Virtuelle Präsenz (Corona 1)

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Für mich hat sich die Lehrveranstaltung als sehr ergiebig herausgestellt. Ich konnte viel mitnehmen. Ich denke, ich habe genauso viel gelernt, als bei einer Präsenzveranstaltung. Und musste dabei noch nicht einmal die Wohnung verlassen.

Eine Studentin 1

Wer hätte noch vor zwei Monaten gedacht, dass es ganz schnell gehen kann mit dem Thema Onlinelehre und digitalem Lernen? Aus meiner Sicht hat der Coronavirus mehr dazu beigetragen, als all die sanften Versuche von verschiedenster Seite, die Tragweite der digitalen Transformation in Bezug auf Lern- und Bildungsprozesse zu verdeutlichen. Die Botschaft ist eher selten angekommen in dem Sinne, tatsächlich neu sowohl über die dem Lernen zugrundeliegenden soziokulturellen Prozesse, als auch die jeweiligen dafür verfügbaren Technostrukturen nachzudenken. Dazu habe ich mich im Rahmen meines Blogs schon an verschiedenen Stellen ausgelassen.2 Wie und was auch immer die große Politik macht: ich ergreife hier die Chance, parallel zu meinem aktuellen Blended-Learning Seminar mit dem Titel „Bildung im digitalen Lernraum“, das mittlerweile in ein rein virtuelles Seminar mutiert ist, zu beschreiben, was ich gemacht habe, was dabei zu erleben war und welche Aspekte mir hier wichtig sind. Ich lege dies deshalb als eine Folge von Blogbeiträgen an, weil ein Eintrag alleine ziemlich lange wäre und das Semester eben erst begonnen hat (und im weiteren Verlauf noch ganz viel unklar ist). So gesehen handelt es sich also um eine Art Live-Berichterstattung, wenn auch nicht ganz live :-).

Mit diesem Beitrag möchte ich beginnen, indem ich beschreibe, was ich mit den Studierenden im Rahmen der ersten virtuellen Präsenzsitzung (statt der ursprünglich vorgesehenen physischen Präsenzsitzung) gemacht habe. Dem folgen eine Erläuterung meiner einführenden Präsentation, weitere Diskussionen dazu und schließlich, welches Feedback der Studierenden es dazu gab.3 Diese Blogreihe dient mir weiter dazu, das Thema im Kurs selbst zu behandeln. Mit anderen Worten: diese drei (und die möglicherweise folgenden) Blogbeiträge werden Bestandteil des Curriculums des Seminars.4 Es ist wohl einer der äußerst glücklichen Umstände, dass sich die derzeitige gesellschaftliche Entwicklung so richtig mit den Inhalten des Kurses in Übereinstimmung bringen lässt. Mal sehen, wie es wird. Ich werde auch versuchen, die entsprechenden Folien meiner ursprünglichen Präsentation als Bilder mit einzubinden. Das macht den ganzen Beitrag tatsächlich (mindestens gefühlt) etwas länger, bietet dafür aber die Chance, immer den Bezug zu wahren. Dafür werde ich deutlich weniger Fußnoten verwenden, als ich das üblicherweise in meinen Blogbeiträgen tue. Das ist auch deshalb möglich, weil meine Präsentationsfolien weitgehend eine Zusammenfassung meiner eigenen Erkenntnisse zu den jeweiligen Aspekten darstellen. Wie immer stehen sowohl der Inhalt dieses Blogs, als auch meine eigenen Grafiken unter einer Creative Commons Lizenz der Namensnennung und Verwendung unter gleichen Bedingungen (CC-BY-SA). Bzw. ist er / sind sie auch als OER (Open Educational Resources) Material frei verwendbar. Eventuell eingebundene Bilder werden entsprechend gekennzeichnet.

