allzu viele Interpreten der Werke von Karl Marx anschließen. []
  23. Beispiele hierfür wären die sogenannte Wissensarbeit oder auch kreativen Tätigkeiten. Und schließlich die gesamte „Reproduktionsarbeit“ in den Familien, um deren Deutung und Bedeutung regelrechte Grabenkämpfe im Sinne einer marxistischen Interpretation toben. []
  24. Was entgegen der Absicht von Karl Marx ist, weil er sich ja gerade damit beschäftigt, inwiefern sich die gesellschaftlichen Verhältnisse in den Individuen widerspiegeln. []
  25. Doppelte Negationen haben es so in sich. Andererseits waren sie durchaus Wortspiele, die vor allem Hegel angewandt hat und damit deutlich zu machen, worum es eigentlich geht. Gemeint ist damit der Umstand, unter welchen Bedingungen Menschen mit den Möglichkeiten des Menschseins in Einklang stehen könnten. Und zwar auch und während der Erwerbsarbeit. []
  26. Siehe dazu noch einmal meine oben beschriebenen Beiträge im Rahmen des Promotionskollegs bzw. des Ansatzes der „Rückkehr der Lebenswelt in die Arbeit“ im Rahmen des Projektes LANCEO. []
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