Warum ich der ganzen Blogreihe den Titel einer virtuellen Präsenz genehmige, das habe ich in einem schon etwas zurückliegenden Blogbeitrag ausführlich inhaltlich begründet.5 Insofern werde ich konsequenterweise zwischen einer physischen und einer virtuellen Präsenz unterscheiden. Spannend wird sicherlich auch, dass ich mit diesem Blogbeitrag (im zweiten Teil) meine Präsentationen, die einen Einstieg für die Studierenden ins gesamte Seminar bieten sollte, ausführlicher beschreibe und begründe.6 Also das vorstelle, was ich normalerweise in einer physischen Präsenz vor dem Auditorium vollziehe. Das habe ich bisher noch nicht gemacht. Damit haben die Studierenden jedoch wiederum die Chance, reflexiv lernend nachzuvollziehen, was ich mit der Präsentation beabsichtigt hatte. Die komplette Präsentation habe ich dabei hier als PDF Dokument hinterlegt.


Bevor ich nun loslege noch eine ganz kurze Übersicht, was ich in den vorerst drei Teilen vorhabe:

  1. Dieser erste Teil (auch meiner Gesamtpräsentation) beschäftigt sich mit den Vorbereitungen und dem Einstieg in die virtuelle Präsenzsitzung. Thematisch geht es dabei um Begriffserklärungen vor allem der Begriffe Daten, Informationen, Wissen, Kompetenz und schließlich auch von Lernprozessen und dem Gedächtnis.
  2. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem ersten Teil der eigentlichen Präsentation die den Titel „Die digitale Disruption von Bildung und Lernen“ trägt. Hier geht es auch um eine kurze Bestandsaufnahme des derzeitigen Status digitaler Lehre, den ich im Rahmen des ersten Treffens aus Zeitgründen leider gar nicht mehr richtig behandeln konnte.
  3. Der dritte Teil widmet sich, als letzter und zentraler Teil meiner Präsentation dem, was aus meiner Sicht die Chancen der digitalen Transformation von Lernen und Bildung darstellt. Mit anderen Worten: Hier entwerfe ich eine Skizze digitaler Bildung.

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Bild 1 (auch Beitragsbild): sandra_schoen – presentation-341444 auf Pixabay. Verwendung als Lizenzfreies Bild gemäß den Bedingungen von Pixabay.

Der Anfang vor dem Anfang

Vor der ersten virtuellen Präsenzsitzung hatte ich den Studierenden eine Aufgabe gegeben die darin bestand, bestimmte Wissensspiele auszuprobieren und ein wenig darüber nachzudenken, was sich dahinter verbirgt. Dies hätte ich auch in der normalen Präsenzsitzung gemacht und entsprechend Brettspiele mitgebracht7 Einige der Studierenden hätten dabei mit dem Notebook tatsächlich auch die Learning Snacks ausprobieren können8 Inhaltlich geht es mir bei diesem Schritt generell darum, auf Begriffe zu reflektieren und damit vorzubereiten, was später im Rahmen meiner eigentlichen Präsentation zum Thema wird. Begrifflich ist dies bei den Lernhappen die Vorbereitung auf das sogenannte „Byte-Sized-Learning“, einem wichtigen Begriff im Rahmen von behavioristischen Lerntheorien. Diesem vorbereitenden und einführenden Zweck diente auch die Sammlung der Antworten der Studierenden im Modul Feedback auf Moodle. Die inhaltlichen Anmerkungen meinerseits dazu folgen jetzt im Anschluss.


Bild 2: Folie 2 der Einstiegspräsentation. Zur angedachten Textarbeit sind wir während unserer virtuellen Präsenzsitzung nicht mehr gekommen. Diese habe ich anschließend als eigenständige Aufgabe über Moodle zur Bearbeitung gegeben.

Apropos: Technisch abgebildet habe ich diese Sitzung über Videokonferenzsystem Zoom,9 was sehr gut funktioniert hat. Normalerweise hätte ich es via Adobe-Connect gemacht, doch das war zu diesem Zeitpunkt schlicht keine Möglichkeit, weil es einfach aufgrund von Kapazitätsengpässen nicht funktioniert hätte. Andere verfügbare Videokonferenzsysteme waren in verschiedenen Funktionalitäten eingeschränkt. Der wichtigste Aspekt war aber beispielsweise die Möglichkeit, Gruppenräume abzubilden (in Zoom Breakout-Rooms genannt).

Von Daten zu Kompetenz und Bildung

Meine Kritik am „Lehrlernkurzschluß“, d. h. der Unterstellung, „Lehren“ würde automatisch „Lernen“ bei den Belehrten implizieren […] ist nicht primär „antiautoritär“ motiviert. Vielmehr versuche ich in den verschiedensten Zusammenhängen zu zeigen, daß die Vorstellung, man könne etwa durch Lehrpläne, Lehrstrategien, didaktische Zurüstungen die Lernprozesse eindeutig vorausplanen, also Bedingungen herstellen, unter denen den Betroffenen nichts anderes übrigbleibt, als in der gewünschten Weise zu lernen, eine Fiktion darstellt […]

Klaus Holzkamp 1996 10

Zum Einstieg und Übergang in die virtuelle Präsenzsitzung gehörte am Anfang die Anwendung der Liberating Structures, genauer der Mikrostruktur 1-2-4-All. Sowohl die Fragestellung, als auch der Einsatz selbst dienten dabei vor allem dem Zweck, es den Studierenden leichter zu machen, in dieser doch sehr ungewohnten neuen Form zu beginnen. Da wir das Semester davor bereits über Adobe-Connect etwas ähnliches gemacht hatten, hat es eigentlich recht reibungslos (auch technisch) geklappt, einen Einstieg in das virtuelle Lernen zu finden. Der nächste Schritt diente dazu, die Diskussionen einschließlich der vorbereiteten Fragestellung und ihrer Ergebnisse zusammenzufassen und zu bündeln. Ziel sollte es sein, insbesondere die Begriffe Daten, Informationen, Wissen und Kompetenz näher zu erfassen und das Verhältnis zum Begriff Bildung zu klären.

Von Daten zur Kompetenz

Wohl auf keinem Feld im Bereich von Lernen und Bildung gibt es so viel Klärungsbedarf wie bei den zugrunde liegenden Begriffen. Das hat damit zu tun, dass jede Wissenschaft ein je anderes Verständnis davon hat. So ist beispielsweise der pädagogische Wissensbegriff ein komplett anderer als der verwendete Wissensbegriff beispielsweise in den Wirtschaftswissenschaften. Und Programmierer sehen Wissen noch einmal ganz anders. Vielfach bleibt dabei leider ungeklärt, in welchem Verhältnis Wissen dann beispielsweise zu Informationen und Daten steht.11 Schlimmer noch: Im Bereich des Wissensmanagements beispielsweise wurde Wissen nicht selten mit Daten gleichgesetzt. Demgegenüber bleibt meinerseits festzuhalten: in Datenbanken befinden sich kein Wissen, sondern eben Daten. Wissen muss in jedem Fall aktiv von wissenden Menschen hergestellt werden, was über verschiedene kommunikative Handlungen genauso passieren kann, wie über Handeln im ganz klassischen Sinn. Was wiederum bedeutet: man kann Wissen genauso wenig wie etwa Sinn übertragen, es kann aber kollaborativ erarbeitet werden.

Eine noch sehr viel spannendere Debatte bezieht sich auf den Zusammenhang zwischen Wissen und Kompetenz. Mehrheitlich wird dabei über das sogenannte implizite Wissen versucht einen vermuteten Transfer von Wissen zu Handlungen hin zu konstruieren. Dabei steckt in dem alten deutschen Begriff der Kompetenz eine wesentliche Bedingung für kompetentes Handeln: die Erlaubnis bzw. die Ermächtigung. Es müssen also auch entsprechende Strukturen vorhanden sein, damit sich Kompetenz entwickeln kann bzw. ausgeübt werden kann. Das gilt insbesondere für den ganzen Bereich der sogenannten digitalen Kompetenzen. Mit anderen Worten: das derzeit viel gepriesene digitale „Mindset“ (Einstellung) spielt nur eine untergeordnete Rolle. Hinzu kommen muss immer mindestens das Toolset (Technostruktur), das Skillset (Kompetenz & Erfahrung) und, als überhaupt ermöglichender oder verhindernder Faktor, vor allem das Rule-Set (Soziokultur), wie wir es bei Beck et al. gerne betonen. Bildung unterscheidet sich noch einmal insofern davon, als es hier einen Reflexionsprozess auf die drei verschiedenen Bereiche geben muss, der sinnbildend wirkt und einen eigenen Standpunkt erlaubt.

Bild 3 (eigene Grafik): Folie 9 stellt meinen Versuch dar, die Begriffe Wissen, Information und Daten in Zusammenhang mit Kompetenz und Bildung zu stellen. Das ist natürlich noch sehr grob bzw. wäre weiter zu klären. Für einen Einstieg ins Seminar aber war dieses grobe Schema gut geeignet. Besonders verweisen möchte ich dabei auf das Thema Technotruktur und Soziokultur des Lernens, das später noch einmal ausführlicher folgt. Genauso wie das Thema Bildung in diesem Zusammenhang.

Willkürliches Lernen

Wie in der oben gezeigten Grafik schon angeführt gibt es sowohl einen Weg des Aufbaus von Wissen, als auch einen Zusammenhang mit spezifischen Lernprozessen von Menschen. Der zentrale Aspekt der in Bild 4 (unten) gezeigten Zusammenhänge, den ich verargumentieren will ist der, dass jedes bewusste, willkürliche oder sonstwie bezeichnete absichtliche Lernen über das Arbeitsgedächtnis muss. Dabei ist der Begriff Arbeitsgedächtnis selbst eine neuere Bezeichnung, vormals hieß es Kurzzeitgedächtnis. Mit dieser Umbenennung in Arbeitsgedächtnis kann neurowissenschaftlich auch gezeigt werden, dass es in keinem Fall menschlichen Lernfähigkeiten entspricht, Eindrücke, Daten oder Informationen einfach abzuspeichern wie beispielsweise auf einer Festplatte. Dazu sind Menschen eigentlich ganz schlecht ausgestattet. Mit anderen Worten: „Storing details is often unnecessary to act effectively; a broad picture is generally all we need […] Causal reasoning is the basis of human cognition […] What we do excel at is reasoning about how the world works. We’re gifted causal reasoners […]“12


Bild 4 (eigene Grafik): Dieses Schaubild stellt eine Zusammenfassung von mir dar, wie sich neurowissenschaftlich zeigen lässt, was für einen Wissensaufbau im Sinne eines Gedächtnisses notwendig ist bzw. was dabei passiert.13

Neurowissenschaftlich gesehen ist das Arbeitsgedächtnis nicht nur Teil der „psychologischen Gegenwart“, sondern auch die einzige Stufe des Erinnerns, auf der die Inhalte bewusst verarbeitet werden.14 Dieser Aspekt wird uns in Teil 2 dieser Blogreihe noch einmal genauer beschäftigen, weil es bei Nichtbeachtung zum Teil sehr dramatische negative Konsequenzen gibt (Stichwort: Bulimie-Lernen). Mit anderen Worten und der Grafik folgend: Menschen wissen erst dann etwas (wirklich), wenn es für sie Sinn und Bedeutung hat sowie emotional kodiert ist. Umgekehrt gelingt es beispielsweise nicht, „einen Satz oder einen Abschnitt, dessen Bedeutung man nicht verstanden hat, zu einer ‚erinnerbaren‘ Informationseinheit zu organisieren“.15 Interessant daran ist sicher auch der Aspekt, dass sich all die empirischen Tests, die sich mit dem Erinnerungsvermögen von Menschen beschäftigen, weitgehend auf das Auswendiglernen sinnloser Silben beziehen.16 Die Vergessensraten sind hier tatsächlich enorm, aber deutlich zu unterscheiden von einem Vergessen im Sinne eines willkürlichen Lernprozesses (Verlernen).

Lernprozesse im biografischen Verlauf

Ein für mich tatsächlich ziemlich zentraler Aspekt steckt auch in der dritten Folie, die ich zur Erläuterung dieses Zusammenhangs präsentiert hatte. Es ist wohl einer der häufigsten Gründe für ein Missverständnis – bis hin zu einer richtigen Mythenbildung – dass es ein einziges Lernen, quasi „das Lernen an sich“ von Menschen gäbe.17 Mindestens drei große Lerntheorien, die auch bekannt sind, sprechen dagegen. Noch viel mehr zeigen sie, dass es unterschiedliche Wissensarten gibt, die eben unterschiedlich gelernt werden können und sollen – und die nicht aufeinander rückführbar sind. Entsprechend sind auch die Lernbedingungen bzw. vor allem das Setting unterschiedlich zu gestalten, um beispielsweise „Lernen durch Denken und Einsicht“ zu ermöglichen.

Was gerade am Entstehen ist und noch keine im eigentlichen Sinne gefestigte Lerntheorie darstellt ist der ganze Bereich des sozialen Lernens. Das hat damit zu tun, dass damit der Spezialbereich der Sozialpsychologie (aus dem Bereich der Psychologie), die Soziologie (wie beispielsweise bei Harald Welzer) oder auch die Sozialphilosophie zuständig wäre. Gerade hier aber entfalten digitale Lerntechniken ihre größte Wirkung – oder auch nicht, wenn sie, wie beispielsweise der überwiegende Teil des sogenannten E-Learnings, der behaviouristischen Lerntheorie verhaftet bleiben. Wichtig ist mir auch noch, dass sich diese Lernprozesse im biografischen Verlauf verändern und insbesondere Erwachsene viel mehr als Kinder sowohl kognitivistisch, konstruktivistisch als auch sozial lernen. Vielfach auch in Kombination.

Bild 5 (eigene Grafik): Folie 11 zeigt exemplarisch und idealtypisch, dass Menschen verschiedene Lernprozesse kennen. Dementsprechend gibt es auch verschiedene Lerntheorien, zumindest im Bereich der Pädagogik und vor allem der pädagogischen Psychologie. Noch keine Theorie im eigentlichen Sinne ist das Social Learning. Aber wir arbeiten daran 😉.18

Übergang: Eine Videointerpretation

Ich kann ehrlich gesagt keine konkrete inhaltliche Aussage in diesem […] Film (?) dazu erkennen, wie dort Lernen begriffen wird. Hier drängt sich mir, neben dieser fast schon absurden Chantal-Geschichte, eher die Botschaft auf, dass die Technik quasi das Lernen übernimmt.

Ein Student

Das obige Zitat stammt von einem Studenten, der vor etwas längerer Zeit den Masterstudiengang besucht hatte. In diesem Jahrgang habe ich zum ersten Mal eine Videointerpretation ausprobiert. Diese hat damals allerdings in einer anderen Konstellation stattgefunden: nämlich als Aufgabe auf Moodle, bei der die Studierenden den Film anschauen sollten und anschließend ihre Eindrücke (anhand ähnlicher Fragen, wie ich sie in unserer virtuellen Präsenzsitzung gestellt habe) schildern sollten.19 Ich glaube, dass die erstere Art, also eine Abbildung über Moodle besser dazu geeignet ist, eine solche Videointerpretation durchzuführen, weil es einen gewissen zeitlichen Abstand zwischen dem Anschauen und dem Interpretieren gibt. Vor allem können die Interpretationen aufeinander aufbauen, wenn sie beispielsweise im Forum von den einzelnen Beitragenden her geschrieben und gelesen werden. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass es einen guten Übergang zu meiner längeren Präsentation hin dargestellt hat. Hier ist das zu interpretierende Video anzusehen:


Videofilm „Lernen in der Zukunft – das digitale Klassenzimmer“. Dieses Video ist kein (offizielles) Microsoft Video. Es wurde wohl von Studierenden oder Schüler:innen im Rahmen einer Messe oder eines Kongresses anhand von Microsoft Produkten erstellt.

Genauere inhaltliche Ausführungen meinerseits zur damaligen Videointerpretation finden sich in einem Blogbeitrag hier. Inhaltlich möchte folgendes dazu wiederholen: Präsentiert wird im Video, jedenfalls in meinen Augen, reinste Science-Fiction dergestalt, dass einfach die derzeitig möglichen technischen Tools in die Zukunft verlegt werden. Die zu jedem willkürlichen (absichtlichen, organisierten) Lernen dazugehörigen Sozialstrukturen und kulturellen Verhaltensmuster, in diesem Fall vor allem das Verständnis von Lehr- und Lernprozessen, werden hier vollständig ausgelassen (siehe oben bzw. Teil 2 dieser Blogreihe). Diese aber sind es vor allem, die im Rahmen der digitalen Transformation von Lernen und Bildung verändert werden können – und in meinen Augen auch sollen bzw. müssen (Teil 3 der Blogreihe). Das ist, in Ergänzung, auch sehr typisch für viele politische Programme oder Förderprojekte, weil man wahrscheinlich anhand beschaffter Tablets oder einer guten WLAN Ausstattung (wogegen erst einmal überhaupt nichts zu sagen ist), etwas Handfestes vorweisen kann. Technik alleine macht aber – gar nichts. Weder macht sie das Lernen leichter oder schwerer, jedenfalls nicht als Technik. Das ist der mir zentrale Aspekt bezüglich einer digitalen Bildung. Oder, in einer Umkehrung des Eingangszitats: die Technik übernimmt das Lernen in keinem Fall. An diesen Sachverhalt kann ich nun im zweiten Teil mit der Erläuterung meiner gezeigten Präsentation gut anknüpfen.

Was das genau heißt will ich in Teil zwei dieser Blogreihe speziell an der Technostruktur und Soziokultur und dem Paradebeispiel von Vorlesungen zeigen. Bzw. habe ich im Rahmen der virtuellen Präsenzsitzung so präsentiert und besprochen.


Hier geht es weiter

Hier noch einmal der Übersicht bzw. die Verlinkung auf die anderen Teile dieser Blogreihe:

  1. Teil 1 – Von Daten zu Kompetenz und Bildung
  2. Teil 2 – Die digitale Disruption von Bildung und Lernen
  3. Teil 3 – Digitale Bildung – Eine Skizze

Nachtrag am 03.05.2020

Nun hat der ursprünglich geplante dritte Teil dieser Blogreihe doch deutlich länger gedauert, als beabsichtigt. Und wie nicht anders zu erwarten hat sich dabei auch die Perspektive meinerseits leicht geändert. Mit der Publikation des dritten Teils korrigiere ich diesen Teil entsprechend den Veränderungen. Das betrifft im wesentlichen den Überblick über die Reihe, also die Beschreibung der jeweiligen Inhalte.

Hier hieß es insbesondere bezüglich des dritten Teils, dass ich auf Reaktionen der Studierenden und unser weiteres Vorgehen im Rahmen der Anpassungen an die Corona-Krise reagieren würde. Dies wird, sofern ich dazu komme, sicher ein eigenständiger Blogbeitrag. Möglicherweise dann bereits auf einer eigens dafür eingerichteten URL bzw. Seite von mir mit dem Titel Mathetik Online.

  1. Unabhängig davon, ob es allen Studierenden so ging oder auch nur dieser einen Studentin will ich damit ganz allgemein zeigen, dass die virtuelle Variante genauso lernwirksam ist – wenn man sie richtig gestaltet. Sie funktioniert also dann gut, wenn bestimmte Bedingungen beachtet werden und, zumindest aus meiner Sicht, der Fokus sehr viel stärker auf die Studierenden gerichtet bleibt. Man könnte auch sagen, wenn sich der Fokus von der Didaktik auf die Mathetik verschiebt. []
  2. Siehe hierzu beispielsweise die Beiträge hier, hier und hier. []
  3. Geeignetes Feedback werde ich zunächst anonym posten. Ich werde parallel die Studierenden fragen, inwiefern eine Veröffentlichung unter ihrem jeweiligen Namen möglich wird. []
  4. Ich werde auch die Studierenden fragen, ob sie ihre Sichtweise in Form von Blogbeiträgen zur Verfügung stellen wollen. []
  5. Der Zusatz Corona sollte selbsterklärend sein. []
  6. Die inhaltliche Präsentation war also etwas kürzer als die Gesamtpräsentation. In dieser sind auch Folien enthalten, die nicht streng der Inhaltsvermittlung dienen. Beispielsweise die vorab angefertigte Folie zu den Inhalten und zum Ablauf, aber auch – in diesem Fall von mir ganz bewusst eingefügte – Folien zum oder mit dem Thema Pause(n). Meine Erfahrung damit ist, dass gerade in virtuellen Präsenzsitzungen über Videokonferenzsysteme bzw. durch das Mittel des Teilens des Bildschirms (Screensharing) diese Informationen ganz wichtig für die gemeinsame Gestaltung sind. []
  7. Bspw. „Wer wird Millionär“ und bestimmte Quizzes wie etwa „Früher oder Später“ oder auch „Unsere Erde“ als Quizspiel. []
  8. Weshalb ich an dieser Stelle für den geneigten Leser oder die geneigte Leserin darauf verweise. []
  9. Hierzu habe ich meinen Pro Account verwendet, der mir im Rahmen meiner Tätigkeit bei Beck et al. für solche Zwecke zur Verfügung steht. []
  10. Hier die genaue Literaturangabe: Klaus Holzkamp (1996): Wider den Lehr-Lern-Kurzschluss. Ein Interview zum Thema Lernen, S. 29; In: Rolf Arnold (Hrsg.): Lebendiges Lernen. Schneider-Vlg. Hohengehren. []
  11. Auch zu diesem Thema habe ich mich in meinem Blogbeiträgen schon öfter geäußert. Beispiele gibt es hier und hier. []
  12. Steven Sloman & Philip Fernbach (2016): The Knowledge Illusiong, S. 4. []
  13. Quellen: Markowitsch, H. J. (1997): Neuropsychologie des menschlichen Gedächtnisses. In: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Kopf oder Computer. Heidelberg: Spektrum, S. 24 -33; Markowitsch, H. J. & Welzer, H. (2005): Das autobiografische Gedächtnis: Hirnorganische Grundlagen und biosoziale Entwicklung. Stuttgart: Klett-Cotta; Welzer, H. (2011): Das kommunikative Gedächtnis. Eine Theorie der Erinnerung. München – Beck. []
  14. Vgl. dazu Philip G. Zimbardo (51992): Psychologie. Berlin – Spriner, S. 274f []
  15. a.a.O. S. 280 []
  16. Von diesen Testergebnissen her kommen auch die sehr unterschiedlich verwendeten Zahlen eines angeblichen Vergessensleistung von Menschen, wie sie nahezu die gesamte E-Learning Branche zu Grunde legt. []
  17. Zum Thema von Lerndogmen und Bildungsmythen (sowie zu neurowissenschaftlichen Fehlschlüssen bezüglich des Lernens) habe ich eine eigene vierteilige Blogreihe verfasst. Hier geht’s zu Teil 1. []
  18. Für die Lernprozesse bedeutet das soziale Lernen als Fähigkeit von Menschen aber mit etwas anderen Worten: This means that the contributions we make as individuals depend more on our ability to work with others than on our individual mental horsepower […] It also means that we learn best when we’re thinking with others“ Steven Sloman & Philip Fernbach a.a.O., S. 16. []
  19. Hier ist die genaue Aufgabenstellung im Rahmen der virtuellen Präsenzsitzung:
    Wir schauen uns gemeinsam folgenden Film an: Fun Stuff Lernen in der Zukunft – Das digitale Klassenzimmer (ca. 4 Minuten)
    Anschließend unterhalten wir uns zu folgenden Aspekten:
    • Wie wird hier (im Video) die Zukunft des Lernens gesehen?
    • Welche Aufgaben haben hier die Schüler:innen?
    • Wie ist die Rolle der Lehrerinnen?
    • Welche Vereinbarungen gibt es offensichtlich?
    • Was ist weniger offensichtlich, aber dennoch wirksam?
    • Stellt ihr euch die Zukunft des Lernens ebenfalls so vor?
    • Worauf käme es aus eurer Sicht beim Lernen der Zukunft an? []

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